Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Brennpunkte

RKI: Kein Ende der Epidemie in Sicht

Mehr Geschäfte und Einrichtungen als bisher dürfen nach wochenlangen Schließungen in der Corona-Krise wieder öffnen. Ein Grund für die Rückkehr zum Alltag, wie man ihn kannte, ist das aber nicht, mahnt das Robert Koch-Institut.



Robert Koch-Institut
Lars Schaade spricht im fast leeren Hörsaal des Robert Koch-Instituts in Berlin.   Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa-Pool/dpa

Trotz der ersten Lockerungen in der Corona-Pandemie betont das Robert Koch-Institut (RKI) den Ernst der Lage. «Das Virus ist nicht weg», sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Dienstag in Berlin. «Es ist kein Ende der Epidemie in Sicht.

Die Fallzahlen können wieder steigen.» Die Situation sei immer noch ernst, auch wenn in Deutschland bei der Bekämpfung einiges erreicht worden sei.

«Die Fallzahlen müssen auf einem Level bleiben, mit dem das Gesundheitssystem umgehen kann», betonte Schaade. Am besten sei es, sie so weit wie möglich zu drücken. «Wenn die Fallzahlen in die Höhe schießen, kann das Gesundheitssystem immer noch sehr schnell überlastet werden. Dann können Patienten nicht mehr bestmöglich versorgt werden.» Die Folgen wären dann gravierend für alle Menschen in Deutschland, nicht nur zum Beispiel für Ärzte und Covid-19-Patienten. Dieses Szenario gelte es weiterhin zu verhindern.

Schaade rief die Menschen dazu auf, weiter den Empfehlungen zu folgen: Etwa möglichst viel zu Hause zu bleiben, Abstand von mindestens 1,5 Metern zu halten, viel die Hände zu waschen, in die Armbeuge zu niesen oder zu husten und zusätzlich, etwa in Geschäften oder im öffentlichen Nahverkehr, eine Maske über Mund und Nase zu tragen. Eine Maske allein sei kein sicherer Schutz, vor allem nicht für den Träger selbst, betonte Schaade. Textilbarrieren vor Mund und Nase sollen vor allem verhindern, dass man andere ansteckt, sollte man selbst infiziert sein.

Bis ein Impfstoff verfügbar sei, gelte es, sich so zu verhalten, dass Infektionen vermieden werden, betonte Schaade. Selbst wenn Deutschland keine Fälle mehr hätte, bleibe die Gefahr einer Wieder-Einschleppung. Die Maßnahmen auf gesellschaftlicher Ebene könnten immer weiter zurückgenommen oder ausgesetzt werden, wenn es irgendwann keine Fälle und keine lokale Virusvermehrung mehr gebe. Eine Bereitschaft zum Wieder-Hochfahren sei jedoch nötig, wenn es wieder zu Ausbrüchen kommen könnte. «Das werden wir ganz sicher eigentlich nur verhindern können, wenn wir einen Impfstoff haben.»

Die täglichen Anstiege der Fallzahlen sind laut Schaade inzwischen deutlich geringer als noch in der Vorwoche. Für die vergangenen Tage könnten aber noch Fälle nachgemeldet werden. Der Anteil der gestorbenen Infizierten stieg weiter auf nun 3,2 Prozent.

Die Reproduktionszahl habe am Montag bei etwa 0,9 gelegen: Das bedeutet dass im Mittel beinahe jeder Infizierte eine weitere Person ansteckt. Wie bei Fallzahlen gebe es auch hier große regionale Unterschiede. Die Reproduktionszahl lag in den vergangenen Tagen auch schon einmal etwas niedriger als 0,9. Allerdings unterliegt diese geschätzt Zahl laut RKI auch einer gewissen Unsicherheit.

Beide Werte sollen nach dem «ganz vernünftigen» Kompromiss von Bund und Ländern in einem «sicheren Bereich» bleiben, so Schaade. Die Reproduktionszahl lasse sich aber schwer steuern, schilderte er. «Eine Wegnahme von Maßnahmen kann eben auch leicht zu einem Überschießen der Reproduktionszahl führen.» Beim Gegensteuern könne es dann wieder mehrere Wochen dauern, bis man den Effekt bemerke.

