Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Brennpunkte

Putin ruft bei Militärparade zum Kampf gegen Neonazismus auf

Mit einer riesigen Waffenschau feiert Russland den Sieg über Hitler-Deutschland vor 74 Jahren. Dabei mahnt Kremlchef Putin einmal mehr, die Verdienste der Sowjetunion um die Befreiung Europas nicht kleinzureden. Kritik an den Feiern in Russland kommt aus der Ukraine.



Wladimir Putin
Wladimir Putin spricht während der Militärparade, mit der an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert wird. Der 9. Mai wird als «Tag des Sieges» über Hitlerdeutschland gefeiert.   Foto: Alexander Zemlianichenko/AP » zu den Bildern

Kremlchef Wladimir Putin hat bei der Militärparade zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges zur internationalen Zusammenarbeit gegen Terrorismus und Neonazismus aufgerufen.

«Wir rufen alle Länder dazu auf, unsere gemeinsame Verantwortung anzuerkennen für die Gründung eines effektiven und für alle gleichen Sicherheitssystems», sagte er am Donnerstag in Moskau. Der russische Präsident nahm auf dem Roten Platz als Oberkommandierender der Atommacht die Parade zum 74. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland ab.

Mehr als 13.000 Soldaten marschierten über den Roten Platz. Im Anschluss gab es eine riesige Waffenschau. Panzer und Fahrzeuge mit Luftabwehrsystemen etwa vom Typ S-400 sowie Raketen unter anderem vom Typ Iskander zogen durch das Machtzentrum der russischen Hauptstadt. Eine Flugschau sagten die Luftstreitkräfte wegen schlechter Wetterverhältnisse ab.

Putin nannte in seiner Rede auch extremistisches Gedankengut als Gefahr. «Der kollektive Widerstand gegen Verfechter tödlicher Ideen hat heute wieder eine grundlegende Bedeutung», sagte er. Putin kritisierte, dass es heute Länder gebe, die die Ereignisse des Krieges bewusst verzerrten. Geehrt würden dort jene, die damals keine menschliche Würde gezeigt und mit den Nazis im Kampf gegen die Sowjetunion kollaboriert hätten. Er äußerte sich mit Blick auch auf die Ukraine, ohne sie namentlich zu nennen.

Dagegen warf der scheidende ukrainische Präsident Petro Poroschenko Russland vor, dass Kriegsandenken zu monopolisieren. «Im Unterschied zu Moskau werden wir nicht den gemeinsamen Sieg der Völker aller Länder der Anti-Hitler-Koalition privatisieren», sagte er in Kiew. Niemand habe das Recht, den Sieg für seine eigene imperiale Politik zu missbrauchen. Der designierte Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich ähnlich: «Der Beitrag der Ukrainer zum Sieg ist riesig.»

Selenskyj übernimmt das Amt nach der Wahlniederlage Poroschenkos. Angesichts des Krieges in der Ostukraine sagte Poroschenko, dass sein Land den Kampf für seine territoriale Unversehrtheit gewinnen werde. In Teilen der Gebiete Luhansk und Donezk kämpfen aus Russland unterstützte Separatisten gegen ukrainische Truppen. Mehr als 13.000 Menschen sind dort nach UN-Angaben bisher gestorben.

In Moskau waren die Sicherheitsvorkehrungen wegen des Aufgebots an militärischem Gerät extrem hoch. Hunderttausende Zuschauer verfolgten die Parade in der Stadt. Am Roten Platz unterhielt sich Putin auch mit mehr als 90 Jahre alten Kriegsveteranen. Zu den Ehrengästen der Festlichkeiten zählten auch der letzte sowjetische Präsident und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow sowie der frühere kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew.

Es sei sehr wichtig, dass die Erinnerungen an den Weltkrieg nicht verblassten, sagte der 95 Jahre alte Veteran Sergej Aleksandrowitsch nach der Parade. «Ich kann den Krieg einfach nicht vergessen. Ich erinnere mich jeden Tag daran.» Jedes Jahr komme er zu der Parade, die nach seinem Geschmack immer besser werde.

