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Taliban-Angriffe überschatten Friedensbemühungen

Nur einen Tag nach dem Überfall auf die nordafghanische Stadt Kundus greifen Taliban eine zweite Provinzhauptstadt an. Während Kundus wieder unter Kontrolle der Sicherheitskräfte ist, wird in Pul-e Chumri weiter gekämpft. Was heißt das für den Friedensprozess?



Taliban greifen Kundus an
Soldaten in Kundus auf dem Weg ins Gefecht.   Foto: Ajmal Kakar/XinHua

Großangelegte Angriffe auf zwei Provinzhauptstädte im Norden Afghanistans haben am Wochenende die Bemühungen um eine politische Lösung des seit fast 18 Jahren andauernden Konflikts überschattet.

In der Nacht zum Samstag überfielen Kämpfer der radikalislamischen Taliban erst die Stadt Kundus. Am Sonntagmorgen folgte dann ein Angriff auf die Stadt Pul-e Chumri. Dutzende Menschen wurden dabei getötet oder verletzt.

Die Angriffe erfolgten während den laufenden Bemühungen zwischen den Taliban und den USA, den jahrelangen Konflikt politisch beizulegen. Am Sonntagmorgen schrieb der US-Sondergesandte für Afghanistan Zalmay Khalilzad auf Twitter, man stehe inzwischen an der Schwelle zu einem Abkommen mit den Taliban. Wenige Stunden davor hatte Khalilzad getwittert, er habe den Angriff auf Kundus bei den Verhandlungen in Doha zur Sprache gebracht. Gewalt wie in Kundus müsse aufhören.

Afghanen warfen den Taliban am Sonntag in sozialen Medien vor, nicht an einem Frieden interessiert zu sein. Aktivisten spekulierten zudem darüber, ob die Taliban-Verhandler in der katarischen Hauptstadt Doha überhaupt einen Einfluss auf die Kommandeure in Afghanistan hätten. Analysten zufolge sehen die Taliban militärische Gewinne als wichtiges Druckmittel in den Gesprächen über Frieden. Sie sähen zudem ohne offiziellen Waffenstillstand keine Notwendigkeit, die Angriffe einzustellen und würden darauf verweisen, dass auch die Sicherheitskräfte ihre Angriffe gegen sie weiterführten.

Mehreren Provinzräten zufolge begann der Überfall auf Pul-e Chumri am Sonntag gegen 1.00 Uhr nachts (Ortszeit). Die Taliban hätten die Gebiete Band-e Du und Saman Chel in der Stadt eingenommen. Die Kämpfer hätten sich in Häusern verschanzt und lieferten sich Gefechte mit Sicherheitskräften. Auch ein Kontrollposten wurde angegriffen.

Einem Vertreter der Gesundheitsbehörde der Provinz Baghlan zufolge wurden bei den Kämpfen in der Stadt mindesens sieben Menschen getötet und weitere 45 Personen verletzt. Die Opfer seien Angehörige der Sicherheitskräfte sowie Zivilisten.

Am Sonntagabend seien die Kämpfe etwas abgeflaut. In einem Gebiet würden weiterhin sporadisch Gefechte aufflammen, sagte der Provinzrat Hajatullah Wafa. Auch die Überlandstraßen aus der Stadt in Richtung Süden nach Kabul und in Richtung Norden nach Kundus seien weiterhin vollständig von den Taliban blockiert. Die Straßen seien leer.

Pul-e Chumri ist die Hauptstadt der Provinz Baghlan. In der Provinz hat sich in den vergangenen Monaten die Sicherheitslage zunehmend verschlechtert. Auch in Pul-e Chumri selbst gab es in diesem Jahr bereits mehrmals Gefechte mit den Taliban. In vielen Gebieten rund um die Stadt haben die Islamisten eine starke Präsenz.

In der am Samstag von Hunderten Taliban-Kämpfern überfallenen nördlichen Stadt Kundus hat sich die Lage nach Behördenangaben am Sonntag wieder beruhigt. Der Abgeordnete Allah Nasar Turkmani aus Kundus sagte am Sonntag, die Taliban hätten sich über Nacht zurückgezogen. Es gebe keine Kämpfe mehr, Geschäfte seien wieder geöffnet. Mehrere Hundert Taliban-Kämpfer hatten die Stadt in der Nacht zum Samstag aus mehreren Richtungen angegriffen. Sie konnten mehrere Einrichtungen und Gebiete kurzzeitig einnehmen.

Nach Angaben des Innenministeriums vom Sonntag wurden bei den Kämpfen um Kundus und einem Selbstmordanschlag am Samstagabend im Zentrum der Stadt mindestens 25 Menschen getötet. 20 der Getöteten seien Sicherheitskräfte und fünf Zivilisten. Weitere mindestens 85 Zivilisten und Sicherheitskräfte seien verletzt worden.

Bei Zwischenfällen in zwei weiteren Provinzen kamen am Sonntag zudem mindestens 20 weitere Zivilisten ums Leben. Der lokale Fernsehsender ToloNews berichtete, im westlichen Farah seien zwölf Zivilisten durch einen Luftschlag getötet worden. In der nördlichen Provinz Balch seien acht Zivilisten gestorben, nachdem ihr Auto auf eine am Straßenrand platzierte Bombe gefahren sei.

Bei den direkten Gesprächen zwischen den USA und den Taliban, die seit mehr als einem Jahr laufen, geht es vor allem um Truppenabzüge sowie Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird. Die Gespräche sollen zu innerafghanischen Friedensgesprächen führen. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, direkt mit der Regierung in Kabul zu sprechen, die sie als Marionette des Westens betrachten. Auch ein Waffenstillstand soll Thema sein.

Nach Angaben beider Seiten endete die jüngste Gesprächsrunde am Sonntag. US-Chefunterhändler Khalilzad erklärte, man stehe kurz vor einer Übereinkunft. Er wollte am Sonntag nach Kabul reisen. Es wurde erwartet, dass er die Regierung in Kabul über den Verhandlungsstand informiert. Auch die Taliban zeigten sich optimistisch. Der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha, Suhail Schahin, schrieb auf Twitter, man stehe kurz vor dem «Ende der Besatzung» und vor einer friedlichen Lösung.

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 09. 2019
17:47 Uhr

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