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Mutmaßliche Kim-Attentäterin entgeht Todesstrafe

Der Mord am Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un war eines der spektakulärsten politischen Attentate der vergangenen Jahre. Völlig überraschend kommt eine der beiden angeklagten Frauen nun frei. Bleibt die Tat auf ewig ungesühnt?



Siti Aisyah
Siti Aisyah lächelt, während sie das Gericht verlässt. Ihr drohte die Todesstrafe. Foto: Yam G-Jun/AP   Foto: dpa

Morgens wurde Siti Aisyah noch wie eine Schwerverbrecherin ins Gericht geführt: kugelsichere Weste, die Hände in Handschellen, begleitet von einem Dutzend maskierter Polizisten.

Ihr drohte die Todesstrafe. Keine Stunde später verließ die Indonesierin das Justizgebäude von Shah Alam nahe Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur als freie Frau, mit einem Lächeln im Gesicht.

Der Prozess wegen des Giftmords am Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un, Kim Jong Nam, hat am Montag eine völlig unerwartete Wendung genommen. Statt mit dem Verhör der beiden Angeklagten zu beginnen - neben Aisyah noch die Vietnamesin Doan Thi Huong (30) -, ließ das Gericht die Anklage gegen die Indonesierin fallen. Die 27-Jährige darf in ihre Heimat zurück.

Über die Gründe schwieg sich die Justiz zunächst aus. Ebenso wie über die Frage, was nun mit der zweiten Angeklagten passiert. Falls das Verfahren gegen die Vietnamesin ebenfalls eingestellt wird, bliebe einer der spektakulärsten politischen Morde der vergangenen Jahre möglicherweise auf ewig ungesühnt.

Rückblende, 13. Februar 2017: Auf dem Flughafen von Kuala Lumpur reiben zwei Frauen einem Mann etwas ins Gesicht. Zwei Stunden später ist er tot. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Opfer um Kim Jong Nam handelt, ältester Sohn von Nordkoreas verstorbenem Machthaber Kim Jong Il (1941-2011). Der 45-Jährige galt einmal als Nachfolger, fiel dann aber in Ungnade und ging ins Ausland. Nach dem Tod des gemeinsamen Vaters übernahm Kim Jong Un.

Schnell wird auch ermittelt, womit er umgebracht wurde: mit dem Nervengift VX. Noch in derselben Woche werden die beiden Frauen verhaftet, überführt durch die Aufnahmen von Überwachungskameras. Beide behaupten, nicht gewusst zu haben, was sie taten. Angeblich wurden sie von Männern, Japanern oder Chinesen, für eine Art «Versteckte Kamera» angeworben. Der «Spaß»: einem Fremden Baby-Lotion ins Gesicht zu schmieren. Man kann das glauben oder nicht.

Aber wer steckt dahinter? Nach den Ermittlungen von Malaysias Polizei wurde der Mord von Nordkoreas Geheimdienst geplant - was Pjöngjang dementiert. Fest steht, dass sich vier mutmaßliche Agenten sofort nach der Tat aus Kuala Lumpur absetzten. Ein paar Wochen lang herrschte diplomatische Eiszeit zwischen Nordkorea und Malaysia.

Inzwischen hat sich das Verhältnis entspannt. Als Kim Jong Un von US-Präsident Donald Trump auf zwei Gipfeln hofiert wurde, sprach von dem Mord kaum noch jemand. Und Malaysias Justiz ließ sich Zeit. Im August lehnte das Gericht einen Freispruch ab. Seither geschah fast nichts mehr. Diese Woche hätten die Frauen erstmals wieder Stellung nehmen müssen. Auf Mord steht in Malaysia immer noch die Todesstrafe.

Zumindest für Aisyah ist diese Gefahr nun gebannt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft stellte das Gericht das Verfahren gegen sie ohne Klärung der Schuldfrage ein. Das bedeutet keinen Freispruch, aber ihr kann das einigermaßen egal sein. Mit der Freilassung kam die Justiz einer Bitte der indonesischen Regierung nach. Zuvor hatte es zwischen beiden Staaten monatelange Verhandlungen gegeben.

In einem Brief, der am Montag veröffentlicht wurde, lassen die Indonesier keinen Zweifel daran, wen sie für die Hintermänner halten. Darin heißt es: «Frau Aisyah (...) hatte keine Ahnung davon, dass sie von Nordkorea als geheimdienstliches Werkzeug benutzt wurde.» Die Malaysier vermieden es, darauf näher einzugehen. Sie verwiesen nur auf das gemeinsame Interesse an guten Beziehungen.

Deshalb wird nun spekuliert, dass auch die Vietnamesin freikommen wird. Ihre Anwälte fordern das schon, «aus denselben Gründen wie bei Siti Aisyah». Erste Gelegenheit dazu wäre am Donnerstag, dem nächsten Termin vor Gericht. Einer ihrer Verteidiger fügte noch den arg doppeldeutigen Satz «Es muss Gerechtigkeit geben» hinzu.

Falls das Gericht dem Antrag folgt, wäre der Prozess vorbei. Der Giftmord an Kim Jong Nam bliebe dann wohl ungeklärt - ohne jede Gerechtigkeit. Abgesehen von allen diplomatischen Erwägungen zwischen Malaysia und Indonesien beziehungsweise Vietnam: Ein solcher Ausgang würde auch Nordkorea bestens in Konzept passen.

Der freigelassenen Indonesierin waren solche Überlegungen am Montag egal. Aisyah bedankte sich überschwänglich bei allen Beteiligten. «Ich bin sehr glücklich», sagte sie. «Ich hatte nicht erwartet, dass heute für mich der Tag der Freiheit sein würde.» Jetzt will sie so schnell wie möglich zurück zur Familie.

Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
14:17 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
14:17 Uhr



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