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Trump will Schulen öffnen - entgegen Warnungen von Experten

Angesichts rapide steigender Arbeitslosenzahlen dringt US-Präsident Trump auf eine rasche Öffnung der Wirtschaft und auch der Schulen. Damit widerspricht er offen hochrangigen Gesundheitsexperten, die zu Vorsicht mahnen.



Protest
Demonstranten halten 2017 vor dem Kapitol in Washington ein Banner mit der Aufschrift «Don't take away our health care!» (Nehmt uns nicht unsere Krankenversicherung weg!) hoch.   Foto: Alex Edelman/ZUMA Wire/dpa

Ungeachtet eindringlicher Warnungen ranghoher Gesundheitsbeamter will US-Präsident Trump die Wiedereröffnung von Schulen und Universitäten vorantreiben. Das neue Schuljahr solle wie geplant im Herbst beginnen, zumal das Coronavirus «sehr wenig Auswirkungen» auf jüngere Menschen habe, sagte Trump am Mittwochabend (Ortszeit) im Weißen Haus.

«Wir müssen unsere Schulen öffnen», sagte Trump auch in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem Sender Fox Business. «Wir müssen unser Land öffnen.» Ausdrücklich widersprach er dabei der Einschätzung von Experten, die vor übereilten Schritten warnen.

Die Entscheidung zur Lockerung der Corona-Auflagen liege bei den Gouverneuren der 50 Bundesstaaten, Schulen seien dabei aber wichtig, sagte Trump im Weißen Haus. «Ein Staat ist nicht offen, wenn die Schulen nicht geöffnet sind.»

Hochrangige Beamte mahnten dagegen zur Vorsicht. «Ohne klare Planung und Umsetzung der Schritte, die ich und andere Experten umrissen haben, wird 2020 der dunkelste Winter der jüngeren Geschichte sein», warnte Rick Bright, Ex-Direktor der dem Gesundheitsministerium untergeordneten Behörde BARDA, am Donnerstag bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus.

Bright rügte Trumps Corona-Politik scharf. Es sei unbestreitbar, dass das Virus im Herbst erneut auftreten werde. Mit einem gleichzeitigen Ausbruch der Grippe wäre dies eine «beispiellose Belastung» für das Gesundheitssystem. Das Land sei wegen Trumps irreführender Kommunikation und einer fehlenden landesweiten Strategie wie gelähmt. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssten die Strategie gegen das Virus definieren, «nicht Politik und Vetternwirtschaft».

Bright wurde im April nach eigenen Angaben als Direktor der Behörde geschasst, weil er sich weigerte, von Trump gepriesene Behandlungsmethoden für die Lungenerkrankung Covid-19 zu unterstützen, die nicht wissenschaftlich belegt waren. Er wurde auf einen Posten im Nationalen Gesundheitsinstitut (NIH) versetzt.

Trump erklärte am Donnerstag erneut, er kenne Bright überhaupt nicht. Auf Twitter schrieb der Präsident: «Für mich ist er ein verärgerter Angestellter, der von Menschen, mit denen ich gesprochen habe, nicht gemocht oder respektiert wird und der mit seiner Einstellung nicht länger für unsere Regierung arbeiten sollte».

Auch das US-Gesundheitsministerium teilte heftig gegen Bright aus und erklärte, dieser sei in die Leitung eines wichtigen, eine Milliarde Dollar schweren Programms für Tests versetzt worden. Er sei bisher jedoch nicht bei der Arbeit erschienen, kassiere aber dennoch sein Gehalt von 285 010 Dollar. Gesundheitsminister Azar sagte, alles was Bright beklage, sei längst geschehen. «Seine Vorwürfe passen vorne und hinten nicht zusammen.»

Mit seinen Mahnungen ist Bright allerdings nicht alleine. Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, hatte am Dienstag ebenfalls vor einer vorschnellen Rückkehr zur Normalität in den USA gewarnt. «Das könnte wirklich ernste Konsequenzen haben.» Zu Beginn des neuen Schuljahres werde es wahrscheinlich keinen Impfstoff geben. «Wir sollten wirklich sehr vorsichtig sein, besonders wenn es um Kinder geht. Denn je mehr wir erfahren, desto mehr sehen wir Dinge darüber, was dieses Virus anrichten kann, die wir bei den Studien in China oder in Europa nicht gesehen haben», sagte Fauci unter Verweis auf Berichte über schwere Covid-19-Fälle mit ungewöhnlichen Symptomen bei Kindern.

Trump kritisierte seinen Berater Fauci dafür. «Für mich ist es keine akzeptable Antwort - besonders, was Schulen angeht», sagte er im Weißen Haus. Im Interview mit Fox Business erklärte Trump weiter, Fauci sei ein guter Mensch, er stimme aber nicht immer mit ihm überein. «Beim Thema Schule bin ich überhaupt nicht einer Meinung mit ihm.»

Erneut stellte der Präsident die baldige Fertigstellung eines Corona-Impfstoffes in Aussicht. «Ich denke, wir werden bis zum Ende des Jahres einen Impfstoff haben.» Trumps Regierung hat eine «Operation Warp-Geschwindigkeit» für die beschleunigte Entwicklung eines Impfstoffes ins Leben gerufen. Experten - darunter Fauci - hatten sich aber auch in dieser Frage deutlich zurückhaltender geäußert und betont, es gebe zahlreiche Unsicherheitsfaktoren, die einen Impfstoff verzögern könnten.

Die USA sind von der Corona-Pandemie schwer getroffen, in absoluten Zahlen am stärksten weltweit. Nach einer Aufstellung der Johns-Hopkins-Universität sind USA-weit bislang rund 1,4 Millionen Corona-Infektionen bestätigt, mehr als 84.000 Menschen starben demnach bislang an den Folgen des Virus.

Trump sagte, voraussichtlich werde das Land in der Krise mehr als 100.000 Menschen verlieren. «Das ist eine schreckliche Sache.» Es stürben aber auch Menschen durch die coronabedingten Restriktionen. Das Land könne daher nicht auf lange Zeit geschlossen bleiben.

In den vergangenen Wochen hatte Trump seine Prognosen mit Blick auf die Corona-Toten in den USA mehrfach geändert: Mal sagte er, er rechne mit 60.000 bis 65.000 Toten infolge der Pandemie in den USA, mal sprach er davon, er hoffe auf weniger als 100.000 Tote.

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14. 05. 2020
19:52 Uhr

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