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Brennpunkte

Schließungen und Verbote: Coronavirus hat die Welt im Griff

Weltweit machen Länder dicht und fordern ihren Bürgern weitreichende Einschränkungen im Leben im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie ab. Viele Staaten fürchten, dass eine bald immens hohe Zahl von Schwerkranken ihr Gesundheitssystem zum Kollabieren bringen könnte.



Intensivstation
«Auch ein junger Patient ist nicht gefeit davor, einen schweren Verlauf zu haben», sagt der Chefarzt Clemens Wendtner von der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing.   Foto: Oliver Berg/dpa

Das Coronavirus hat mittlerweile praktisch alle Regionen der Welt in Griff. Vielerorts wurde das öffentliche Leben am Wochenende weiter eingeschränkt, um die Ausbreitung von Sars-CoV-2 zu verlangsamen.

In Staaten rund um den Globus wächst die Befürchtung, dass das eigene Gesundheitssystem mit einer plötzlichen Vielzahl an Schwerkranken schnell an seine Grenzen geraten könnte.

Nach Angaben der US-amerikanischen Johns Hopkins University, die die von den Regierungen gemeldeten Coronavirus-Daten sammelt, lag die Zahl der weltweit Infizierten am Samstag bei 286.816. An der vom Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 sind demnach bislang knapp 12.000 Menschen gestorben.

OSTASIEN

China - als Ausgangsort des Virus auch das bislang mit mehr als 81.000 Fällen am stärksten betroffene Land - meldete den dritten Tag in Folge keine neuen Infizierungen, die im Inland übertragen worden seien. Allerdings gibt es laut der Gesundheitskommission 41 neue «importierte» Fälle, also aus dem Ausland zurückgekehrte Reisende. China setzte Maßnahmen in Gang, um eine zweite Ansteckungswelle durch Einreisende zu verhindern. So wurde etwa für alle, die aus dem Ausland in die Hauptstadt reisen wollten, eine Quarantäne angeordnet.

Auch im östlich vom chinesischen Festland gelegenen Inselstaat Taiwan stieg die Furcht vor einer zweiten Infektionsphase. 18 Taiwaner, die von Reisen in verschiedenen Ländern der Welt jüngst zurückkehrten, hätten Covid-19, teilte Taiwans zentrales Epidemien-Kommandozentrum (CECC) mit. Die Patienten seien unterschiedlichen Alters, von Menschen in den 20ern bis 70ern. Zudem befänden sich rund 3300 Bürger nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland in häuslicher Quarantäne.

SÜDOSTASIEN

Auch südostasiatische Länder verstärkten ihre Maßnahmen gegen die Virus-Ausbreitung. In Thailands Hauptstadt Bangkok sollten Einkaufszentren und Restaurants ab Sonntag geschlossen bleiben. Dicht machten auch alle Bildungseinrichtungen und Ausstellungen der Stadt. Der Billigflieger Thai AirAsia kündigte an, alle internationalen Flüge in Thailand vom 22. März bis zum 25. April auszusetzen.

In Malaysia meldete das Gesundheitsministerium einen weiteren sprunghaften Anstieg bei den Infizierungsfällen. 90 der neu hinzugekommenen waren demnach auf eine Ansteckung während einer islamischen Zeremonie nahe Kuala Lumpur Ende Februar zurückzuführen, an der schätzungsweise 15 000 Menschen aus ganz Südostasien teilgenommen hatten. Nachdem sich die Fallzahl innerhalb einer Woche vervierfacht hatte, gelten seit Mittwoch weitreichende Schließungen und Ausgangsbeschränkungen. Ab Sonntag sollte die Armee die Polizei bei den Kontrollen unterstützen. Für Verunsicherung hatte ein generelles Ausreiseverbot für die Einwohner bis zum Monatsende gesorgt. Dieses hätte auch die rund 300.000 Malaysier getroffen, die täglich zum Arbeiten in den Stadtstaat Singapur im Süden der malaysischen Halbinsel pendeln. Am Freitag verfügte die Regierung, dass jene mit einem Job im Ausland ausreisen dürften.

