Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Proteste in Hongkong: Schuss auf Aktivisten schürt neue Wut

Erstmals ist bei den Protesten in Hongkong ein Demonstrant mit scharfer Munition verletzt worden. Der 18 Jahre alte Aktivist soll in einem «stabilen Zustand» sein. Mitstreiter sind entsetzt.



Tränengas gegen Demonstranten
Tränengasnebel in Hongkong: Trotz eines Verbots sind am chinesischen Nationalfeiertag Zehntausende für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße gegangen.   Foto: ---/kyodo/dpa » zu den Bildern

Nach einem Schuss auf einen jungen Demonstranten haben sich die Fronten zwischen der Hongkonger Demokratiebewegung und der Polizei weiter verhärtet.

Hunderte Demonstranten versammelten sich im Zentrum der chinesischen Sonderverwaltungszone, um gegen den Vorfall vom Vortrag zu protestieren. Auch in mehreren Schulen wurde zu Protestaktionen aufgerufen. Die Polizei sei «außer Kontrolle geraten», hieß es in einem Schreiben des pro-demokratischen Lagers, das die Gewalt der Beamten scharf verurteilte.

Der 18 Jahre alte Schüler war am Dienstag bei schweren Zusammenstößen von einem Polizisten angeschossen worden. Es war das erste Mal, dass ein Demonstrant in den seit Monaten anhaltenden Protesten von scharfer Munition verletzt wurde.

Der junge Mann sei in einem «stabilen Zustand», teilte die Krankenhausbehörde am Mittwoch mit. Wie die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» berichtete, wurde bei einer Operation ein Projektil aus seiner Brust entfernt.

Auf einem in sozialen Netzwerken geteilten Video war eine turbulente Kampfszene zwischen einer Gruppe von Demonstranten und Polizisten zu sehen. Der junge Mann ging mit einer Stange auf einen der Beamten los, daraufhin feuerte er aus nächster Nähe aus seinem Revolver. Der Demonstrant ging zu Boden.

Die Polizei teilte mit, sie bedauere, dass der Schüler verletzt worden sei. Der Beamte, der den Schuss abgab, fürchtete demnach um sein Leben und das seiner Kollegen. Der junge Demonstrant wurde offiziell wegen des Verdachts auf Angriff eines Polizeibeamten festgenommen, blieb aber im Krankenhaus.

Insgesamt wurden bei den schweren Protesten am Vortag 104 Menschen verletzt, wie die Krankenhausbehörde mitteilte. Zwei von ihnen waren demnach noch in einem kritischen Zustand.

Die Europäische Union reagierte besorgt auf die Eskalation der Gewalt und den Einsatz von Schusswaffen. Man bleibe dabei, dass nur Zurückhaltung, Deeskalation und Dialog weiterführten, erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Grundfreiheiten der Menschen in Hongkong müssten gewahrt werden, darunter die Versammlungsfreiheit. Diese Rechte müssten aber friedlich ausgeübt werden. Die EU messe dem hohen Grad von Autonomie Hongkongs große Bedeutung zu, fügte Mogherini hinzu.

Zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag der Volksrepublik China waren am Dienstag Zehntausende Demonstranten zunächst friedlich durch die Straßen der chinesischen Sonderverwaltungszone gezogen. Danach kam es an mehreren Orten in der Stadt zu schweren Ausschreitungen. Die Polizei verurteilte am Mittwoch in einer Mitteilung die Gewalt scharf. Demnach wurden 269 Demonstranten festgenommen.

Aktivisten hatten Straßen blockiert, warfen Pflastersteine, legten Feuer und warfen Brandsätze. Die Beamten setzen Tränengas, Schlagstöcke, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein.

Die Demonstranten fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei den seit fünf Monaten andauernden Protesten, einen Straferlass für die mehr als 1500 bisher Festgenommenen, eine Rücknahme der Einstufung ihrer Proteste als «Aufruhr» sowie freie Wahlen.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong mit einem eigenen Grundgesetz autonom regiert. Die Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 10. 2019
21:01 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beamte Demonstranten Federica Mogherini Krawalle Munition Polizei Polizeigewalt Polizistinnen und Polizisten Schusswaffen Sozialer oder politischer Protest Tränengas Wasserwerfer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Polizeieinsatz

25.12.2019

Chaos und Zusammenstöße überschatten Weihnachten in Hongkong

Selbst an Weihnachten kommt Hongkong nicht zur Ruhe. Protestaktionen und Vandalismus trüben die Feiertagsstimmung. Die Polizei geht mit einem Großaufgebot vor. Drohen an den Festtagen weitere Proteste? » mehr

Barrikaden

25.08.2019

Neue Zusammenstöße in Hongkong - Wasserwerfer auf der Straße

Fast zwei Wochen bleibt es friedlich auf Hongkongs Straßen. Doch am Wochenende kommt es erneut zu schweren Ausschreitungen. Regierungschefin Lam wird zu Kompromissbereitschaft aufgefordert. » mehr

Protest in Venezuela

11.03.2020

Venezuela: Sicherheitskräfte gehen gegen Demonstranten vor

Der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaidó hat erstmals seit seiner Rückkehr aus dem Ausland wieder zu einem Protest aufgerufen. Zur Nationalversammlung dringen seine Unterstützer nicht vor. Die Polizei blockiert d... » mehr

Zusammenstöße vor Polytechnischer Universität

18.11.2019

Blamage für Hongkonger Regierung: Vermummungsverbot gekippt

Die Lage in Hongkong eskaliert. Nach schweren Ausschreitungen belagert die Polizei eine Universität. Vor Gericht erleidet die Regierung einen Rückschlag. Auch die Wahlen stehen auf dem Spiel. » mehr

Tränengaseinsatz

02.11.2019

Dutzende Festnahmen nach neuen Ausschreitungen in Hongkong

Die Atmosphäre in Hongkong ist aufgeheizt. Seit 22 Wochenenden in Folge wird demonstriert. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein. Aktivisten attackieren erstmals Chinas Staatsagentur Xinhua. » mehr

Wurfgeschoss

29.09.2019

Neue Proteste in Hongkong

Tausende Hongkonger demonstrieren friedlich, aber am Rande eskaliert die Gewalt. Die Polizei greift schnell ein. Was wird erst am Dienstag passieren, wenn die Volksrepublik China ihren 70. Geburtstag feiert? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 10. 2019
21:01 Uhr



^