Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Spahn will langfristig Pflegebedürftige finanziell entlasten

In der alternden deutschen Gesellschaft wird Pflege immer wichtiger. Das treibt auch die Kosten in die Höhe - doch wer soll wie viel bezahlen?



Jens Spahn
Gesundheitsminister Jens Spahn spricht während einer Podiumsdiskussion über die Reform der Pflegeversicherung.   Foto: Roberto Pfeil/dpa

Angesichts immer weiter steigender Zuzahlungen für die Pflege will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor allem bei jahrelangen Belastungen gegensteuern.

«Gerade wer langfristig pflegebedürftig ist, muss entlastet werden», sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Darauf sollten wir uns konzentrieren.» Es gebe noch gute andere Ansätze, als den Eigenanteil für Pflegebedürftige festzuschreiben. Der Koalitionspartner SPD pocht indes auf eine Begrenzung solcher Zuzahlungen aus eigener Tasche.

«Ich möchte Mitte des Jahres einen Vorschlag machen, wie die künftige Finanzierung der Pflege aussehen kann», sagte Spahn am Montagabend im nordrhein-westfälischen Düren. Dort startete er eine Dialogreihe mit insgesamt sechs Veranstaltungen. Spahn diskutierte mit Experten, aber auch mit dem Publikum, das sich überwiegend aus Pflegebeschäftigten zusammensetzte. «Egal welchen Vorschlag ich mache, es werden nicht 100 Prozent «hurra» sagen», warnte er schon mal vor. Die Herausforderung sei groß: «Wir sind nach Japan das zweitälteste Land der Welt.»

Spahn forderte eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Einführung eines verpflichtenden sozialen Jahrs. Die Akzeptanz dafür unter jungen Leuten sei höher als man vielfach denke. Er selbst tendiere zu einem Ja. In jedem Fall sei er für einen Ausbau des freiwilligen sozialen Jahrs.

SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas sagte am Montag der Deutschen Presse-Agentur: «Pflege darf nicht zu Armut führen.» Es sei gut, dass Spahn das Thema nun auch aufgreife. Bislang stecke das System in einer Falle. «Denn steigende Kosten führen zu steigenden Eigenanteilen in der Pflegeversicherung. Diese Dynamik müssen wir durchbrechen.» Eine dauerhafte Lösung könne es nur mit einer Begrenzung der Eigenanteile geben.

Hintergrund ist, dass die Pflegeversicherung - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil der Kosten trägt. Neben dem Eigenanteil für die reine Pflege kommen für Heimbewohner noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen dazu. Insgesamt ergeben sich im Bundesschnitt derzeit knapp 1900 Euro im Monat, allerdings gibt es große regionale Unterschiede.

In der Finanzierungsdebatte gibt es bereits zahlreiche Vorschläge - etwa zu Bundeszuschüssen und zur Senkung oder Begrenzung der Eigenanteile. Möglich wären außerdem höhere Beiträge. Steigende Kosten verursachen auch höhere Löhne, die die Regierung im Ringen um dringend benötigte Pflegekräfte durchsetzen will. Die Pflegeausgaben steigen zudem wegen der alternden Gesellschaft. Die Zahl der Leistungsempfänger wuchs nach Angaben der gesetzlichen Krankenversicherung 2018 auf 3,7 Millionen - 10,4 Prozent mehr als 2017. Die Ausgaben der Pflegeversicherung stiegen um 7,6 Prozent auf 38,2 Milliarden Euro.

Spahn sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: «Die pflegebedingten Eigenanteile sind in den letzten zwei, drei Jahren deutlich gestiegen, teilweise um mehrere Hundert Euro im Monat.» Dies könnten viele auf Dauer nicht alleine schultern. Veränderungen müssten aber von der Mitte der Gesellschaft getragen werden. Spahn hatte bereits signalisiert, dass er mehr Planbarkeit und Verlässlichkeit bei den Eigenanteilen anstrebt. Forderungen nach einer Vollversicherung für die kompletten Pflegekosten hat er abgelehnt.

SPD-Fraktionsvize Bas betonte dagegen: «Langfristig ist die Weiterentwicklung hin zu einer Pflegekostenvollversicherung das Ziel.» Die Eigenanteile an den Pflegekosten könnten dann nach und nach gegen Null abgesenkt werden. Nur die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen müssten - wie in der häuslichen Versorgung auch - von den Betroffenen gezahlt werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 02. 2020
22:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesgesundheitsminister Bärbel Bas Deutsche Presseagentur Gesetzliche Krankenversicherung Jens Spahn Kosten Pflegebedürftige Pflegebedürftigkeit Pflegekosten Pflegepersonal Pflegeversicherung Pflegeversicherungen und Pflegekassen Politiker der CDU SPD
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Minister Spahn

16.11.2019

Jens Spahn will mehr Planbarkeit bei Pflege-Eigenanteilen

Im alternden Deutschland sind immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen, auch die Bedingungen sollen besser werden. Doch wer soll das alles bezahlen? Der Minister sieht größeren Handlungsbedarf. » mehr

Häusliche Pflege

12.02.2020

Häusliche Pflege soll einfacher werden

Häusliche Pflege - Angehörige gehen dabei täglich an ihre Grenzen und darüber hinaus. Und für digitale Helfer müssen die Betroffenen meist selbst zahlen. Neue Vorstöße zielen auf spürbare Vereinfachungen ab. » mehr

Kliniken rüsten sich für Ansturm

21.03.2020

Streit um Milliardenhilfe für Kliniken

Was brauchen die Kliniken in der Coronavirus-Krise? Der Gesundheitsminister wollte rund drei Milliarden Euro zusätzlich geben - und löste einen Proteststurm bei den Krankenhäusern aus. » mehr

Pflege

04.01.2020

Debatte über künftige Finanzierung der Pflege

Es ist eines der großen sozialpolitischen Themen des neuen Jahres: Wie soll die Pflege in Zukunft bezahlt werden, ohne viele Betroffene in Finanznöte zu treiben? Verbraucherschützer mahnen zum Handeln. » mehr

Pflege

08.11.2019

Kinder von Pflegebedürftigen werden finanziell geschont

Für einen Platz im Pflegeheim müssen die Betroffenen oft tief in die Tasche greifen - notfalls müssen die Kinder einspringen. Das soll künftig seltener der Fall sein - und das bei höheren Pflegelöhnen. » mehr

Hände

24.09.2019

Pflegeheimbewohner müssen immer mehr dazuzahlen

Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten und ein Beitrag zur Pflege: Bis zu 2400 Euro kostet ein Platz im Pflegeheim pro Monat - Tendenz steigend. Regionale Unterschiede sind aber beträchtlich. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 02. 2020
22:53 Uhr



^