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Papst gedenkt Holocaust-Opfern und warnt vor Antisemitismus

Der Papst gedenkt in Litauen der Opfer von Nazi- und Sowjetherrschaft und warnt vor aufkeimenden Antisemitismus. Seine Worte haben eine hochaktuelle Bedeutung. Begleitet wurde der Baltikum-Besuch allerdings von einem Ereignis in China.



Papst Franziskus
Papst Franziskus spricht in Vilnius.   Foto: Andrew Medichini/AP » zu den Bildern

Papst Franziskus hat beim Gedenken an Holocaust-Opfer in Litauen vor dem «Sirenengesang» von neuen Nationalisten und Populisten gewarnt.

Bei einem Gedenken im jüdischen Ghetto der Hauptstadt Vilnius legte der Pontifex Blumen nieder und verharrte im stillen Gebet.

«Vor fünfundsiebzig Jahren erlebte diese Nation die endgültige Zerstörung des Ghettos von Vilnius; in diesem Ereignis gipfelte die Vernichtung Tausender von Juden», sagte der Pontifex zuvor bei einer Messe in der Stadt Kaunas. Er mahnte, «rechtzeitig ein neues Aufkeimen solch verderblicher Haltung» zu erkennen und von allem, «was die Herzen der Generationen verführt, die diese Zeit nicht erlebt haben und die manchmal versucht sind, solchem Sirenengesang nachzulaufen».

Vor genau 75 Jahren - am 23. September 1943 - hatten die deutschen Besatzer das letzte der beiden jüdischen Ghettos in der Altstadt von Vilnius geräumt. Die Bewohner, die nicht schon zuvor in nationalsozialistische Vernichtungslager transportiert worden waren, wurden deportiert oder erschossen. Während der deutschen Besatzung zwischen 1941 und 1944 ermordeten die Nationalsozialisten und die einheimischen Helfer mehr als 90 Prozent aller damals rund 200.000 in Litauen lebenden Juden.

Anschließend besuchte der Pontifex das Museum in der ehemaligen Zentrale des Geheimdienstes KGB, das zeitweise auch die Gestapo und der NS-Geheimdienst SD nutzte. Dabei besichtigte das Katholiken-Oberhaupt Folterzellen und den Exekutionsraum. Begleitet wurde der Papst vom Priester Sigitas Tamkevicius, der selbst in dem Gebäude einsaß und in Litauen als eine Symbolfigur für den kirchlichen Widerstand gegen die Sowjet-Herrschaft gilt.

«Litauer und Menschen verschiedener Nationen haben am eigenen Leib den Größenwahn derer erlitten, die sich anmaßten, alles zu kontrollieren», hieß es in seinem Gebet. «Möge dein Schrei, Herr, uns von der geistigen Krankheit befreien, vor der wir als Volk nie sicher sind: unsere Väter, das Erlebte und Erlittene zu vergessen.» Die Menschen sollten nicht «den vereinfachenden Parolen» verfallen.

Am Montag reist Franziskus weiter nach Lettland. Mit einem Besuch in Estland endet die Reise am Dienstag.

Begleitete wurde der Besuch im Baltikum allerdings von einem vollkommen anderen Ereignis. Der Vatikan schloss nach jahrzehntelangem Streit mit China ein historisches Abkommen zur Ernennung von Bischöfen. Das vorläufige Abkommen solle die Zusammenarbeit mit Peking verbessern und die gespaltene katholische Kirche in dem kommunistischen Land einen, teilte der Vatikan am Samstag mit. Die Annäherung stieß allerdings auf scharfe Kritik auch aus der katholischen Kirche.

Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Der Papst durfte noch nie zu einem Besuch nach China reisen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
23. 09. 2018
18:06 Uhr

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23. 09. 2018
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