Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Rettungsschiffe im Mittelmeer blockiert: Lage spitzt sich zu

Mehrere Schiffe mit geretteten Migranten an Bord warten bisher vergebens auf dem Mittelmeer auf einen sicheren Hafen. Einige Menschen brauchen besonders schnell Hilfe. In Frankreich und in Italien stehen weitere Schiffe zum Ablegen bereit.



Seenotrettung im Mittelmeer
Das von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Foto vom Mittwoch zeigt Seenotretter der «Alan Kurdi» vor einem Schlauchboot voller Flüchtlinge.   Foto: Pavel D. Vitko/Sea-Eye

Zwei blockierte Rettungsschiffe mit insgesamt mehr als 160 Migranten an Bord erhöhen den Druck auf Europa, eine Lösung im Streit um die Verteilung von Geflüchteten zu finden.

Die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms war mit 124 Migranten auf dem Mittelmeer auf der Suche nach einem Hafen. Eine hochschwangere Frau habe Wehen, twitterte NGO-Chef Oscar Camps.

Die «Alan Kurdi» der deutschen Organisation Sea-Eye nahm am Freitag mit 40 Migranten Kurs von Italien auf Malta. In Frankreich ist die «Ocean Viking» von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen bereit zur Fahrt ins Suchgebiet vor Libyen. Auch eine italienische NGO will wieder auslaufen.

Italien zeigte sich wie immer hart und lässt kein Schiff anlegen. Die «Alan Kurdi» hatte die Menschen Mitte der Woche gerettet. Die Einsatzleitstelle der italienischen Küstenwache habe Sea-Eye nun mitgeteilt, dass die maltesischen Behörden zuständig seien, «obwohl das Schiff genau vor Lampedusa liegt», twitterte die Regensburger Organisation.

«Malta ist mehr als 20 Stunden entfernt. Ein unerträglicher Streit wird auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen.» Italien habe auch abgelehnt, Minderjährige, darunter Kleinkinder, und eine Schwangere von Bord zu bringen. Ein kleiner Junge mit einer Schusswunde sollte nach Malta gebracht werden. Das Schiff steuerte auf die Mittelmeerinsel zu.

Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini hat dem Schiff die Einfahrt verboten und gedroht, es zu beschlagnahmen, sollte es in Italien anlanden. Aus Malta kamen bisher keine Signale, das Boot aufzunehmen.

Auch die spanische Hilfsorganisation Proactiva sucht nach einem sicheren Hafen. Das Schiff «Open Arms» habe in der Nacht zum Freitag weitere 69 Migranten vor der libyschen Küste gerettet. Das Schiff habe nun 124 Menschen an Bord, nachdem am Donnerstag bereits 55 größtenteils aus Eritrea stammende Menschen von einem Leck geschlagenen Boot gerettet worden waren, teilte Camps mit. An Bord sind neben Schwangeren auch neun Monate alte Zwillinge. Die in der Nacht an Bord genommenen Migranten hätten deutliche Zeichen von in Libyen erlittener Gewalt.

Italien hatte auch diesem Schiff mitgeteilt, dass es nicht anlegen dürfe. Kapitän Marc Reig sagte dem spanischen Fernsehen, er habe sich an alle zuständigen Behörden in Libyen, Malta und Italien gewandt ohne eine Antwort zu erhalten. Das Schiff fährt unter spanischer Flagge.

Bald könnten zwei weitere Schiffe dazu kommen: Die «Ocean Viking» will von Marseille losfahren und bräuchte dann etwa zwei Tage ins Rettungsgebiet. Das Schiff kann rund 200 Menschen aufnehmen und ist das größte der Seenotretter im Mittelmeer. Die italienische NGO Mediterranea Saving Humans vermeldete zugleich, dass die Beschlagnahmung ihres Schiffs «Mare Jonio» aufgehoben wurde und sie zu einer neuen Mission aufbrechen wollten.

Italiens populistische Regierung weigert sich seit Amtsantritt vor mehr als einem Jahr, NGO-Schiffe anlegen zu lassen. Rom will nicht nur, dass die Migranten auf andere EU-Staaten verteilt werden. Die Regierung pocht auch darauf, dass die Schiffe nicht alle in italienischen Häfen anlegen. Die EU streitet seit langem um einen Verteilmechanismus - eine Lösung gibt es bisher nicht.

