Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Trump hat in Missbrauchsdebatte Angst um junge Männer

Eine Frau wirft dem Kandidaten für das Oberste US-Gericht versuchte Vergewaltigung vor. Angesichts der Vorwürfe und Debatten um Kavanaugh macht sich Präsident Trump Sorgen - vor allem um Männer.



Donald Trump
US-Präsident Donald Trump sorgt sich, dass junge US-Amerikaner künftig ohne Beweise sexueller Übergriffe beschuldigt werden.   Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP » zu den Bildern

Angesichts der Debatte um Missbrauchsvorwürfe gegen den Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh sieht US-Präsident Donald Trump junge Männer in den USA generell gefährdet.

«Es ist eine beängstigende Zeit für junge Männer in Amerika, wenn du für etwas schuldig bist, was du vielleicht nicht getan hast», sagte Trump nach Medienberichten am Dienstag im Weißen Haus. «Man kann angeklagt werden, bevor man seine Unschuld bewiesen hat.» Auf die Frage nach einer Botschaft an junge Frauen, sagte der Präsident: «Frauen geht es sehr gut.»

Hintergrund der Äußerungen sind Vorwürfe von bislang drei Frauen gegen Kavanaugh wegen sexueller Übergriffe sowie versuchter Vergewaltigung während der High-School- und Studienzeit in den 1980er Jahren. Kavanaugh bestreitet die Anschuldigungen.

Ermittler der US-Bundespolizei FBI untersuchen derzeit die Vorwürfe. Der Bericht soll nach dem Willen von Trump bis spätestens Freitag vorliegen. Trump hofft nach eigenen Worten, dass der Senat Kavanaugh noch in dieser Woche bestätigt. Die Entscheidung werde aber vom Ausgang der FBI-Ermittlungen abhängen.

Zuvor hatte der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, angekündigt, noch in dieser Woche abstimmen zu wollen. Der FBI-Bericht werde nicht veröffentlicht, nur Senatoren erhielten Einblick.

Dagegen forderte die Demokratin Dianne Feinstein, dass die laufenden FBI-Ermittlungen zeitlich unbefristet sind, alle Zeugen angehört werden und allen Vorwürfen nachgegangen wird.

In dem erbitterten Parteienstreit geht es im Kern darum, dass die Republikaner den Demokraten eine Verzögerungstaktik vorwerfen. Aus ihrer Sicht wollen die Demokraten das Votum bis zu den Zwischenwahlen am 6. November hinauszögern - in der Hoffnung, dann selbst eine Mehrheit im Senat zu haben und den erzkonservativen Kavanaugh endgültig zu Fall zu bringen. Die Demokraten wiederum befürchten eine Scheinuntersuchung durch das FBI, um noch zögernden Republikanern eine Zustimmung zu erleichtern.

Weil die Republikaner nur eine knappe Mehrheit im Senat haben, sind sie auf jede Stimme angewiesen. Insbesondere ein Senator und zwei Senatorinnen aus ihren Reihen gelten als Wackelkandidaten. Einer von ihnen, der Senator Jeff Flake aus Arizona, äußerte sich jetzt auch besorgt, wegen der scharfen und parteiischen Äußerungen von Kavanaugh während seiner Anhörung am vergangenen Freitag vor dem Justizausschuss des Senats. «So etwas können wir nicht im (Obersten) Gericht haben», sagte Flake.

Nach heftiger Kritik am Umfang der Untersuchungen beteuerte Trump am Montag, die Ermittler hätten völlig freie Hand. «Ich denke, das FBI sollte tun, was es tun muss, um an die Antworten zu kommen», sagte Trump. Allerdings sollten die Befragungen in einem «angemessenen Rahmen» bleiben. «Wir wollen keine Hexenjagd machen.» Das Weiße Haus folge den Wünschen des US-Senats. «Die eine Sache, die ich will, ist Schnelligkeit.»

Bei einem Wahlkampfauftritt in Johnson City im US-Bundesstaat Tennessee warf Trump am Montagabend (Ortszeit) dann den Demokraten vor, sie versuchten, Kavanaugh fertig zu machen. «Sie versuchen, eine sehr anständige Person zu zerstören», sagte Trump vor seinen Anhängern. «Das dürfen wir nicht zulassen.»

Die «Washington Post» berichtete am Dienstag unter Berufung auf mehrere Quellen, dass es für die FBI-Untersuchung Schranken gebe. So werde nicht ermittelt, ob Angaben Kavanaughs zu seinem Alkoholkonsum stimmen oder nicht. In den vergangenen Tagen hatten mehrere Kommilitonen angegeben, er habe früher mehr getrunken als jetzt angegeben und sich auch auffällig verhalten. Das Trinkverhalten hat unmittelbar nichts mit den Tatvorwürfen zu tun, könnte aber die Glaubwürdigkeit Kavanaughs erschüttern.

