Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Razzia gegen Rechtsextreme in Ostdeutschland

Die rechtsextreme Szene in Ostdeutschland ist gut vernetzt, als ein Schwerpunkt gilt Südbrandenburg. Nun startete die Polizei in vier Bundesländern eine Großrazzia - nicht allein gegen Hooligans.



Razzia in Cottbus
Ein Polizeifahrzeug steht in der Mühlenstraße in Cottbus.   Foto: Michael Helbig

Schlag gegen die rechtsextreme Szene in Ostdeutschland: Mit einer Großrazzia in vier Bundesländern hat die Polizei am Mittwoch versucht, Netzwerke aufzubrechen.

Schwerpunkt der Durchsuchungen in der Hooligan- und Kampfsportszene sowie in anderen rechtsextremen Gruppierungen war Brandenburg, insbesondere der Raum Cottbus, bestätigte die Polizei einen Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb). Insgesamt wurden mehr als 30 Objekte in Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen durchsucht, darunter Wohnungen, Gewerberäume und Büros.

Nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) waren 400 Polizisten an der Razzia beteiligt. Bei den Durchsuchungen seien die Ermittler auch fündig geworden, sagte er. Er gehe davon aus, dass die Auswertung der Ermittlungsergebnisse auch neue Erkenntnisse hinsichtlich der Vernetzung der Szene aus Kampfsport, Hooligans und Rechtsextremen bringen werde.

Der Verdacht lautet den Angaben zufolge auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Er richte sich gegen rund 20 Menschen. «Grundlage sind Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts Cottbus», sagte der Polizeisprecher. Federführend ist die Staatsanwaltschaft Cottbus.

Die zweitgrößte Stadt Brandenburgs sorgt mit ihrem rechtsextremistischen Potenzial, gewalttätigen Ausschreitungen und zeitweise aggressiver Stimmung immer wieder für Schlagzeilen. Der Verfassungsschutz bezeichnete den Raum Cottbus jüngst als «Hotspot» des Rechtsextremismus in Brandenburg. Der Referatsleiter Öffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Brandenburg, Heiko Homburg, spricht von rund 400 rechtsextremen Personen.

Es gebe sowohl den parteipolitischen Rechtsextremismus in Form der NPD als auch die Kampfsport-Szene, die unter starkem Einfluss rechtsextremistischer Strukturen stehe, sagt Homburg am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Er nannte aber auch den gewaltbereiten Fußball-Hooliganismus wie die Gruppierung Inferno Cottbus.

Nach Angaben des brandenburgischen Verfassungsschutzchefs Frank Nürnberger liegt die Zahl der Rechtsextremisten in Cottbus selbst bei rund 170 Personen. Die rechtsextreme Szene sei vielschichtig, sagte Nürnberger im Februar. Sie reiche vom Rockermilieu über die Türsteher-Szene bis hin zu Teilen des Security-Gewerbes.

Die rechtsextreme Szene versuche im Raum Cottbus auch ökonomisch Fuß zu fassen, ergänzte Homburg. Eine wirtschaftliche Grundlage für Mitglieder der Szene seien zum Beispiel Tattoo-Studios, Plattenlabel oder Shops, die rechte Modelabel oder Fitnesspräparate verkauften. Es gebe sehr deutliche Kontaktverhältnisse zwischen den Akteuren in den einzelnen rechtsextremistischen Milieus, so Homburg.

«Wir haben Probleme mit Rechtsextremismus und den Strukturen», sagte Jan Gloßmann, Sprecher der Stadt Cottbus, am Mittwoch. Zunächst sollten die Ergebnisse der Durchsuchungen ausgewertet werden. Der Cottbuser Landtagsabgeordnete der Linksfraktion, Matthias Loehr, spricht von einem Problem, das die Region Cottbus seit 30 Jahren habe. «Es gibt einen festen braunen Bodensatz», sagte er am Mittwoch. Die Stadt versuche zwar mit Netzwerken wie «Cottbus ist bunt» dagegen anzugehen. Sie schaue aber auch zu oft weg. Der Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion, Björn Lakenmacher, sagte: «Ich begrüße, dass der Rechtsstaat dort Flagge zeigt.»

