Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Trump bricht Militäraktion gegen den Iran ab: Zu viele Opfer

Seit Monaten spitzt sich der Konflikt zwischen USA und dem Iran zu. Nie war eine militärische Konfrontation so nah wie jetzt. US-Präsident Trump sagt, ein Angriff auf den Iran sei vorbereitet gewesen - und von ihm nur zehn Minuten vorher gestoppt worden.



Kampflugzeug
Ein F/A-18E Super Hornet Kampflugzeug beim Start vom Deck des Flugzeugträgers der Nimitz-Klasse, Abraham Lincoln (CVN 72).   Foto: MCSN Dan Snow/Navy Office of Information/CENTCOM » zu den Bildern

US-Präsident Donald Trump hat einen Militärschlag gegen den Iran nach eigenen Angaben wegen der befürchteten Todesopfer in letzter Minute gestoppt. Die vom US-Militär erwarteten 150 Toten wären im Vergleich zum Abschuss einer US-Drohne durch den Iran «unverhältnismäßig» gewesen, schrieb Trump am Freitag auf Twitter.

Die US-Streitkräfte seien am Donnerstagabend bereit zum Angriff auf drei verschiedene Ziele gewesen, «als ich gefragt habe, wie viele sterben werden. 150 Menschen, Sir, war die Antwort eines Generals. Zehn Minuten vor dem Schlag habe ich ihn gestoppt

Trump machte keine Angaben dazu, welche Ziele angegriffen werden sollten. Die «New York Times» berichtete, es seien Radarstationen und Raketenbatterien gewesen. Die US-Militärplanungen verstärkten die Sorge, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran in einem neuen Golfkrieg münden könnte. Es wäre der dritte Militärschlag der USA unter Trump in Nahost gewesen, nach den beiden Angriffen auf Ziele in Syrien im Jahr 2017 und 2018.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich in der Nacht zum Donnerstag dramatisch zugespitzt, nachdem der Iran eine amerikanische Aufklärungsdrohne abgeschossen hatte. Über den genauen Abschussort machen der Iran und die USA unterschiedliche Angaben.

Die US-Regierung spricht davon, dass das unbemannte Flugzeug über internationalen Gewässern getroffen worden sei. Der Iran will Beweise dafür haben, dass die Drohne über iranischem Hoheitsgebiet geflogen sei. Es geht um wenige Kilometer. Außerdem gibt der Iran an, dass die USA mehrfach vor Abschuss der Drohne gewarnt worden seien.

Der iranische Sicherheitsrat wies am Freitag Berichte zurück, wonach Trump den Iran über die Regierung des arabischen Golfstaates Oman gewarnt haben soll, dass ein Militärschlag bevorstehe. Ebenso dementiert wurde, dass es eine Botschaft Trumps gebe, wonach er keinen Krieg, sondern Gespräche mit der Führung in Teheran wolle und dafür eine Frist gesetzt habe. In der Vergangenheit hatte Trump - wie auch die iranische Führung - mehrfach betont, keinen Krieg zu wollen.

Trump schrieb am Freitag. «Ich habe keine Eile.» Das US-Militär sei einsatzbereit «und mit Abstand das beste in der Welt». Die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran zeigten Wirkung. Er betonte: «Der Iran kann NIE Atomwaffen haben.» Trump verteidigte seinen einseitigen Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran und kritisierte seinen Amtsvorgänger Barack Obama dafür, den Vertrag mit Teheran abgeschlossen zu haben. Nach dem Ausstieg hatten die USA wieder harte Wirtschaftssanktionen in Kraft treten lassen.

Ein Berater des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zog am Freitag eine Verbindung zwischen den US-Wirtschaftssanktionen und einem möglichen Golfkrieg. Wenn die Welt keinen Krieg wolle, sollte sie etwas gegen den Ausstieg der USA aus dem Atomdeal und die gegen sein Land verhängten Sanktionen unternehmen, schrieb Hesameddin Ahsena am Freitag auf Twitter. «Die Amerikaner sollten wissen, dass dies zwei Seiten derselben Münze sind.»

Im iranischen Fernsehen wurden am Freitag Wrackteile präsentiert, die von der abgeschossenen Drohne stammen sollen. Der Kommandeur des Luftwaffenarms der iranischen Revolutionsgarden , Amir Ali Hadschisadeh, sagte nach Angaben iranischer Staatsmedien, gemeinsam mit der Drohne sei auch ein bemanntes US-Aufklärungsflugzeug vom Typ Poseidon eingedrungen, das seine Truppen hätten abschießen können. Man habe sich auf die Drohne beschränkt, «um den terroristischen amerikanischen Truppen eine Warnung zu erteilen».

Die Eskalation hatte weltweit die Sorge vor einem militärischen Konflikt zwischen den USA und dem Iran angeheizt. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte zum Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel, es handele sich um eine «sehr angespannte Situation», die auf diplomatische und politische Weise gelöst werden müsse. Am Rande des Gipfels hätten die außenpolitischen Berater die Lage besprochen.

Die Spannungen wirktem sich auch auf die zivile Luftfahrt auf. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verhängte ein Flugverbot für in den USA registrierte Flugzeuge über Teile des Krisengebietes. Flüge über dem Persischen Golf und dem Golf von Oman seien bis auf Weiteres nicht mehr erlaubt, teilte die FAA via Twitter mit. Erhöhte Militärtätigkeit und zunehmende politische Spannungen könnten Verkehrsflugzeuge einem Risiko aussetzen. Die Anordnung gilt für alle in den USA angemeldeten Fluggesellschaften.

