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Brennpunkte

USA: Grabenkämpfe um Masken - trotz 77.300 Neuinfektionen

Die USA bekommen die Corona-Pandemie nicht in den Griff. Obwohl nach Ansicht von Gesundheitsexperten die Maske helfen könnte, tobt ein erbitterter Streit um sie.



Verschärfung
Eine Maske ziert eine nachgebildete Freiheitsstatue im «New York Hotel & Kasino».   Foto: John Locher/AP/dpa

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA hat einen neuen alarmierenden Höchststand erreicht - und das Land trägt Grabenkämpfe um die Maskenpflicht aus. Im Bundesstaat Georgia geht der Gouverneur gegen eine von der Hauptstadt Atlanta verordnete Maskenpflicht vor.

Die demokratische Bürgermeisterin Keisha Lance Bottoms habe mit der Verordnung ihre Kompetenzen überschritten, argumentierte der Republikaner Brian Kemp in einer am Donnerstag (Ortszeit) eingereichten Klage. Am Mittwoch hatte Kemp eine Verordnung unterzeichnet, die es Kommunen und Bezirken verbietet, eine Maskenpflicht einzuführen.

Gesichtsmasken, die Mund und Nase abdecken, sind Experten zufolge ein wichtiges Mittel zur Eindämmung der Virusausbreitung. Wegen der dramatischen Zunahme an Corona-Neuinfektionen haben mehrere US-Bundesstaaten eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit eingeführt. Am Donnerstag kündigte der Gouverneur Colorados, Jared Polis, an, dass Masken künftig in geschlossenen öffentlichen Räumen getragen werden müssten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. «Masken sind das Ticket zu dem Colorado, das wir lieben», erklärte Polis.

«Wenn wir jeden dazu bringen könnten, jetzt sofort eine Maske zu tragen, denke ich, könnten wir diese Pandemie in vier, sechs, acht Wochen unter Kontrolle bringen», hatte der Direktor der US-Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield, erst am Dienstag in einem Interview gesagt. Am Donnerstag rief der US-Immunologe Anthony Fauci zum Tragen von Masken auf. Doch die Appelle der Gesundheitsexperten ändern nichts daran, dass der Mund-Nasen-Schutz zum Politikum geworden ist - wie der Streit in Georgia verdeutlicht.

Dazu beigetragen hat auch US-Präsident Donald Trump, der sich so gut wie nie mit einer Maske in der Öffentlichkeit zeigt. So kam es einer Sensation gleich, als er am vergangenen Samstag bei einem Besuch in einem Militärkrankenhaus eine Schutzmaske trug. Es war das zweite Mal, dass er mit Maske fotografiert wurde.

Trump gibt zwar an, nicht gegen Masken zu sein. Allerdings sagte er kürzlich, er halte es für möglich, dass Menschen mit den Masken ihre Missbilligung für ihn zum Ausdruck bringen. Trump hatte im April CDC-Richtlinien verkündet, die das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfehlen. Er hatte aber umgehend deutlich gemacht, dass er selber auf eine Maske verzichten werde. Trump und das Weiße Haus begründen das damit, dass der Präsident regelmäßig auf das Coronavirus getestet werde. Trump wird dennoch vorgeworfen, durch sein Auftreten ohne Maske ein schlechtes Vorbild in der anhaltenden Pandemie abzugeben. Auch der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, kritisiert ihn dafür - und zeigt sich in der Öffentlichkeit demonstrativ mit Maske.

Umfragen haben längst gezeigt, dass die Akzeptanz von Masken in den USA eine Frage der politischen Einstellung ist. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag von Yahoo ergab Ende Juni, dass die meisten Demokraten (86 Prozent) eine Maskenpflicht unterstützen, während die meisten Republikaner (54 Prozent) diese ablehnen. Unter den Trump-Wählern sei die Ablehnung noch größer.

In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage im Auftrag der «Washington Post» und des Senders ABC gaben allerdings 79 Prozent der Befragten an, in Gegenwart anderer Menschen außerhalb ihres Zuhauses immer oder meistens eine Schutzmaske zu tragen. Auch US-Vize-Präsident Mike Pence zeigt sich mittlerweile regelmäßig mit Maske. Der führende Republikaner im Senat, Mitch McConnell, mahnte kürzlich, das Tragen von Masken dürfe nicht stigmatisiert werden.

Auch der republikanische Gouverneur in Georgia empfiehlt, Masken zu tragen, wenn der nötige Sicherheitsabstand zur Vermeidung von Infektionen nicht eingehalten werden kann. Er richte sich aber gegen «desaströse Maßnahmen, die das Leben und die Lebensgrundlage unserer Bürger bedrohen». Die demokratische Bürgermeisterin Bottoms erklärte über Twitter, anstatt sich vor Gericht zu streiten, wäre es besser, die Steuergelder einzusetzen, um mehr Corona-Tests und das Nachverfolgen von Kontakten zu ermöglichen. Bottoms befindet sich derzeit in Quarantäne, weil bei ihr und mehreren Familienmitgliedern eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen wurde.

Die Zahl der nachgewiesenen Neuansteckungen ist in den USA seit Mitte Juni im Zuge der Lockerungen der Corona-Auflagen dramatisch gestiegen - vor allem im Süden und Westen des Landes. Zahlreiche Bundesstaaten haben daher die phasenweise Wiedereröffnung der Wirtschaft gebremst, pausiert oder Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen zurückgenommen. Mit rund 77.300 gemeldeten Fällen hat die Zahl der Neuinfektionen wieder einen Höchststand erreicht, wie am Freitag aus Zahlen der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hervorging.

In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bereits mehr als 3,5 Millionen Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert. Rund 138 000 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus, das die Krankheit Covid-19 auslösen kann.

Angesichts der Zuspitzung der Pandemie wächst die Kritik am Krisenmanagement von US-Präsident Trump: 60 Prozent der Befragten äußerten sich negativ über Trumps Umgang mit der Pandemie, nur noch 38 Prozent befürworten Trumps Vorgehen, wie die «Washington Post» und der Sender ABC berichteten. Ende Mai hatten sich noch 53 Prozent negativ und 46 Prozent positiv geäußert. Im März hatte eine knappe Mehrheit (51 Prozent) Trumps Vorgehen noch begrüßt, nur 45 Prozent hatten es abgelehnt.

© dpa-infocom, dpa:200717-99-823385/5

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17. 07. 2020
21:41 Uhr

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17. 07. 2020
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