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«Stoppt Black Friday!» - Hunderttausende bei Klimaprotesten

«Ohne Bäume keine Träume»: Zum mittlerweile vierten Mal in diesem Jahr gehen Menschen weltweit gemeinsam für mehr Klimaschutz auf die Straße. Die Kritik der Demonstranten richtet sich am Black Friday nicht ausschließlich gegen die Politik.



Aktionstag in Berlin
Der Demonstrationszug von Fridays For Future zum Aktionstag für mehr Klimaschutz zieht über die Reinhardtstraße in Berlin.   Foto: Christoph Soeder/dpa » zu den Bildern

Hunderttausende Menschen in Deutschland und weltweit haben für einen stärkeren Einsatz der Politik und ein Umdenken jedes Einzelnen im Kampf gegen den Klimawandel demonstriert. In Deutschland waren nach Angaben der Bewegung Fridays for Future 630.000 Menschen auf der Straße.

Protestiert wurde vielerorts diesmal auch gegen übermäßigen Konsum, wegen des parallelen Schnäppchentags Black Friday. «Stoppt Black Friday!», forderten etwa Demonstranten in Kopenhagen. In Berlin schlug Sänger Peter Fox von der Band Seeed in eine ähnliche Kerbe: «Checkt Euren Lifestyle», sagte er auf einer Großkundgebung vor Zehntausenden Menschen am Brandenburger Tor.

«Wir sollten bereit sein, unsere Gewohnheiten zu ändern», sagte der Musiker («Haus am See»). «Lasst uns den Arsch hochkriegen, let's go», beschloss er seine kurze Ansprache, ehe die Band Musik machte.

Die Klimabewegung Fridays for Future hatte Kundgebungen in mehr als 500 deutschen Städten angekündigt. In Berlin waren laut dem Netzwerk 60.000 Demonstranten auf den Beinen, in Hamburg beteiligten sich nach Veranstalterangaben rund 55.000 Menschen an einem Demonstrationszug durch die Innenstadt, die Polizei sprach hier von 30.000. In Hannover kamen ersten Schätzungen zufolge 40.000 Menschen zusammen, in München 17.000, in Kiel 11.000, in Köln mehr als 10.000. Aus Städten wie Dortmund, Münster, Saarbrücken, Mainz, Dresden, Freiburg und Essen wurden zunächst vierstellige Teilnehmerzahlen vermeldet.

Insgesamt beteiligten sich deutschlandweit 630.000 Menschen an den Klimaprotesten, wie Fridays for Future am Nachmittag mitteilte. Angesichts einer vergleichsweise kurzen Vorlaufzeit des Aktionstags handelte es sich damit um eine gute Beteiligung, die allerdings nicht an die Rekordzahlen vom September heranreicht - damals waren der Klimabewegung zufolge weltweit mehr als sieben Millionen Menschen in 185 Ländern für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen, darunter allein 1,4 Millionen in Deutschland.

Eine der führenden Aktivistinnen, Luisa Neubauer, schrieb auf Twitter, viele hätten gesagt, es sei unmöglich, Ende November einen Massenprotest zu organisieren. «Wir haben es trotzdem gemacht. Nicht weil es leicht ist, sondern weil es notwendig ist. Denn diese Klimapolitik raubt uns unsere Zukunft.»

Fridays for Future hat die erneuten Großproteste bewusst auf den Freitag vor dem Start der Weltklimakonferenz in Madrid gelegt. Nach den Großprotesten im März und Mai sowie der globalen Streikwoche im September ist es die vierte Auflage eines solchen weltweit koordinierten Protests. In Deutschland richtet sich die Kritik der Aktivisten vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung, das sie als «Klima-Päckchen» und völlig unzureichend bezeichnen.

International waren Kundgebungen in über 2400 Städten in 158 Ländern geplant gewesen. Traditionell wegen der Zeitverschiebung waren die Australier in Städten wie Sydney und Melbourne einige der ersten, die am Freitag protestierten aus Protest auf die Straße gingen, diesmal aber weniger als zuvor.

Später folgten unter anderem Städte in Indien und europäische Metropolen wie Brüssel oder Lissabon. In den französischen Städten wie Lyon und Saint-Priest blockierten Aktivisten zeitweise Lagereingänge des Online-Händlers Amazon - auch das aus Protest gegen übermäßigen Konsum.

Unterstützung erhalten die überwiegend jungen Demonstranten längst auch von älteren Generationen und vielen Wissenschaftlern, darunter diejenigen auf dem deutschen Forschungsschiff «Polarstern» in der Arktis und auf der deutschen Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis.

Jeweils ein knappes Dutzend Wissenschaftler stellten sich mit Schildern und Plakaten auf dem Eis vor dem Schiff und der Station auf, um sich mit den Klimademonstranten solidarisch zu zeigen - das zeigten Bilder, die Melanie Bergmann, eine Wissenschaftlerin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven, am Freitag twitterte.

«Polarforscher vom Süden bis zum Norden danken Fridays for Future dafür, Aufmerksamkeit auf unsere Wissenschaft zu richten!», schrieb Bergmann dazu. Auf dem Plakat der Forscher vor der «Polarstern» stand geschrieben: «Wir liefern die Fakten. Es ist Zeit zum Handeln!»

Die Klimaproteste gehen auf eine Protestaktion der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zurück, die sich diesmal während des Protesttages auf hoher See befand: Die 16-Jährige segelt gerade auf einem Katamaran über den Atlantik zurück, um an der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz sowie an einem großen Protest in Madrid am kommenden Freitag teilnehmen zu können. Ob sie es zeitlich schafft, ist unklar.

Pünktlich zum jetzigen Protesttag meldete sich die junge Schwedin aber gemeinsam mit Neubauer mit einem Meinungsbeitrag zu Wort. Sie warfen den Regierungen weltweit vor, weiterhin viel zu wenig im Kampf gegen die Klimakrise zu unternehmen. Viele Politiker sagten zwar, sie seien auch für einschneidende Klimaschutzmaßnahmen. «Aber sie tun nichts», schrieben die beiden in dem auf dem Portal «Project Syndicate» veröffentlichten Beitrag. Dies sei als «Heuchelei» anzuprangern, monierten sie.

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 11. 2019
23:02 Uhr

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29. 11. 2019
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