Der Fußballverein FC Energie Cottbus bezeichnete in einer ersten Stellungnahme die Großrazzia als «gutes Signal». Nun werde sich zeigen, was bei den Ermittlungen herauskomme, sagte Präsident Werner Fahle. Dem Verein wird immer wieder vorgeworfen, nicht genügend gegen die zahlreichen rechtsextremen Energie-Fans zu tun und beispielsweise Ordner für die Heimspiele aus dem rechtsextremen Milieu zu rekrutieren. Die Ordner des Fußball-Drittligisten werden nun vom Verfassungsschutz überprüft.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 04. 2019
18:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Björn Lakenmacher CDU-Landtagsfraktion Deutsche Presseagentur Energie Cottbus Ermittler Gewalt Hooligans Karl Heinz Karl-Heinz Schröter Kriminelle Organisationen Matthias Loehr NPD Polizei Polizeisprecher Polizistinnen und Polizisten Rechtsextremisten Rundfunk Berlin-Brandenburg SPD Verbrechen und Kriminalität Verfassungsschutz Verfassungsschutzchefs
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Razzia gegen Rechtsextreme

11.04.2019

16 Verdächtige nach Razzia gegen Rechtsextreme

Nach der großangelegten Razzia gegen die rechtsextreme Szene in vier Bundesländern kann die Polizei umfangreiches Beweismaterial sicherstellen. Ergebnisse zeigt sie am Donnerstag in Potsdam. » mehr

AfD-Anhänger

22.11.2019

Urteil: NPD-Demo gegen kritische Journalisten ist zulässig

Weitere Schlappe für die Versammlungsbehörde in Hannover: Auch das Oberverwaltungsgericht hat das Verbot der für Samstag geplanten NPD-Demo gekippt. Juristisch gibt es nun noch eine Möglichkeit. » mehr

Durchsuchungen in fünf Bundesländern

19.11.2019

Großrazzia gegen illegale Geldtransfers ins Ausland

Um kriminell erworbenes Geld ins Ausland zu verschieben, sollen Straftäter heimliche Finanzwege genutzt haben. Bei einer Großrazzia suchen mehr als 850 Polizisten nach Beweisen. Es geht um einen dreistelligen Millionenbe... » mehr

Computerspiel

13.10.2019

Wirbel um Seehofer-Äußerungen zur Gamerszene

Der rechtsextreme Attentäter von Halle inszenierte seine Tat im Internet wie ein Videospiel. Online-Gameplattformen werden von Extremisten neben vielen anderen Kanälen auch zum Austausch genutzt. Der Innenminister äußert... » mehr

Kampf gegen Clan-Kriminalität

12.09.2019

Experten: Kampf gegen Clan-Kriminalität zeigt Wirkung

Kriminelle Clans leben abgeschottet in Parallelwelten. Lange sind Ermittler außen vor gewesen. Erst seit kurzem schlagen sie mehr zu. Das verstärkte Vorgehen bringt Erfolge - es gibt aber auch neue Warnungen. » mehr

7000 auf der Straße

23.11.2019

Hannover: Mehr als 7000 Menschen demonstrieren gegen Rechts

Rechtsextreme rufen zum Protest gegen kritische Journalisten in Hannover auf. Die Polizei scheitert mit einem Demo-Verbot vor Gericht. Der Gegenprotest stellt den NPD-Aufmarsch zahlenmäßig klar in den Schatten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall A73 bei Eisfeld Eisfeld

Unfall A73 bei Eisfeld | 15.12.2019 Eisfeld
» 6 Bilder ansehen

H.R. Eventzentrale - Birthday Party Einhausen

6 Jahre H.R. Eventzentrale | 14.12.2019 Einhausen
» 129 Bilder ansehen

Neues Löschfahrzeug in Crock Crock

Neues Löschfahrzeug Crock | 11.12.2019 Crock
» 5 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 04. 2019
18:12 Uhr



^