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Ruhiger Wochenendauftakt auf Frankfurter Opernplatz

Feiern ja, Krawall-Szenen nein: Das hat beim Start ins Wochenende in Frankfurt geklappt. Die politische Debatte über den Umgang mit Randale in Corona-Zeiten geht derweil weiter.



Frankfurter Opernplatz
Menschen sitzen am Brunnen vor der Alten Oper in Frankfurt. Dort wurde in der Nacht nur friedlich gefeiert.   Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Das erste Wochenende nach den Krawallen in Frankfurt hat friedlich begonnen, nachdem die Stadt einen scharfen Kurs gegen erneute Ausschreitungen verkündet hatte.

Begleitet von einem größeren Polizeiaufgebot versammelten sich am Freitagabend zwar wieder Gruppen junger Leute auf dem zentralen Opernplatz. Es sei aber ruhig geblieben, berichtete ein Polizeisprecher am Samstag. Eine Bilanz des Wochenendes wollte die Polizei am Sonntag ziehen.

Um neuerliche Krawalle zu verhindern, waren die Beamten am Freitagabend mit einem größeren Aufgebot unterwegs. Zudem galt ab Mitternacht erstmals ein Betretungsverbot für den Opernplatz, um ein Uhr nachts musste dieser geräumt sein. Das habe gut geklappt, berichtete die Polizei. Die Regelungen sollten auch in der Nacht zum Sonntag gelten.

Der Opernplatz hatte sich in den vergangenen Monaten auch angesichts der coronabedingten Schließung von Clubs und Diskotheken zeitweise zur Freiluft-Partyzone entwickelt. Am vergangenen Wochenende war es dort zu Ausschreitungen gekommen. Polizisten wurden aus der Menge der Feiernden heraus mit Flaschen angegriffen, als sie laut Polizei einen Verletzten bergen wollten. Mindestens fünf Beamte seien verletzt, mehrere Polizeifahrzeuge beschädigt worden. Insgesamt 39 mutmaßliche Randalierer wurden vorläufig festgenommen - die meisten von ihnen waren von außerhalb nach Frankfurt gekommen.

«Ich gehe davon aus, dass wir mit nichts Größerem und schon gar nicht mit Ausschreitungen wie letzte Woche zu rechnen haben», sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill, der ebenso wie politische Vertreter der Stadt am späten Freitagabend zum Opernplatz kam. «Ich glaube, es liegt eher daran, dass letzte Woche so etwas passiert ist», sagte er über die eher niedrige Zahl von Feiernden. Manche würden den Platz womöglich aus Angst vor Gewalt nicht aufsuchen, andere wegen der Ansage der Polizei, vor Ort Präsenz zu zeigen.

Um Mitternacht war dann Schluss: Per Lautsprecher wurde die Verfügung von Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) verlesen, die ein Betreten des Platzes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Eine Stunde hatten die Nachtschwärmer dann noch Zeit, sich zu verabschieden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht die jüngsten Krawalle in deutschen Großstädten als Folge eines über Jahre zu weichen Vorgehens gegen Regelverstöße. Auf die Frage, was vor einigen Wochen in Stuttgart und zuletzt in Frankfurt schiefgegangen sei, sagte Kretschmer der «Rheinischen Post» (Samstag): «Ich bin nicht nah genug an diesen Städten, um ein Urteil abzugeben. Aber eine Meinung habe ich dazu: Wir müssen unsere Werte, unsere Regeln bereits im Kleinen durchsetzen.»

Wenn dies «über Jahre nicht geschieht, wenn man in kleinen Gruppen lärmend im Park sitzen und Alkohol trinken und Drogen nehmen kann und nie einer kommt und sagt, dass Schluss ist, dann werden aus 50 Leuten 500 oder mehr». Sobald die Polizei dann die geltenden Regeln durchsetzen wolle, gebe es großen Widerstand.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) rief in der Debatte über Gewaltausbrüche in Großstädten zur Besonnenheit auf. «Es ist wichtig, dass die Polizei in solchen Fällen präsent ist, und sie sollte den Weg der Deeskalation gehen», sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Es geht «vor allem um eine Gruppe von Menschen, die unzufrieden sind, weil sie wegen Corona nicht feiern können. Da hat sich Frust angestaut und auch Hass auf Behörden und die sogenannte Obrigkeit», sagte Dreyer.

© dpa-infocom, dpa:200725-99-919584/6

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 07. 2020
17:11 Uhr

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25. 07. 2020
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