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Ruf nach harten Strafen nach Tod von Busfahrer in Frankreich

Philippe M. hatte Sonntagsdienst, fuhr seinen Trambus durch Bayonne im französischen Baskenland. Dann geschieht das Unfassbare: Männer prügeln so heftig auf den Mann ein, dass er wenige Tage später stirbt. Und all das, weil sie keine Masken tragen wollten.



Entsetzen nach Tod von Busfahrer
Die Ehefrau des verstorbenen Busfahrers hält während eines Protestmarsches in Bayonne ein Foto von sich und ihrem Mann.   Foto: Gaizka Iroz/AFP/dpa » zu den Bildern

In Frankreich herrscht Entsetzen über den tödlichen Angriff auf einen Busfahrer. Es handle sich um eine «absolut abscheuliche, unaussprechliche Tat», sagte Innenminister Gérald Darmanin am Samstagabend bei einem Besuch in der Stadt Bayonne.

Dort war der Busfahrer vor rund einer Woche attackiert worden - vorausgegangen war ein Streit über Schutzmasken. Der Endfünfziger starb am Freitag. Politiker fordern nun harte Strafen für die Täter, Frankreichs Premier verspricht Entschlossenheit.

Darmanin traf sich am Nachmittag mit Bayonnes Bürgermeister Jean-René Etchegaray - auch ein Treffen mit Sicherheitskräften und Busfahrern stand auf der Tagesordnung. Er machte sich ein Bild von der Sicherheit vor Ort. Er wisse, dass Busfahrer, Kontrolleure oder U-Bahnfahrer oft Angst hätten. «Wir sind hier, um sie zu beruhigen.» Diese grundlose Gewalt dürfe niemals zur Gewohnheit werden. Frankreichs Premier Jean Castex hatte zuvor versichert, dass die Justiz «die Täter dieses verabscheuungswürdigen Verbrechens bestrafen» wird.

Berichten zufolge hatte der Fahrer am vergangenen Sonntag im nahe der Grenze zu Spanien gelegenen Bayonne eine Gruppe von drei Männern in seinem Trambus aufgefordert, eine Maske zu tragen. Gleichzeitig stieg ein vierter Mann ein, dessen Ticket er kontrollieren wollte. Die Männer beleidigten demnach schließlich den Busfahrer und griffen ihn an; er wurde heftig auf den Kopf geschlagen. Zu Beginn der Woche wurde er für hirntot erklärt.

Der Busfahrer Philippe M. war kurz vor dem Ruhestand und Vater von drei Kindern. «Ich fühle mich wie in einem Alptraum», hatte seine Frau Véronique der französischen Presse gesagt. «So was macht man doch noch nicht wegen eines Bustickets. Man tötet doch nicht einfach so.»

Der Busfahrer sei nach einem Wortgefecht an der Haltestelle Balishon aus dem Bus gestoßen worden, erinnert sich ein Augenzeuge in der Zeitung «Le Parisien». Dann sei er von Männern aus der Gruppe heftig gegen Kopf und Oberkörper getreten worden. Ein anderer Zeuge beschreibt, dass mehrere Menschen dem Mann schließlich geholfen hätten, aufzustehen. Er habe geblutet und Schwierigkeiten beim Gehen gehabt. Dann sei er zusammengebrochen - er habe zwar geatmet, aber auf Fragen habe er nicht mehr reagieren können. Die Täter seien geflohen.

Politiker rufen nun nach harten Strafen. «Dieser barbarische Akt erfordert die schärfsten Sanktionen gegen die vier Täter», forderte der konservative Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi. «Ich denke an seine Frau und seine Kinder und fordere schwere Strafen für diese Mörder», erklärte der konservative Abgeordnete Éric Ciotti.

Vier Tatverdächtige wurden Berichten zufolge festgenommen. Gegen zwei von ihnen, einen 22- und einen 23-Jährigen, wird demnach wegen Totschlags ermittelt, gegen die zwei weiteren Verdächtigen wegen unterlassener Hilfeleistung. In der vergangenen Woche war es immer wieder zu Protesten und Gedenkmärschen gekommen.

© dpa-infocom, dpa:200711-99-753875/4

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Veröffentlicht am:
11. 07. 2020
18:56 Uhr

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