Stattdessen provozierte Salvini die Bundesregierung und warf ihr «Erpressung» vor. Berlin habe Italien vorgeschlagen, dass Deutschland 30 Migranten von dem italienischen Küstenwachenschiff «Gregoretti» übernehme, wenn im Gegenzug die 40 Migranten der «Alan Kurdi» in Italien aussteigen dürften, hatte er am Donnerstag erklärt.

Nach dpa-Informationen hat die Bundesregierung aber klar gemacht, dass sie sich auch an der Aufnahme von Migranten von der «Alan Kurdi» beteiligen will. Aus dem Bundesinnenministerium hieß es, Deutschland sei es ein Anliegen, Menschen vor dem Ertrinken zu retten und zu vermeiden, dass Schiffe tage- oder wochenlang vor den europäischen Häfen liegen, bevor sie anlegen dürfen».

Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, die Brüsseler Behörde vermittle auf der Suche nach einer Lösung für die Migranten an Bord der «Alan Kurdi» zwischen den EU-Staaten. Einige Länder hätten sich schon dazu bereit gezeigt, Migranten von dem Schiff aufzunehmen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
17:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Boote Bundesministerium des Innern Europäische Kommission Europäische Union Küstenwache Lampedusa Matteo Salvini Migranten Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Schiffe Säuglinge und Kleinkinder Twitter Ärzte ohne Grenzen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Seenotrettung

19.08.2019

Spanien bietet «Open Arms» Balearen als sicheren Hafen an

Spanien ist wütend auf Italien und die Seenotretter von Proactiva Open Arms. Die wiederum sind wütend auf Spanien, Italien und die EU. Das neue Gerangel um ein Rettungsschiff mit Migranten kennt nur Verlierer. Deutet sic... » mehr

«Open Arms»

16.08.2019

Berlin für neue staatliche Seenotrettung im Mittelmeer

Jede Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge im Mittelmeer durch private Schiffe wird inzwischen zur Hängepartie. Die Bundesregierung und die EU-Kommission finden das untragbar. Berlin wüsste einen Ausweg - wenn die anderen ... » mehr

Rettungsschiff «Open Arms»

09.08.2019

Neue Hängepartie: 121 Migranten harren vor Lampedusa aus

Der Streit um das Rettungsschiff «Open Arms» im Mittelmeer folgt einem bekannten Plot: Während aus Seenot Gerettete im Mittelmeer an Bord ausharren, streiten die EU-Staaten über ihre Aufnahme. Auch andere Schiffe haben M... » mehr

Oscar Camps

21.08.2019

Migranten gehen in Italien von Bord der «Open Arms»

Für Italiens Rechtspopulisten Salvini ist es nur auf den ersten Blick eine Niederlage. Die Migranten der «Open Arms» können nun doch gegen seinen Willen in Italien an Land. Doch es wartet das nächste Schiff. Welche Macht... » mehr

"Ocean Viking"

05.08.2019

Weg frei für härtere Strafen gegen Seenotretter in Italien

Italien erhöht den Druck auf die privaten Seenotretter immer weiter. Diese lassen sich nicht davon abhalten und bauen ihre Präsenz im Mittelmeer wieder aus. » mehr

Migration im Mittelmeer

15.09.2019

«Ocean Viking»: Flüchtlinge dürfen in Italien an Land

Rettungsschiffe mit Migranten mussten immer wieder lange auf dem Mittelmeer ausharren, bis EU-Staaten sich auf eine Verteilung der Menschen verständigt hatten. Um das zu ändern, würde Deutschland 25 Prozent der Gerettete... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Ilmenauer IKK-Klimawandel Ilmenau

Ilmenauer IKK-Klimawandel | 16.11.2019 Ilmenau
» 12 Bilder ansehen

Goldene Ziege Kids 2019 Suhl

Goldene Ziege für Kinder | 16.11.2019 Suhl
» 100 Bilder ansehen

weihnama1.jpg Himmelpfort

Weihnachtsbüro Himmelpforten | 15.11.2019 Himmelpfort
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
17:59 Uhr



^