Bei einer vorschnellen Rücknahme aller oder eines großen Teils kontaktbeschränkender Maßnahmen bestehe die grundsätzliche Gefahr einer zweiten Welle, sagte Schaade. Je weniger der Mensch das Virus durch das Verhalten daran hindere, von Mensch zu Mensch zu springen, desto eher verbreite es sich wieder. Die Reproduktionszahl steige dann wieder auf Werte zwischen zwei und drei. «Wenn wir alle weiter jetzt so tun, als ob das Problem überwunden wäre, werden wir wieder einen Ausbruch haben. Das ist ziemlich sicher.»

Alle könnten dazu beitragen, die Kurve flach zu halten, betonte Schaade. Er wisse, wie schwer es falle, sich an die Empfehlungen zu halten, und wie schwierig die Situation für manche Menschen sei: «Aber es gibt keine andere Möglichkeit», betonte Schaade. Gegen das neue Coronavirus und die Krankheit Covid-19 gibt es bisher weder einen vorbeugenden Impfstoff noch spezifische Medikamente.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 04. 2020
14:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Epidemien Gesundheitssystem Infektionskrankheiten Infektionspatienten Nahverkehr Patienten Robert-Koch-Institut
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Robert Koch-Institut

21.04.2020

RKI: Kein Ende der Epidemie in Sicht - Zahlen können wieder steigen

Mehr Geschäfte und Einrichtungen als bisher dürfen nach wochenlangen Schließungen in der Corona-Krise wieder öffnen. Ein Grund für die Rückkehr zum Alltag, wie man ihn kannte, ist das aber nicht, mahnt das Robert Koch-In... » mehr

Klinikum Schwabing

Aktualisiert am 28.02.2020

Bericht: Coronavirus-Fall in Franken ist Hautarzt

Bei dem neuen Coronavirus-Fall in Bayern handelt es sich nach einem Bericht der «Erlanger Nachrichten» (Freitag) um einen Hautarzt aus Erlangen. » mehr

Serenproben

02.06.2020

Immer weniger Corona-Patienten auf Intensivstationen

Die Intensivstationen deutscher Krankenhäuser behandeln immer weniger Patienten wegen der Lungenkrankheit Covid-19. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist bundesweit relativ niedrig. Der R-Wert ist wieder unter den kritisc... » mehr

Körpertemperatur-Scanner am Flughafen Narita

21.01.2020

Neues Virus in China: Erster Fall in USA nachgewiesen

Das neuartige Coronavirus in China ist offenbar weiter verbreitet als zunächst angenommen. Die Zahl der Nachweise steigt unaufhörlich, zudem werden weitere Tote gemeldet. Reisende könnten die Lungenkrankheit auch nach Eu... » mehr

Kapitol

12.04.2020

USA verzeichnen weltweit meiste Tote in Corona-Krise

Täglich häufen sich die tragischen Rekorde: Nun haben die USA Italien als das Land mit den höchsten absoluten Todeszahlen infolge der Corona-Pandemie abgelöst. Der Papst wendet sich indes mit einer besonderen Botschaft a... » mehr

"Bleibt gesund!"

17.04.2020

Corona-Ansteckungsrate in Deutschland deutlich gesunken

Die Reproduktionsrate gilt als eine wichtige Marke, um den Verlauf der Ansteckungswelle in Deutschland beurteilen zu können. Auch politische Entscheider blicken unter anderem auf diese Zahl. Nun wurde ein besonders niedr... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kellerbrand Benshausen Benshausen

Kellerbrand Benshausen | 03.07.2020 Benshausen
» 10 Bilder ansehen

Autokino Konzert mit der Band Die Letze Rettung Meiningen

Autokino Konzert | 27.06.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

AfD Treffen in Suhl Suhl

AfD Treffen in Suhl | 26.06.2020 Suhl
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 04. 2020
14:24 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.