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Studie: Wohlstandsgefälle wird wieder wachsen

Wie geht es Deutschland im Jahr 2045? Je länger der Zeitraum, desto schwieriger ist die Vorhersage. Eine Studie wagt dennoch den Blick in die Zukunft - und sieht große Herausforderungen.



Unbewohnt
Abwanderung und geringe Geburtenzahlen machen vor allem dem Osten Deutschlands zu schaffen.   Foto: Stefan Sauer

Der Osten Deutschlands hat wirtschaftlich aufgeholt, wird nach einer Studie bald aber wieder zurückfallen. «Bis 2045 nimmt das Gefälle nach unseren Prognosen wieder zu», heißt es in einer Studie der Prognos AG, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Grund sind Abwanderung und geringe Geburtenzahlen. Dabei werde es nicht nur ein West-Ost-Gefälle geben, sondern auch ein Süd-Nord-Gefälle.

Liege die Wirtschaftsleistung pro Kopf im Osten einschließlich Berlins heute bei drei Vierteln des Westniveaus, sinke sie bis 2045 auf weniger als zwei Drittel und damit sogar unter den Wert aus dem Jahr 2000. «Bei einer Fortsetzung der bisherigen Politik werden sich die (materiellen) Lebensverhältnisse zwischen Ost und West nicht angleichen», warnen die Autoren. Was sie noch erwarten:

DEUTSCHLAND WÄCHST - NOCH

Deutschland insgesamt wächst - zumindest noch die nächsten Jahre. Danach sinkt die Einwohnerzahl, wie die Forscher schreiben. Bis 2045 allerdings weniger als lange angenommen. «Die Migrationsbewegungen der letzten Jahre tragen dazu bei, dass lediglich mit einem Rückgang um 2,5 Prozent zu rechnen ist.» Das bedeutet: Auch in 27 Jahren werden noch gut 80 Millionen Menschen in Deutschland leben. Heute sind es knapp 83 Millionen.

STÄDTE UND DER SÜDEN PROSPERIEREN

Länder wie Hamburg, Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Berlin könnten ihre Wirtschaftsleistung bis 2045 um mehr als die Hälfte steigern, dagegen dürfte das Bruttoinlandsprodukt in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern kaum zulegen, wie Prognos erwartet.

Hintergrund ist vor allem die Bevölkerungsentwicklung, bei der sich die Forscher auf Daten des Statistischen Bundesamts stützen. «Mehr Köpfe bedeuten in der Regel auch mehr Arbeitskräfte und Wirtschaftsleistung», schreiben sie.

Sachsen-Anhalt jedoch verliert demnach gut jeden fünften Einwohner, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland jeden siebten. Berlin dagegen erreicht vier Millionen Einwohner. Immer mehr Menschen zieht es auch in den Großraum München. Deutschland insgesamt kann nach der Studie mit einem Wirtschaftswachstum von jährlich 1,3 Prozent rechnen.

DIE ARBEITSLOSIGKEIT SINKT

Die jüngsten Tiefstände sind noch nicht das Ende, wie die Studie annimmt. In zwölf Jahren liege die Arbeitslosenquote bundesweit bei 4,6 Prozent. Was sich demnach nicht ändert: Bremen behält die rote Laterne, Bayern und Baden-Württemberg liegen auch 2030 vorn. Weniger Menschen werden in der Industrie arbeiten, wegen Digitalisierung und Alterung dafür mehr in Dienstleitungen.

DEUTSCHLAND WIRD NOCH ÄLTER

Dieser Trend ist bekannt: Die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre gehen in Rente, die Lebenserwartung steigt. Das mittlere Alter (Median) der Deutschen liegt heute bei 45,8 Jahren, 2045 werden es 49,5 Jahre sein, glauben die Wissenschaftler. Die Folge: Außer in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin sinkt bundesweit die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter.

DIE RENTE BRAUCHT EIN «UPDATE»

Wenn immer weniger Leute in einen Topf einzahlen, aber immer mehr Leute etwas daraus bekommen wollen, gibt es eines Tages ein Problem - zumal wenn die Digitalisierung die Arbeitswelt wandelt, das klassische Angestelltenverhältnis seltener wird und mehr Leute selbstständig und auf Abruf einzelne Aufträge abarbeiten. Denn noch füllen vor allem Abzüge von Lohn und Gehalt der Arbeiter und Angestellten die Sozialkassen.

«Der Sozialstaat braucht ein Update», stellt Prognos fest. Denkbar sind aus Sicht des Instituts andere Finanzierungen wie etwa eine Erwerbstätigenversicherung, in die auch Minijobber, Selbstständige und Beamte einzahlen, oder eine Wertschöpfungsabgabe, um Kapitaleinkommen stärker heranzuziehen.

KOMMT ALLES WIE BESCHRIEBEN?

Die Zukunft lässt sich schwer vorhersagen, das gilt auch beim Deutschland-Report von Prognos. Viele Trends erwarten jedoch auch andere Institute so. Das Institut der deutschen Wirtschaft etwa kommt zu ganz ähnlichen Bevölkerungs- und Abwanderungsprognosen.

Prognos erstellt den Report alle vier Jahre. Weitgehend bewahrheitet haben sich unter anderem Vorhersagen zum Wirtschaftswachstum und zur Abwanderung im Osten. Frühere Bevölkerungsprognosen dagegen wurden Makulatur, als vor wenigen Jahren Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Auch dass die Arbeitslosigkeit derart schnell sinken würde wie zurzeit, hatten die Forscher so nicht erwartet.

Das Forschungsunternehmen Prognos gehört mehrheitlich der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und verdient sein Geld unter anderem mit Beratung für Unternehmen und politische Institutionen.

Veröffentlicht am:
01. 10. 2018
09:36 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
01. 10. 2018
09:36 Uhr



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