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Nur gut ein Drittel der nagelneuen Puma-Panzer einsatzbereit

Warum funktionieren so viele Fahr- und Flugzeuge der Bundeswehr nicht? Ist es Altersschwäche? Muss man einfach nur Jahrzehnte alte Geräte austauschen? Eine neue Statistik zeigt, dass das alleine auch keine Lösung ist.



Schützenpanzer Puma
Zwei Schützenpanzer Puma auf dem Erprobungsgelände des Unternehmens Rheinmetall in der Lüneburger Heide.   Foto: Holger Hollemann » zu den Bildern

Selbst bei nagelneuen Panzern, Kampfjets und Hubschraubern der Bundeswehr lässt die Einsatzbereitschaft zu wünschen übrig.

Von den 97 im Jahr 2017 an die Truppe ausgelieferten Exemplaren fünf wichtiger Hauptwaffensysteme konnten nach einer Aufstellung des Verteidigungsministeriums zum Stichtag 25. Oktober nur 38 genutzt werden. Das entspricht einer Quote von 39 Prozent. Ziel der Bundeswehr ist es, 70 Prozent ihrer Waffensysteme für den Einsatz bereit zu halten.

Dem Ministerium machen vor allem das Transportflugzeug A400M und der Schützenpanzer Puma Sorgen. Hier sei die Qualität bei Auslieferung «weiterhin steigerungsfähig», heißt es in einer Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Peter Tauber auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Hier sehen wir nach wie vor die Industrie in der Pflicht, die vereinbarten Leistungen schnellstmöglich zu erfüllen.»

Von den 71 im vergangenen Jahr ausgelieferten Puma-Panzern sind 27 einsatzbereit, von den acht A400M die Hälfte. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) räumte ein, dass es hier Nachbesserungsbedarf gebe. «Da wissen wir, dass es gewisse Mängel gibt», sagte sie. Es sei dennoch wichtig, dass die Waffensysteme schon da seien, um Training und Ausbildung zu ermöglichen.

Für von der Leyen kommt die Statistik zu einem undankbaren Zeitpunkt ans Licht der Öffentlichkeit. Die CDU-Politiker war am Mittwoch zu einem Truppenbesuch in Norwegen, wo sich die Bundeswehr derzeit mit mehr als 8000 Soldaten am größten Nato-Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges beteiligt.

Von der Leyen hätte damit eigentlich positive Schlagzeilen machen können. Für das Manöver sei es gelungen, die deutschen Soldaten perfekt auszustatten, berichtet Brigadegeneral Michael Matz vor Ort. Das Material habe teilweise zwar von daheim gebliebenen Einheiten ausgeliehen werden müssen. Unter dem Strich zähle aber, dass die Truppe bei solchen Manövern einsatzbereit sei.

Die Anfälligkeit der nagelneuen Großgeräte hängt damit zusammen, dass es sich um Neuentwicklungen mit hochkomplizierter Technik handelt und die Zahl potenzieller Fehlerquellen dementsprechend hoch ist. Außerdem legt die Bundeswehr die Latte bei ihren Anforderungen in der Regel sehr hoch.

Damit sich die Soldaten möglichst früh an neue Waffensysteme gewöhnen können, werden die ersten Exemplare teilweise ausgeliefert, bevor sie voll ausgereift sind. Beim Puma-Panzer wird die volle Einsatzreife beispielsweise nicht vor 2024 erwartet.

Auch von den 2017 ausgelieferten Hubschraubern ist der kleinere Teil einsatzbereit: Von sieben «Tiger»-Kampfhubschraubern sind es zwei, von sieben «NH90»-Transporthubschraubern vier. Von den vier neuen «Eurofighter»-Kampfjets konnte zum Stichtag nur einer genutzt werden, weil neue Hauptrechner eingebaut werden mussten. Laut von der Leyen können inzwischen aber alle vier wieder genutzt werden. Das zeige, dass Stichtagsmessungen nicht besonders aussagekräftig seien, sagte sie.

Die Einsatzbereitschaft bei den neuen Hubschraubern, Kampfjets und Schützenpanzern liegt deutlich unter dem Durchschnitt aller gut 5000 Exemplare der 53 Hauptwaffensysteme, die der Bundeswehr zur Verfügung stehen. Aus dem letzten Prüfbericht vom Februar 2018 geht hervor, dass davon insgesamt deutlich mehr als die Hälfte eingesetzt werden können.

Allerdings liegen die jetzt untersuchten fünf Systeme teils deutlich unter dem Durchschnitt: Bei den Eurofightern wird die Einsatzbereitschaft in dem Bericht mit 48 Prozent angegeben, beim Puma-Panzer mit 43 Prozent, beim A400M mit 38 Prozent, beim NH90 mit 35 Prozent und beim Tiger mit 31 Prozent.

Von der Leyen (CDU) hat sich eine deutliche Verbesserung der Einsatzbereitschaft des Bundeswehr-Materials zum Ziel gesetzt. Nach Ansicht des Linken-Politikers Höhn wird die CDU-Politikerin ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht. «Brandneues militärisches Gerät direkt aus den Produktionshallen der Rüstungsindustrie funktioniert auch nicht», sagt er. «Es ist ein Skandal, wenn Frau von der Leyen diesen milliardenteuren Pfusch der Rüstungsindustrie auf Kosten der Steuerzahler zulässt.»

Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte, die Quote bei der Einsatzbereitschaft neuer Geräte sei ein «Unding». «Es zeigt, dass die deutsche Industrie stark in der Pflicht steht», sagte sie.

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dpa

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Veröffentlicht am:
31. 10. 2018
17:57 Uhr

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