Wie das Blatt weiter berichtete, soll das FBI auch keinen neuen Vorwürfen nachgehen. Einem Polizeibericht zufolge soll Kavanaugh 1985 während seiner Studentenzeit an der Universität Yale in Handgreiflichkeiten in einer Bar verwickelt gewesen sein. Kavanaugh habe einen Gast mit Eis beworfen, einer seiner Studienfreunde habe ein Glas nach dem Mann geworfen und ihn am Ohr verletzt, berichtete die «New York Times» am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf den Bericht der Polizei in New Haven.

Kavanaugh wird im Januar 2019 seinen Lehrauftrag an der Elite-Universität Harvard aufgeben, wo er derzeit Jura unterrichtet. Das geht aus einer E-Mail an die Studierenden hervor, die dem Sender CNN nach eigenen Angaben am Montag vorlag. Darin habe die Universität mitgeteilt, Kavanaugh könne sich nicht für den Kurs im kommenden Wintersemester verpflichten. Die Gründe für seinen Rückzug waren zunächst unklar. Möglich wäre, dass der Rückzug mit seiner möglichen Tätigkeit am Supreme Court oder aber mit der jüngsten Kritik an seiner Person zusammenhängt.

Laut CNN-Bericht hatten bis zum Montagabend mehr als 800 Absolventen der Harvard Law School (HLS) einen Brief unterzeichnet, in dem sie die Universität aufforderten, Kavanaugh seinen Lehrauftrag zu entziehen. Die Belästigungsvorwürfe von Christine Blasey Ford seien «glaubwürdig und schwerwiegend» und müssten ernstgenommen werden, hieß es darin laut CNN. «Sie stellen seinen Charakter und seine Moral ernsthaft infrage und sollten ihn von einer Position auf Lebenszeit als Richter am Supreme Court disqualifizieren.» Als Lehrender an der Harvard Law School sei Kavanaugh nicht mehr tragbar.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 10. 2018
22:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Angst Bundespolizei CNN Dianne Feinstein Die Republikaner Donald Trump FBI Höchste Gerichte Missbrauchsvorwürfe Mitch McConnell Männer Oberst Polizei Senatoren Sexuelle Belästigung US-Senat Vergewaltigung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Amy Coney Barrett

26.09.2020

Supreme Court: Trump will Ginsburg-Nachfolgerin nominieren

Gut eine Woche nach dem Tod der Justiz-Ikone Ruth Bader Ginsburg will Präsident Donald Trump am Samstag eine Nachfolgerin nominieren. Die Republikaner wollen den wichtigen Posten am Obersten Gericht noch vor der Präsiden... » mehr

Streit um US-Post

18.08.2020

Druck für Lösung bei US-Post vor Präsidentenwahl steigt

Der Abbau von Briefkästen und Sortiermaschinen bei der US-Post löst bei Demokraten Angst um die Präsidentenwahl aus. Nach massiver Kritik zeichnet sich ab, dass die Post doch noch die nötigen Milliarden bekommen könnte. » mehr

Ruth Bader Ginsburg

19.09.2020

Legendäre US-Richterin Ginsburg ist tot

Ruth Bader Ginsburg war eine Justiz-Ikone - und eine Bastion der Liberalen im Obersten Gericht der USA. Ihr Tod wenige Wochen vor der US-Präsidentenwahl könnte Amtsinhaber Trump die Möglichkeit bieten, zum dritten Mal ei... » mehr

Trump nominiert Barrett am Obersten Gericht

26.09.2020

Trump nominiert Barrett für Ginsburg-Nachfolge

US-Präsident Trump ergreift die Gelegenheit, die konservative Mehrheit im Obersten Gericht der USA zu zementieren. Er nominiert die Juristin Amy Coney Barrett für den freien Sitz im Supreme Court - und will sie noch vor ... » mehr

Donald Trump

22.09.2020

Republikaner: Abstimmung über Ginsburg-Nachfolge 2020

Die US-Demokraten laufen Sturm gegen eine rasche Neubesetzung der freigewordenen Stelle im Supreme Court. Die Republikaner von Präsident Trump wollen die Nachfolge dagegen schnellstmöglich regeln - solange sie noch die M... » mehr

US-Richterin gestorben

20.09.2020

Trump strebt rasche Ginsburg-Nachfolge an

Das Oberste Gericht fällt in den USA wegweisende Urteile zu politischen Streitfragen wie Abtreibung und Einwanderung. Nach dem Tod der Justiz-Ikone Ginsburg hofft Präsident Trump, die konservative Mehrheit im Supreme Cou... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

SEK schießt Mann in Lengfeld an Lengfeld

SEK-Einsatz Lengfeld | 29.09.2020 Lengfeld
» 16 Bilder ansehen

Gebäudebrand Hildburghausen Hildburghausen

Gebäudebrand Hildburghausen | 29.09.2020 Hildburghausen
» 14 Bilder ansehen

Oldtimerteilemarkt Suhl Suhl

Oldtimer-Teilemarkt Suhl | 27.09.2020 Suhl
» 44 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 10. 2018
22:33 Uhr



^