Auch in vielen anderen Städten Russlands gab es Militärparaden und Gedenkfeiern, darunter zahlreiche Märsche zur Erinnerung an die Kriegsteilnehmer. Millionen Menschen in Russland trugen Fotos ihrer Angehörigen, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis gekämpft hatten. Dem Innenministerium zufolge schlossen sich mehr als zehn Millionen Menschen an, meldete die Agentur Interfax. Es habe rund um den Jahrestag landesweit mehr als 18.000 Veranstaltungen gegeben.

«Es ist unsere heilige Pflicht, die echten Helden zu schützen», sagte Putin. Das russische Volk habe die Hauptlast bei der Befreiung der Völker Europas getragen, betonte er. In Berlin am Sowjetischen Ehrenmal gedachte der nationalistische russische Biker-Club «Nachtwölfe» der russischen Kriegstoten.

Der 9. Mai ist der wichtigste Feiertag des Landes. Er endet traditionell am Abend mit Feuerwerk. Russland feiert das Kriegsende damit einen Tag später als der Westen, weil 1945 die deutsche Kapitulation vor den Sowjettruppen in der Nacht vom 8. zum 9. Mai zu einer Zeit erfolgte, als in Moskau Mitternacht vorbei war. Die Sowjetunion verzeichnete im Kampf gegen den Faschismus mehr als 27 Millionen Tote und damit die mit Abstand größte Zahl der Opfer.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 05. 2019
19:28 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Das dritte Reich Faschismus Gedenkfeiern Interfax Kriegsende Kriegsveteranen Michail S. Gorbatschow Nationalsozialisten Nursultan Nasarbajew Opferzahlen Petro Poroschenko Präsidenten Russlands Ukrainische Staatspräsidenten Weltkriege Wladimir Wladimirowitsch Putin
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
«Tag des Sieges» in Russland

10.05.2020

Ex-Sowjetrepubliken feiern Sieg über Hitler

Wegen der Corona-Pandemie hat die Atommacht Russland ihren wichtigsten Feiertag zum Sieg über den Faschismus vergleichsweise ruhig begangen. In Belarus hingegen gab es die größte Militärparade weltweit. Und aus der Ukrai... » mehr

Probe

16.04.2020

Russland verschiebt große Militärparade zum Sieg über Hitler

Für Russland ist es das wichtigste politische Ereignis des Jahres. Nun musste Kremlchef Wladimir Putin die große Militärparade zum 75. Jahrestag des Sieges über Hitler am 9. Mai absagen. Kann sie trotz des Coronavirus no... » mehr

Ukraine Konflikt

02.10.2019

Hoffnungen auf neue Friedensgespräche im Ukraine-Konflikt

Seit Jahren herrscht Krieg im Osten der Ukraine. Nun gibt es eine Einigung für einen Sonderstatus. Damit wachsen die Hoffnungen auf neue Friedensgespräche. In Kiew selbst sehen das viele skeptisch. » mehr

75 Jahre Kriegsende

08.05.2020

Gedenken an Weltkriegsende vor 75 Jahren in vielen Städten

Berlin, Moskau, Paris, London - in vielen Hauptstädten wird am 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs der Millionen Opfer gedacht. Für Bundespräsident Steinmeier ergibt sich daraus eine besondere Verantwortung De... » mehr

Wladimir Putin

02.07.2020

Kremlchef Putin feiert neue Verfassung für Machterhalt

Die umstrittene neue russische Verfassung ist mit mehr als drei Viertel der Stimmen angenommen worden. Kremlchef Wladimir Putin kann mit dem «Sieg und Vertrauensbeweis» gestärkt weiter regieren - womöglich bis 2036. Es r... » mehr

Separatist

29.12.2019

Ostukraine: Kiew und Separatisten tauschen Gefangene aus

Die Gespräche waren zuletzt ins Stocken geraten. Doch nun haben die Ukraine und die prorussischen Separatisten erneut Gefangene ausgetauscht. Es ist ein Hoffnungsschimmer in dem Konflikt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsunfall Oberhof Oberhof

Unfall Oberhof | Oberhof
» 6 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Hildburghausen Hildburghausen

Verkehrsunfall Hildburghausen | 07.07.2020 Hildburghausen
» 11 Bilder ansehen

Motorradunfall Streufdorf Streufdorf

Motorradunfall Streufdorf | 04.07.2020 Streufdorf
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 05. 2019
19:28 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.