Singapur müsse mit weiteren Todesfällen rechnen, warnte der Premierminister Lee Hsien Loong, nachdem am Samstag erste Covid-19-Tote in der Millionenstadt vermeldet worden waren. Das wohlhabende Singapur, wirtschaftlich und im Flugverkehr eines der wichtigsten Drehkreuze der Welt, hatte angesichts wachsender Infektionszahlen in den umliegenden Ländern seine Grenzkontrollen verschärft und den Reiseverkehr eingeschränkt. Bei den Bürgern wurden rigorose Gesundheits-Screens durchgeführt, tausende sind vorsorglich unter eine streng überwachte Quarantäne gestellt worden. Der Stadtstaat fürchtet auch, dass ein plötzlicher Ansturm schwerkranker Patienten sein gerade auch bei Malaysiern und Indonesiern beliebtes Gesundheitssystem in die Knie zwingen könnte.

Laut der Johns Hopkins University waren in den zehn Ländern der südostasiatischen Nationen (Asean) bis Samstag insgesamt 2645 Menschen infiziert.

Die Vielinselstaaten Indonesien und die Philippinen haben im Verhältnis zu ihren vielen Millionen Einwohnern bislang mit jeweils nur ein paar Hundert wenige Corona-Fälle gemeldet.

Dem philippinischen Gesundheitsministerium zufolge hat das Land kürzlich 100.000 von China, Südkorea und Brunei gespendete Virus-Test-Kits erhalten. Diese würden nun verteilt, um mögliche Verdachtsfälle zu testen. Seit knapp einer Woche gilt auf der Hauptinsel Luzon eine einmonatige Ausgangssperre. Auf Luzon, wo die Hauptstadt Manila ist, lebt mit knapp 60 Millionen Menschen rund die Hälfte der Bevölkerung. Ausländer dürfen nicht mehr einreisen, sofern sie keine einheimischen Ehepartner oder Kinder haben.

Vietnam setzte alle internationalen Flüge aus. Zudem sollten alle Einreisenden ab Samstag zunächst in eine 14-tägige Isolation gehen.

SÜD- UND VORDERASIEN

Bangladesch stellte die Flugverbindungen zu mehreren Ländern bis Ende März ein. Zudem wurden 14.000 kürzlich aus dem Ausland zurückgekehrte Bürger angewiesen, eine zweiwöchige häusliche Quarantäne einzuhalten. Wahlkampfveranstaltungen und Pilgerreisen wurden für einen unbestimmten Zeitraum abgesagt. Auch Bangladeschs Schulen bleiben bis Monatsende geschlossen.

Auch andere Länder stellten den internationalen Flugverkehr weitgehend ein, darunter Pakistan und die Türkei. Aus letzterer können nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu 46 weitere Länder nicht mehr angeflogen werden, nachdem Ankara bereits Flüge in 22 Staaten, darunter auch Deutschland, untersagt hat. Unklar ist, wie lange die Flugsperre in Kraft sein soll. In der Türkei, in der sich die bestätigten Coronavirus-Fälle nunmehr fast täglich verdoppeln, sind die meisten öffentlichen Plätze geschlossen und Sportveranstaltungen sowie Gebetsversammlungen abgesagt worden. Präsident Recep Tayyip Erdogan rief die Bevölkerung per Audio-Botschaft auf Twitter auf, «das Haus außer für absolut Notwendiges nicht zu verlassen.»

AMERIKA

In den USA sollte laut Berechnungen der «New York Times» zum Ende der Woche jeder fünfte Bürger einer Ausgangssperre unterliegen. Nach Kalifornien hatten zuletzt am Freitag die Bundesstaaten New York und Illinois weitreichende Maßnahmen angekündigt, um die Virus-Ausbreitung zu verlangsamen, und unter anderem Millionen Einwohner angewiesen, zuhause zu bleiben.

AFRIKA

In Afrika, wochenlang ein größtenteils weißer Fleck auf der Infektions-Weltkarte, sind nunmehr in 38 Ländern Fälle von Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Kongo und Simbabwe meldeten am Samstag ihre ersten Corona-Toten.

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 03. 2020
20:53 Uhr

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