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Suche nach Kind in Schacht hält Spanien in Atem

Ein kleiner Junge ist im Süden Spaniens seit Sonntag in einem mehr als 100 Meter tiefen Schacht verschollen. Die Suche nach dem Zweijährigen gestaltet sich schwer. Die Eltern sind schon vor zwei Jahren vom Schicksal hart getroffen worden.



Suche nach Zweijährigem
An der Suche beteiligen sich gut hundert Angehörige der Feuerwehr, der Polizei, des Zivilschutzes und anderer Notdienste.   Foto: Álex Zea/Europa Press

Fernando Onega ist ein gestandener Fernsehjournalist und hat schon viel gesehen. Doch auch er kämpft in einer Livesendung mit den Tränen.

Die verzweifelte Suche nach einem Zweijährigen, der beim Spielen in einen mehr als 100 Meter tiefen und sehr engen Brunnenschacht gestürzt sein soll, löst in ganz Spanien Mitgefühl aus. Obwohl Bergungsteams seit Sonntagmittag an der Unfallstelle in Totalán in der Provinz Málaga sogar nachts pausenlos aktiv waren, gab es auch am Dienstag, nach mehr als 48 Stunden kein Lebenszeichen vom kleinen Julen. Es gebe keine Neuigkeiten, teilte der Unfallnotdienst mit. Ob das Kind noch am Leben war, blieb vorerst unbekannt.

Die Polizei hatte zwar am Montag eingeräumt, man habe zwar «noch keinen physischen Beweis» dafür, dass das Kind tatsächlich in dem Loch sei. Aufgrund der Angaben der Eltern, die das Kind im Schacht hätten weinen hören, schließe man aber andere Möglichkeiten - etwa, dass er rausgeklettert sei und sich verlaufen habe - vorerst aus.

Der fröhliche Familienausflug aufs Land, ein Picknick mit viel Paella, wurde am Sonntag im hügeligen Waldgebiet plötzlich von verzweifelten Schreien beendet. Eine Tante habe den Sturz aus einiger Ferne gesehen und laut um Hilfe gerufen, berichteten die Zeitung «La Vanguardia» und andere Medien. Der Kleine soll beim Spielen mit anderen Kindern in den offenen Schacht gefallen sein. Die Bergungsarbeiten werden von der Tatsache erschwert, dass der Schacht nur einen Durchmesser von rund 25 bis 30 Zentimetern hat.

Mit einer Roboter-Kamera war man am Montag bis in eine Tiefe von knapp 80 Metern vorgedrungen. Dort hatte man eine Tüte mit Süßigkeiten entdeckt, die Julen bei sich trug. Weil sich Erde gelöst habe, die den Schacht verstopfe, komme man mit der Kamera bisher aber nicht weiter vorwärts, teilten die Rettungsteams mit. Der Schacht, der erst vor ein paar Wochen bei der Suche nach Wasser gegraben worden sei, sei insgesamt 107 Meter tief, hieß es. Das entspricht ungefähr der Höhe eines 30-stöckigen Gebäudes.

An der Suche nahe dem 352 Meter hohen Hügel Cerro de la Corona rund 15 Kilometer nordöstlich der Küstenstadt Málaga beteiligten sich mehr als 100 Angehörige der Feuerwehr, der Polizei, des Zivilschutzes und anderer Notdienste. Auch Experten von Firmen und von Universitäten wurden hinzugezogen. Am Dienstag wurden zudem erfahrene Minenarbeiter der nördlichen Kohle-Region Asturien zu Hilfe gerufen. Eingesetzt wurden in dem für größere Fahrzeuge nur schwer zugänglichen Gebiet die verschiedensten Maschinen.

Zunächst hatte man erwogen, nach der Abtragung der abgelösten Erde und der Stärkung der Innenwände des Schachtes ein Bohrloch parallel zum Schacht zu bauen. Am Dienstag entschloss man sich aber dazu, das Gefälle des Terrains auszunutzen und von einem Abhang aus einen horizontalen, etwa 50 bis 80 Meter langen Tunnel zu graben, der direkt an das Ende des Brunnenschachts führen soll. Dann will man wieder die Roboterkamera einsetzen, um Julen zu finden. «Das ist die sicherste und schnellste Methode», sagte die Vizedelegierte der Regierung in Andalusien, María Gámez.

Ein Experte erklärte im Fernsehen, der Bau eines solchen Tunnels werde zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen, und das auch nur, falls keine Probleme auftauchten. Die Spanier hoffen, dass das Kind dank einer Luftblase länger überleben kann. «Mit jeder Minute, die vergeht, schwinden aber die Hoffnungen», kommentierte die Zeitung «ABC».

Mit jeder Minute wurde aber auch die Anteilnahme der Spanier größer. Der Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte schon am Sonntag dazu aufgerufen, die Hoffnung nicht aufzugeben. Mut sprachen der Familie auch viele andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu. Königin Letizia, selbst Mutter zweier Töchter, erkundigte sich am Dienstag nach den Chancen des Kleinen. Mehr als 100 Unternehmen unter anderem des Bausektors boten Hilfe an. Das Madrider Innenministerium sicherte «alle Mittel» zu. Die Kirche forderte dazu auf, um den Kleinen zu beten. Auch Menschen, die die Familie nicht kannten, heulten vor laufenden TV-Kameras hemmungslos. «Alle sind erschüttert und bangen», sagte der 71-jährige Onega.

Die Eltern von Julen, der arbeitslose Marktverkäufer José und die Fastfood-Bedienung Victoria, waren bereits im Mai 2017 vom Schicksal hart getroffen worden. Bei einem Strandspaziergang starb damals Julens älterer Bruder Oliver (3) an einem Herzversagen. José und Victoria wollten die Unfallstelle nicht für eine Minute verlassen. Die Nachbarn der Familie im armen Málaga-Vorort El Palo sind ebenfalls nicht zu trösten. «Der Kleine war hier immer mit seinem grünen Dreirad rauf und runter unterwegs. Mir fehlen die Worte», sagte eine ältere Frau weinend.

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15. 01. 2019
15:20 Uhr

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