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USA raten wegen Coronavirus von Reisen nach China ab

US-Amerikanern wird von Chinareisen abgeraten. Immer mehr Länder holen ausreisewillige Staatsbürger aus China zurück, ein erster Fall in Deutschland ist bestätigt: Bei dem Ausbruch des Coronavirus ist keine Entspannung in Sicht.



Atemschutzmasken
Menschen warten vor einem Geschäft in Hongkong, um Atemschutzmasken zu kaufen.   Foto: Vincent Yu/AP/dpa

Das US-Außenministerium rät wegen des neuartigen Lungenvirus von Reisen nach China ab. Bereits geplante Reisen sollten erneut auf den Prüfstand gestellt werden, erklärte das Ministerium am Montag.

China könnte zu einem späteren Zeitpunkt auch Ausreisesperren für US-Bürger verhängen, warnte das Ministerium. Für die besonders von dem Ausbruch des Coronavirus betroffene Provinz Hubei und die Stadt Wuhan warnte das Ministerium ausdrücklich vor jeglichen Reisen.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC forderte Amerikaner am Montag auf, alle nicht dringend notwendigen Reisen nach China zu vermeiden. Zuvor hatte die Behörde diese Warnstufe nur für die Provinz Hubei ausgerufen und sonst lediglich zu besonderer Vorsicht in China gemahnt.

Wegen der Lungenkrankheit wollen immer mehr Länder ihre Staatsangehörigen aus den besonders betroffenen Regionen zurückholen. «Wir arbeiten an einer Möglichkeit für britische Staatsangehörige, die Hubei-Provinz zu verlassen», hieß es am Montag von der britischen Regierung.

Belgien bot Landsleuten in Wuhan und der Provinz Hubei die Rückkehr an, auch die Niederlande, Dänemark und weitere Länder prüften Möglichkeiten, Staatsbürger auszufliegen. Andere Länder wie Japan, Frankreich und die USA haben solche Rückholaktionen bereits in die Wege geleitet.

Auch die Bundesregierung erwägt, ausreisewillige Deutsche aus China auszufliegen. Eine mögliche Evakuierung werde in Betracht gezogen, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD). Nach «Spiegel»-Informationen soll die Luftwaffe am Mittwoch oder Donnerstag nach China fliegen und rund 90 deutsche Staatsbürger ausfliegen, die sich beim Auswärtigen Amt gemeldet haben. Dem «Spiegel» zufolge besteht Peking in den Gesprächen mit der Bundesregierung aber darauf, dass Zivilmaschinen und keine Militärflugzeuge den Einsatz übernehmen.

In der Metropole Wuhan in Zentralchina, dem Ausgangsort der Epidemie, leben etwa 90 Deutsche, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte. Hinweise darauf, dass sich einer von ihnen mit dem neuartigen Virus angesteckt hat, gibt es demnach bisher nicht.

Chinas Regierung hatte Ende vergangener Woche den Verkauf von Pauschalreisen ins Ausland und innerhalb Chinas untersagt. Touristiker befürchten nun schlechtere Geschäfte auch für deutsche Reiseziele. Man beobachte die aktuelle Situation mit Sorge, teilte etwa die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg am Montag mit. Noch seien die Auswirkungen des Verbots auf beliebte Reiseziele wie Heidelberg nicht im Detail abzusehen.

Nach jüngsten Daten von 2018 wurden etwa drei Millionen Übernachtungen chinesischer Reisender in Hotels, Pensionen und anderen Unterkünften zwischen Rügen und Garmisch-Partenkirchen gezählt. «Das hohe Ausgabeverhalten der Chinesen mit einem Umsatz von sechs Milliarden Euro 2018 spiegelt die wirtschaftliche Bedeutung für den Einzelhandel und die Tourismus- und Freizeitindustrie im Reiseland Deutschland wider», sagte Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT).

Das Schweizer Hotelgewerbe rechnet mit einem Einbruch der Gästezahlen aus China von 30 bis 50 Prozent, wie ein Sprecher von Hotellerie Schweiz sagte.

Die Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus hat inzwischen mehr als 100 Menschen in China das Leben gekostet. Wie das Staatsfernsehen am Dienstag berichtete, gibt es allein in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei 24 neue Todesopfer. Damit sind landesweit mindestens 104 Tote bestätigt. In Hubei wurden zudem 1291 neue Infektionen nachgewiesen, womit die Gesamtzahl der bekannten Erkrankungen auf über 4000 steigt.

Auch die chinesische Hauptstadt Peking hatte am Montagabend den ersten Todesfall gemeldet. Wie die Behörden mitteilten, handelte es sich um einen 50-jährigen Mann, der sich in der Millionenstadt Wuhan aufgehalten hatte, wo das Virus ursprünglich ausgebrochen war - wahrscheinlich auf einem Tiermarkt.

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) traf am Montag in Peking ein, um sich persönlich über die Situation zu informieren. Tedros Adhanom Ghebreyesus werde Regierungsvertreter und andere Experten treffen, die mit dem Krisenmanagement befasst sind, hieß es vom WHO-Büro in Peking. Außenminister Maas riet unterdessen von Reisen nach China ab. «Reisende sollten überlegen, nicht zwingende Reisen nach China zu verschieben oder zu unterlassen.»

Die Befürchtung, das neuartige Coronavirus könnte sich ausbreiten und die chinesische Wirtschaft schwächen, ließ am Montag die Preise für Heizöl und Benzin stark fallen.

In den USA gab es bis zum Montag fünf bestätigte Infektionen, Kanada meldete einen ersten «vorläufig bestätigten» Fall. Zudem gibt es Dutzende Nachweise in Ländern wie Thailand, Japan, Südkorea, Vietnam, Singapur und Malaysia. Zu den neu betroffenen Ländern zählt Kambodscha.

Das neue Virus stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. China hat im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung drastische Maßnahmen ergriffen: In der Provinz Hubei wurden mehr als 45 Millionen Menschen weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Fern- und Nahverkehr wurden gestoppt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 01. 2020
09:02 Uhr

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