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Brennpunkte

Nach Klimagipfel: Appelle zu verstärkten Anstrengungen

Die Enttäuschung über das dürre Ergebnis der Weltklimakonferenz ist groß. Doch dürfe man jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, sagen Politiker und Klimaexperten.



Abschlussplenum
Carolina Schmidt aus Chile, Präsidentin des Klimagipfels, spricht vor dem Abschlussplenum der UN-Klimakonferenz (COP25).   Foto: Lu Yang/XinHua/dpa

Nach dem mageren Kompromiss auf der Weltklimakonferenz in Madrid fordern deutsche Politiker, im Kampf gegen die Erderwärmung nicht nachzulassen. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter mahnte, Deutschland müsse jetzt erst recht eine Vorreiterrolle einnehmen. Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif plädierte für eine «Koalition der Willigen», die nun vorangehen sollte. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sieht die G20 am Zug.

Nach zweiwöchigen Verhandlungen und zwei Tagen Verlängerung hatte der Gipfel (COP25) am Sonntag ohne nennenswerte Fortschritte im Kampf gegen die Erderwärmung geendet. Man einigte sich in Madrid zwar darauf, alle knapp 200 Staaten an ihre Zusage zu erinnern, 2020 ihre Klimaschutzziele für 2030 nach Möglichkeit zu verschärfen. Die wichtige Debatte zu Regeln für den Handel mit Klimaschutz-Gutschriften wurde aber auf das nächste Jahr vertagt. Auch der Ruf nach mehr Ehrgeiz beim Einsparen von Treibhausgasen fiel in der Abschlusserklärung nicht so deutlich aus, wie Klimaschützer und auch viele der Staaten am Verhandlungstisch sich das gewünscht hätten.

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer zeigte sich enttäuscht über die Ergebnisse und auch von Deutschland. Der Jugendbewegung Fridays for Future und anderen Klimaschützern sei offensichtlich nicht zugehört worden, sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben ein Jahr lang alles gegeben, um den Stand der Wissenschaft und die Bereitschaft der Menschen auf die Straße zu tragen. Es stellt sich die ernsthafte Frage, was wir denn noch machen sollen.» Neubauer ist eines der führenden Mitglieder von Fridays for Future und war in Madrid gemeinsam mit der Schwedin Greta Thunberg aufgetreten.

Irritiert sei sie aber weniger von Staaten wie den USA und Brasilien, die bei den Verhandlungen gebremst hätten, sagte Neubauer - sondern von Staaten wie Deutschland, aber auch der EU, deren Job es gewesen wäre, «zu beweisen, dass sie verstanden haben, dass sie diese Tage in der Verantwortung stehen, internationalen Klimaschutz voranzubringen, trotz und wegen aller bekannten Schwierigkeiten.»

Grünen-Fraktionschef Hofreiter sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag): «Gerade weil die Ergebnisse des Klimagipfels enttäuschend sind, muss Deutschland jetzt erst recht eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen.» Die Grünen-Klimaexpertin Lisa Badum sagte der «Welt», Deutschland dürfe sich von Bremser-Staaten nicht lähmen lassen. Nun müssten sich die Vorreiter-Staaten zusammenschließen und zeigen, dass es auch anders gehe. Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte dagegen der «Rheinischen Post» (Montag), leider könne Deutschland die internationale Vorreiterrolle nicht einnehmen, weil die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung angesichts ihrer verfehlten Klimaziele beschädigt sei.

Der Klimaforscher Latif plädierte für eine «Koalition der Willigen», um Blockaden bei den UN-Klimaverhandlungen zu überwinden. Latif schlug vor, dass sich die EU, deren Vorhaben zur Klimaneutralität bis 2050 er lobte, Partner wie China suchen. In einem solchen Vorgehen steckten auch enorme wirtschaftliche Chancen. «Wenn sich die ökonomischen Hoffnungen erfüllen, dann werden auch die Blockiererländer wieder offen für Klimaschutz sein», sagte Latif der «Frankfurter Rundschau» (Montag). Der FDP-Klimaexperte Lukas Köhler sagte der «Welt», es müsse weiter miteinander geredet werden.

Enttäuscht über den Ausgang des Gipfels zeigte sich auch die Linke. Parteichefin Katja Kipping sprach in der «Welt» von einer «Schande». Die neue Fraktionschefin Amira Mohamed Ali sagte der «Welt», es sei «erschreckend», dass die Interessen der «Reichen und Mächtigen», mit einem klimaschädlichen Wirtschaftssystem weiter ungestört Profit zu machen, offenbar immer noch wichtiger seien, als das Interesse der Allgemeinheit nach einem intakten Planeten.

Entwicklungsminister Müller räumte ein: «Madrid war enttäuschend». Dennoch müsse gehandelt werden, etwa zur Einlösung des 100-Milliarden-Versprechens der Industrieländer zur Finanzierung der Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsstaaten ab 2020. «Die G20 Staaten sind in der Verpflichtung zu handeln und müssen dazu nicht auf die nächste COP warten», mahnte der CSU-Politiker in Berlin.

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dpa

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Veröffentlicht am:
16. 12. 2019
07:08 Uhr

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16. 12. 2019
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