Lade Login-Box.
Corona Newsletter Gemeinsam handeln
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

Brennpunkte

Nach Dammbruch: Anklage gegen Bergbaukonzern und TÜV Süd

Vor einem Jahr kamen bei einem Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien 270 Menschen ums Leben. Die TÜV-Prüfer hatten kurz zuvor noch die Sicherheit des Rückhaltebeckens bestätigt. Jetzt will die Staatsanwaltschaft sie zur Rechenschaft ziehen. Der Vorwurf: Mord.



Dammbruch in Brasilien
Das Logo der brasilianischen Tochter des TÜV Süd hängt am Eingang des Firmensitzes. Beim Dammbruch waren am 25. Januar 2019 270 Menschen ums Leben gekommen.   Foto: Andre Lucas/dpa

Kurz vor dem Jahrestag des Dammbruchs in Brumadinho hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den brasilianischen Bergbaukonzern Vale und die Tochterfirma des deutschen Prüfunternehmens TÜV Süd sowie 16 Mitarbeiter der beiden Firmen erhoben.

Den Mitarbeitern von Vale und TÜV Süd Bureau de Projetos e Consultoria Ltda. werde Mord in 270 Fällen vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Minas Gerais mit. Die beiden Unternehmen werden zudem wegen Verbrechen gegen die Flora und die Fauna sowie wegen Umweltverschmutzung angeklagt.

Der Damm an der Mine Córrego do Feijão war am 25. Januar 2019 gebrochen. Eine Schlammlawine rollte über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen nahe der Ortschaft Brumadinho hinweg und begrub Menschen, Häuser und Tiere unter sich. Mindestens 259 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Nach weiteren elf Vermissten wird noch immer gesucht.

Das brasilianische Tochterunternehmen des deutschen TÜV Süd hatte kurz vor dem Dammbruch die Rückhaltebecken geprüft und für sicher befunden. «TÜV Süd hat unverändert großes Interesse an der Aufklärung der Unglücksursache und bietet im Rahmen der laufenden Ermittlungen den Behörden und Institutionen in Brasilien und Deutschland weiterhin seine Kooperation an», hieß es in einer Erklärung Anfang dieser Woche auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass Vale und TÜV Süd eng zusammenarbeiteten, um die inakzeptable Sicherheitslage mehrerer Dämme vor den Behörden, der Gesellschaft, den Aktionären und den Investoren zu verbergen, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. TÜV Süd habe Vale dabei geholfen, sein Image als sicheres Bergbauunternehmen zu pflegen, um seine Reputation und seinen Marktwert nicht zu gefährden.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wurde das Sicherheitszertifikat ausgestellt, obwohl dem TÜV der schlechte Zustand der Anlage und das Risiko bewusst waren. Ein verantwortlicher Prüfer hatte in Vernehmungen erklärt, sich von Vertretern des Minenbetreibers Vale unter Druck gesetzt gefühlt zu haben.

Die Anwälte von drei angeklagten Mitarbeitern von TÜV Süd wiesen die Vorwürfe zurück. Die Anklage enthalte grobe Fehler und interpretiere die Beweise völlig falsch, zitierte die Zeitung «Folha de S. Paulo» aus einem Schreiben der Verteidiger. Vor allem der Mordvorwurf sei überzogen und widerspreche den einfachsten Regeln des Strafrechts.

Die Behörden in Brasilien standen auch mit Blick auf den ersten Jahrestag des Unglücks am Samstag unter großem Druck, tätig zu werden. Mitglieder des «Movimento dos Atingidos por Barragens» (MAB, Bewegung der von Staudamm Betroffenen) sind derzeit auf einem Protestmarsch von Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, ins 300 Kilometer entfernte Brumadinho, wo es zu dem Dammbruch gekommen war. Sie protestieren gegen Langsamkeit der Justiz und Verantwortungslosigkeit von Vale.

Am Samstag wollen sie in Brumadinho ankommen. Für diesen Tag haben verschiedene Organisationen weitere Aktionen geplant. «Das wird ein Moment des Kampfes sein», sagte Rodrigo Vieira, Koordinator der Caritas in Minas Gerais, der Deutschen Presse-Agentur. «Es muss Gerechtigkeit geben.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 01. 2020
04:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktionäre Anklage Bergbaukonzerne Bergbauunternehmen Caritas Debakel Deutsche Presseagentur Ermittlungen Sicherheitslage Staatsanwaltschaft TÜV Unglücksursachen Öffentliche Behörden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Generalstaatsanwaltschaft Berlin

27.01.2020

Über 100 rechtsextreme Drohmails: Anklage gegen 31-Jährigen

Über Monate kommen Mails mit rechtem Inhalt in ganz Deutschland an. Der wahre Absender ist zunächst nicht zu erkennen. Deutlich wird aber, dass Angst verbreitet werden soll. » mehr

Zug entgleist

06.02.2020

Bei Tempo 290: Schweres Zugunglück in Italien

Früh am Morgen entgleist ein Hochgeschwindigkeitszug in der Lombardei. Zwei Menschen sterben, viele werden verletzt. Die Lok liegt weit entfernt vom restlichen Zug. Wie konnte das passieren? » mehr

Partyzug in Greven gestoppt

02.11.2019

Zweijährige von Whiskyflasche am Kopf getroffen

Eine Glasflasche trifft ein kleines Mädchen im Bahnhof Kamen lebensgefährlich am Kopf. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie aus einem durchfahrenden Partyzug geworfen wurde. Wer war es? » mehr

Galápagos-Inseln

23.12.2019

Schiffsunfall bei Galápagos-Inseln: Weltnaturerbe bedroht

Beim Verladen eines Containers kommt es an einer Mole zum Unglück: Der Kran stürzt um und das Schiff sinkt. Der austretende Kraftstoff könnte die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt auf der Inselgruppe gefährden. Einsatz... » mehr

Enver Altayli

22.01.2020

Fall Altayli: Anklage nach über zwei Jahren U-Haft in Türkei

Lange saß der deutsch-türkische Autor und Ex-Geheimdienstmitarbeiter Enver Altayli in türkischer Einzelhaft - ohne dass ganz klar war, was ihm überhaupt vorgeworfen wird. Nun liegt eine Anklageschrift vor. Kommt der Fall... » mehr

Jamal Khashoggi

25.03.2020

Nach Khashoggi-Mord: 20 Verdächtige in Istanbul angeklagt

Der Mord am saudischen Journalisten Khashoggi in Istanbul war nach Darstellung Riads nicht geplant. Die türkische Staatsanwaltschaft kommt nun zu einem anderen Schluss. Hauptverdächtig sind aus deren Sicht zwei Vertraute... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Ilmenauer Straße Suhl Suhl

Unfall Suhl | 08.04.2020 Suhl
» 5 Bilder ansehen

Pkw Unfall Meiningen Meiningen

Pkw Unfall Meiningen | 07.04.2020 Meiningen
» 3 Bilder ansehen

Motorradunfall Schleusingerneundorf Schleusingerneundorf

Motorradunfall Schleusingerneuendorf | 06.04.2020 Schleusingerneundorf
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 01. 2020
04:29 Uhr



^