Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Neue Eckpunkte für Organspende ohne «Widerspruchslösung»

Weil es in Deutschland zu wenig Spenderorgane gibt, sollen die Regeln geändert werden, nach denen jemand Spender wird. Durchsetzen könnte sich ein Vorschlag, der Erwachsene dazu zwingt, sich wenigstens mit dem Thema auseinanderzusetzen - aber nicht, sich zu entscheiden.



Organspende-Ausweis
Organspendeausweise im Scheckkartenformat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung .   Foto: David-Wolfgang Ebener

Auf dem Weg zu einer Neuregelung für die Zustimmung zur Organspende haben Bundestagsabgeordnete parteiübergreifend Eckpunkte beim Gesundheitsministerium eingereicht.

Sie schlagen vor, dass die Bereitschaft zur Organspende künftig abgefragt wird, wenn jemand einen Ausweis oder Reisepass abholt. Ausführliche Informationen und die Möglichkeit für ein Info-Gespräch bekommen die Bürger schon, wenn sie den Ausweis beantragen. Beim Abholen müssen sie dann entscheiden, ob sie zur Organspende bereit sind oder ob sie die Entscheidung verschieben. Die Eckpunkte liegen der Deutschen Presse-Agentur und der «Welt» vor.

Führende Mitglieder der Gruppe gehen davon aus, dass der Vorschlag im Bundestag eine Mehrheit finden wird. Vertreten sind demnach Politiker aller Bundestagsfraktionen außer der AfD. Für das Modell hatte unter anderem Grünen-Chefin Annalena Baerbock prominent geworben. Der Vorschlag sieht weiter vor, dass Bürger persönliche Zugangsdaten bekommen, über die sie ihre Entscheidung jederzeit ändern können.

Die Debatte hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angestoßen, indem er vorgeschlagen hatte, jeder solle als Spender gelten, der nicht aktiv widerspricht. Er warb für diese «doppelte Widerspruchslösung» angesichts von rund 10.000 Menschen, die auf Organe warten. Bisher ist es umgekehrt: Organentnahmen sind nur bei ausdrücklich erklärtem Ja erlaubt. Es gibt auch keine Pflicht, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Eine Reform ist für das kommende Jahr geplant.

Aller Aufklärung zum Trotz gehen die Organspende-Zahlen seit 2012 herunter und sanken 2017 auf einen Tiefpunkt von 797 Spendern. Für dieses Jahr zeichnet sich immerhin wieder ein Anstieg ab - bis Mitte November gab es schon 832 Spender.

Dem Vorschlag der Abgeordneten zufolge, die nun auf einen Gesetzentwurf aus dem Gesundheitsministerium warten, soll jeder beim Beantragen des Ausweises «ausführliche und unabhängige Informationen» von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ausgehändigt bekommen. Wer will, kann sich persönlich oder telefonisch beraten lassen. Beim Abholen des Ausweises sollen die Bürger an einem Gerät vor Ort eintragen, ob sie alle oder bestimmte Organe spenden möchten oder ob sie jetzt nicht entscheiden wollen - oder wer im Falle eines Unglücks entscheiden soll.

Wenn die Person Organspender sein möchte oder Angehörige darüber entscheiden sollen, werden die Daten an das zentrale Organspenderegister übermittelt. Alle bekommen Zugangsdaten mit einer persönlichen Pin-Nummer, über die sie jederzeit die Entscheidung ändern oder nachholen können. Diese Zugangsdaten sind dann bis zur nächsten Ausweisbeantragung gültig, also zehn Jahre lang.

In Grundzügen entspricht das einem Vorschlag von Parlamentariern um Grünen-Chefin Baerbock und Linke-Chefin Katja Kipping, der bereits bei einer großen Bundestagsdebatte Ende November viele Unterstützer hatte. Da die Frage ethisch sensibel ist, sprechen und handeln die Politiker unabhängig von ihren Parteien und Fraktionen.

Baerbock sagte der «Welt» und der dpa, es sei nun gelungen, «einen mehrheitsfähigen Konsens über Fraktionsgrenzen hinweg zu formulieren». Darauf aufbauend werde ein Gesetzentwurf folgen. «Jeder Erwachsene muss spätestens alle zehn Jahre seinen Personalausweis oder Reisepass erneuern. Spätestens hier wird jede Person über ihre grundsätzliche Organspendebereitschaft befragt.» Neben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollten auch Hausärzte beraten und dies abrechnen können. In der ärztlichen Ausbildung solle das Thema gestärkt werden.

Die Grünen-Vorsitzende sagte, wenn eine Person verunglücke, ließe sich auf diese Weise «leicht, rechtssicher und schnell» von einem durch das jeweilige Krankenhaus benannten Arzt im zentralen Organspenderegister erfragen, ob Organe entnommen werden dürfen oder ob Angehörige dies entscheiden sollen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 12. 2018
19:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alternative für Deutschland Annalena Baerbock Aufklärung Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung CDU Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Gesundheitliche Aufklärung Jens Spahn Katja Kipping Organspenden Reisepässe Spenderinnen und Spender
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Jens Spahn

16.01.2020

Bundestag beschließt moderate Organspende-Reform

Aufwühlende Debatte im Bundestag: Zwar kassierten die Befürworter einer weitreichenden Umstellung bei der Organspende eine Niederlage. Es kommen aber Neuregelungen, die mehr Schwerkranken helfen sollen. » mehr

Transplantationszentrum am Uniklinikum Leipzig

12.01.2020

Bürger sehen Organspenden generell positiv

Es ist eine sensible Frage: Würde man nach dem Tod Organe spenden, um Schwerkranken zu helfen? Ganz allgemein finden das viele gut - aber auch ganz konkret? Einstellungen dazu gehen teilweise auseinander. » mehr

Protest

14.09.2020

Moria: Merkel unterstützt neues Aufnahmezentrum

Es geht nicht um Zahlen für die Aufnahme von Flüchtlingen, es geht um ein Gesamtkonzept, sagt Kanzlerin Merkel. Sie setzt auf eine Europäisierung der Migrationspolitik. Doch wann kommt die? » mehr

Leichter Rückgang bei Organspenden

13.01.2020

Leichter Rückgang bei Organspenden im Jahr 2019

Kurz bevor der Bundestag über die von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagene Widerspruchslösung zu Organspenden debattiert, gibt es neue Zahlen. Demnach gab es im vergangenen Jahr etwas weniger Spender als zuvor. » mehr

Olaf Scholz

16.08.2020

SPD im Umfragehoch nach Scholz-Nominierung

Die SPD scheint mit dem Kanzlerkandidaten Scholz an Zustimmung zu gewinnen. Allerdings startet sie aus einem Dauertief, so dass es für eine Mitte-Links-Mehrheit bis auf weiteres nicht reicht. Es gibt auch warnende Stimme... » mehr

Merkel und Macron

11.09.2020

Merkel und Macron: Nehmen minderjährige Flüchtlinge auf

Nach dem Großbrand im Flüchtlingslager auf Lesbos durften Hunderte Minderjährige die Insel verlassen. Deutschland und Frankreich wollen sie zusammen mit anderen Staaten aufnehmen. Für Griechenland steht unterdessen fest:... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hildburghausen leuchtet Hildburghausen

Hildburghausen leuchtet | 25.09.2020 Hildburghausen
» 26 Bilder ansehen

Unfall ICE Schafe Schalkau Tunnel Müß

ICE rammt Schafherde | 23.09.2020 Schalkau Tunnel Müß
» 14 Bilder ansehen

2020-09-22

Feuerwehr-Übung Ilmenau | 22.09.2020
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 12. 2018
19:59 Uhr



^