Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Steinmeier bittet Griechen um Verzeihung

Mit klaren Worten bekennt sich der Bundespräsident zur historischen deutschen Schuld in Griechenland. Doch den Gastgebern reicht das nicht aus. Der Ton bleibt aber gemäßigt. Und Steinmeier sieht auch Anlass zur Selbstkritik.



Gedenken
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender bei einem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Chaidari westlich von Athen.    Foto: Bernd von Jutrczenka » zu den Bildern

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei seinem Staatsbesuch in Griechenland um Verzeihung für die Verbrechen während der deutschen Besatzung gebeten.

Nach dem Besuch einer KZ-Gedenkstätte sagte Steinmeier, es seien dort unvorstellbare Grausamkeiten im Namen Deutschlands begangen worden. Bei seinen Gesprächen mit Präsident Prokopis Pavlopoulos und Regierungschef Alexis Tsipras kamen auch die umstrittenen griechischen Reparationsforderungen auf den Tisch.

Während der deutschen Besatzung Griechenlands waren in dem Lager Chaidari bei Athen bis zu 25 000 Menschen interniert. Nach 1941 kam es an vielen Orten des Landes zu Massenerschießungen und anderen Gräueltaten. Allein 60 000 bis 70 000 jüdische Griechen wurden ermordet. «Wir verneigen uns vor den Opfern», sagte Steinmeier. «Vor allen Dingen bitten wir um Verzeihung hier in Griechenland für das, was geschehen ist.»

Die moralische und politische Schuld Deutschlands dürfe nicht vergessen werden, sagte er weiter. Dies gelte ungeachtet unterschiedlicher Rechtspositionen, betonte er mit Bezug auf die Reparationsforderungen.

Tsipras schnitt das Thema nur vorsichtig an. Es sei notwendig, Differenzen und Stereotypen zwischen Deutschland und Griechenland hinter sich zu lassen. Gleichzeitig dürften Unterschiede in der Bewertung der «fernen Vergangenheit» nicht ignoriert werden. Diese sollten auf der Grundlage des Internationalen Rechts gelöst werden, «das wir alle respektieren», sagte er.

Deutlicher wurde Präsident Pavlopoulos bei einem festlichen Staatsbankett am Abend. «Diese Forderungen stellen wir nicht einseitig und willkürlich», sagte er laut Redemanuskript. Sie seien eingebettet in den Rahmen des internationalen und europäischen Rechts. Dafür seien «internationale Foren» zuständig. Dort könne jede Seite ihre Positionen vertreten. Eine Summe für die Forderungen nannte der griechische Staatspräsident nicht.

Experten hatte bereits vor drei Jahren den Umfang der Kriegsschäden zwischen 289 Milliarden Euro und 332 Milliarden Euro beziffert. Für Deutschland ist das Thema mit dem 1990 als Grundlage für die Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag abgeschlossen. Darin heißt es, es seien «keine weiteren Reparationen» vorgesehen.

Vor Studenten der Universität von Athen erinnerte Steinmeier auch an die Verwerfungen im deutsch-griechischen Verhältnis durch die Eurokrise. «Das Deutschenbild der Griechen und Griechenbild der Deutschen - beides hatte sich ernsthaft verzerrt oder verdunkelt.»

Die Reformanstrengungen Athens lobte der Bundespräsident. Deutschland müsse sich selbstkritisch fragen, ob man manchmal nicht «allzu dogmatisch» erschienen sei. Umgekehrt habe es in Griechenland Worte und Gesten gegeben, die manchen in Deutschland verletzt hätten.

Steinmeier warnte davor, die Errungenschaften der europäischen Integration aufs Spiel zu setzen. Bis hinein in amtierende Regierungen gebe es Bewegungen, die sich von einem rechtsstaatlichen und demokratischen Europa verabschieden wollten. Diese Entwicklung drohe, «die Beziehungen zwischen den europäischen Staaten zu vergiften.»

Am Rande des Staatsbesuchs unterzeichneten Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und der zuständige griechische Generalsekretär Pafsanias Papageorgiou ein Abkommen zur Gründung eines deutsch-griechisches Jugendwerks. Von deutscher Seite soll die Einrichtung mit drei Millionen Euro im Jahr finanziert werden. Die Verhandlungen hatten sich jahrelang hingezogen und konnten erst vor wenigen Tagen abgeschlossen werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
20:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alexis Tsipras Auswärtiges Amt Eurokrise Frank-Walter Steinmeier Franziska Giffey Griechische Staatspräsidenten Joachim Gauck Prokopis Pavlopoulos Rechtspositionen Reparationen SPD Staatsbankette Staatsbesuche
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

10.10.2018

Steinmeier nach Athen - Reparationen werden Thema

Die deutsche Ablehnung ist eindeutig, aber für Athen ist die Forderung nach Milliardenzahlungen so etwas wie ein Pflichtprogramm bei Besuchen aus Deutschland. Das wird auch der Bundespräsident erleben. » mehr

Polens Außenminister Jacek Czaputowicz

19.08.2019

Polen fühlt sich bei Weltkriegs-Reparationen diskriminiert

Ist Polen nach dem Zweiten Weltkrieg angemessen von Deutschland entschädigt worden? Die rechtskonservative polnische Regierung hat darauf eine klare Antwort. Vor dem 80. Jahrestag des Kriegsbeginns verleiht sie ihrer Hal... » mehr

Alexis Tsipras

18.04.2019

Athen stimmt für Reparationsforderungen an Deutschland

Nun ist es amtlich: Griechenland wird von Deutschland Geld für die im Zweiten Weltkrieg erlittenen Schäden fordern. Schon bald sollen entsprechende diplomatische Schritte eingeleitet werden. » mehr

Griechenland-Feldzug

29.08.2019

Mitsotakis will mit Deutschland über Reparationen verhandeln

Der neue griechische Ministerpräsident Mitsotakis will Europa zeigen, dass die Schuldenkrise überwunden ist und mit Kanzlerin Merkel den Blick nach vorne richten. Es gibt aber ein heikles Thema aus der Vergangenheit, das... » mehr

Pappsitze für Kirchentagsbesucher

18.06.2019

Geballte Prominenz zum Evangelischen Kirchentag erwartet

Zum Evangelischen Kirchentag werden mehr als 100 000 Teilnehmer erwartet. Geballte Prominenz aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft kommt nach Dortmund. Dort geht es um Vertrauen - und jede Menge Brisantes. » mehr

Proteste

11.01.2019

Berlin und Athen pochen auf solidarische Flüchtlingspolitik

Seit langem verlangt Kanzlerin Merkel in der EU vergebens mehr Gemeinsamkeit beim Umgang mit Flüchtlingen. In Athen findet sie dafür Unterstützung. Die Hardliner in Europa dürfte das kaum umstimmen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Der Verhocktenumzug zum Abschluss der Kirmes in Tiefenort

Verhocktenumzug Tiefenort |
» 25 Bilder ansehen

Grenzgedenkstätte Point Alpha Rasdorf

Point Alpha Gedenkstätte | 20.10.2019 Rasdorf/Geisa
» 14 Bilder ansehen

Baumesse Suhl

Baumesse Suhl | 19.10.2019 Suhl
» 18 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
20:09 Uhr



^