Auch europäische Fluggesellschaften erklärten, die Straße von Hormus im Persischen Golf zu umfliegen. Ein Sprecher der Lufthansa sagte, eine entsprechende Entscheidung sei bereits am Donnerstag gefallen. Teile des iranischen Luftraums würden aber noch überflogen und auch die Landeshauptstadt Teheran werde angesteuert.

Trump hatte am Donnerstag gesagt, es sei «wissenschaftlich dokumentiert», dass die Drohne in internationalem Luftraum geflogen sei. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif schrieb dagegen auf Twitter, man werde den Fall vor die Vereinten Nationen bringen «und zeigen, dass die Vereinigten Staaten lügen».

Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom, das die Truppen im Nahen Osten führt, wurde die Drohne des Typs RQ-4A «Global Hawk» über der Straße von Hormus von einer iranischen Luftabwehrrakete getroffen.

Der Luftraum eines Landes erstreckt sich nach UN-Angaben über dessen Landmasse und gegebenenfalls über dessen Hoheitsgewässer, die bis zu zwölf nautische Meilen (22,2 Kilometer) vor die Küste reichen. Die Koordinaten, an denen die Drohne laut Sarif angegriffen wurde, liegen rund 15 Kilometer vor dem nächsten Punkt an der iranischen Küste. Auf einer Pentagon-Karte ist die Markierung für die Absturzstelle deutlich weiter von der Küste des Landes entfernt.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen seit Mai 2018 zu, als Trump das internationale Atomabkommen mit dem Iran aufkündigte. Trump will das Abkommen neu aushandeln und den Iran dazu zwingen, strikteren Auflagen zuzustimmen.

Dazu hat die US-Regierung die bislang härtesten Sanktionen gegen den Erdöl- und Bankensektor im Iran erlassen, die der Wirtschaft des Landes immer mehr zusetzen. Die Führung in Teheran lehnt bislang Neuverhandlungen mit den USA ab.

Erst am Montag hatte das Pentagon angekündigt, weitere 1000 Soldaten in den Nahen Osten zu schicken, um US-Truppen und Interessen der USA in der Region zu schützen. Irans Außenminister Sarif kündigte am Freitag an, dass sein Land ab dem 7. Juli eine im internationalen Atomabkommen festgelegte Obergrenze von 3,67 Prozent für die Anreicherung von Uran überschreiten werde, falls es keine Lösung im Sanktionsstreit mit den USA gebe. Beobachter sehen darin das Ende des Wiener Atomabkommens und eine mögliche weitere Eskalation des Konfliktes.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 06. 2019
21:43 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Außenminister Barack Obama Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutsche Lufthansa AG Donald Trump Golfkriege Kriege Militäroperationen Militärschläge Mohammed Dschawad Sarif Präsidenten der USA Soldaten Terrorismus Truppen Twitter UNO US-Militär US-Regierung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Huthi-Rebellen im Jemen

20.09.2019

Terrorfinanzierung: USA sanktionieren iranische Zentralbank

In Saudi-Arabien werden Ölanlagen bombardiert. Aus dem Iran kommen martialische Kriegsdrohungen gegen die USA und Israel. Präsident Trump setzt lieber auf Sanktionen als auf Luftangriffe. Doch die Golfkrise könnte noch w... » mehr

Mohammed Dschawad Sarif

19.09.2019

Drohgebärden am Golf: Irans Außenminister warnt vor Krieg

Die USA wollen den Iran für die Angriffe auf Saudi-Arabien bestrafen. Wie genau ist allerdings noch unklar. Außenminister Pompeo will ein Staatenbündnis gegen Teheran schmieden. Der Iran warnt unterdessen in drastischen ... » mehr

Irans Präsident Ruhani spricht vor UN-Vollversammlung

26.09.2019

Ruhani startet Friedensinitiative für Golfregion ohne USA

Kann die Eskalationsspirale zwischen dem Iran und den USA gestoppt werden? Zumindest versichern beide Seiten, dass sie keinen Krieg wollen. Jetzt gibt es von einer Seite einen Friedensplan - an dem die andere Seite aber ... » mehr

Donald Trump

24.09.2019

Iran-Krise: Wie Trump die Europäer spaltet

US-Präsident Trump ist seit jeher auf Konfrontationskurs mit dem Iran. Bislang haben die Europäer vereint dagegengehalten. Doch vor der UN-Vollversammlung bröckelt diese Front. » mehr

«Front Altair» in Flammen

26.06.2019

Iran lehnt Gespräche mit USA ab

US-Präsident Donald Trump sagt, er sei ohne Vorbedingungen zu Gesprächen mit dem Iran bereit. Doch von einer Entspannung ist die Krise dennoch weit entfernt. Das gegenseitige Misstrauen ist groß. » mehr

Hassan Ruhani

25.09.2019

Ruhani: Trump muss vor Gesprächen neues Vertrauen schaffen

Bei der UN-Vollversammlung geht US-Präsident Donald Trump den Iran hart an. Er macht aber auch deutlich, dass er keinen Krieg wolle. Irans Präsident Hassan Ruhani schließt Gespräche nicht aus - stellt aber Bedingungen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hubschrauber-Säge Baumbeschneidung Sonneberg Sonneberg

Baumfällarbeiten Sonneberg | 09.12.2019 Sonneberg
» 37 Bilder ansehen

Meiningen Mallorca Party

Meiningen Mallorca Party | 08.12.2019 Meiningen
» 138 Bilder ansehen

Weihnachtsmarkt in Eisfeld Eisfeld

Weihnachtsmarkt Eisfeld | 08.12.2019 Eisfeld
» 53 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 06. 2019
21:43 Uhr



^