Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Millionen Menschen leben an der Armutsgrenze

Vielen Menschen in Deutschland reicht das Geld für die nötigsten Dinge nicht. Nach einer EU-weiten Erhebung sind Millionen von Armut bedroht. Ein Skandal, sagt der Sozialverband VdK und fordert Konsequenzen.



Geldbörse
Laut EU-Definition gilt jemand als armutsgefährdet, wenn er über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt.   Foto: Andreas Gebert

Trotz boomender Wirtschaft in Deutschland leben viele Millionen Menschen an oder unter der Armutsgrenze. Das Geld reicht bei vielen nach einer EU-weiten Erhebung oft nicht aus, um alltägliche Rechnungen, Miete oder Heizkosten zu bezahlen.

Knapp ein Fünftel der deutschen Bevölkerung war im Jahr 2017 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in  Wiesbaden berichtete. Die Statistikbehörde beruft sich dabei auf Daten der Erhebung «Leben in Europa» (EU-SILC).

Insgesamt waren demnach 15,5 Millionen Menschen betroffen, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 19 Prozent. Damit ist der Wert binnen einen Jahres leicht gesunken, im Jahr 2016 waren hierzulande noch 16 Millionen Menschen oder 19,7 Prozent von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In der gesamten EU lag der Anteil dieser Gruppe im Jahr 2017 bei 22,5 Prozent (2016: 23,5 Prozent).

Nach der EU-Definition für die Erhebung gilt jemand als armutsgefährdet, wenn er über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung verfügt. 2017 lag dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person in Deutschland bei 1096 Euro im Monat, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2302 Euro im Monat. Das traf im vergangenen Jahr auf 13,1 Millionen Menschen oder 16,1 Prozent der Bevölkerung zu. Insgesamt lag der Anteil der Frauen etwas höher als der der Männer. Im EU-Durchschnitt waren 16,9 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht.

Die Definition für eine Bedrohung durch soziale Ausgrenzung ist etwas weiter gefasst: Sie meint etwa auch, dass in einem Haushalt das Geld nicht reicht für Miete, Fernsehgerät, Heizung oder auch mal einen einwöchigen Urlaub. Das betraf 2017 in Deutschland 3,4 Prozent der Bevölkerung. Etwa 8,7 Prozent der Menschen unter 60 Jahren lebten zudem in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbsbeteiligung. Für manche treffen auch mehrere dieser drei Lebenssituationen (geringes Einkommen, erhebliche materielle Entbehrungen und sehr geringe Erwerbsbeteiligung) zu.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Verena Bentele, sprach von weiterhin erschreckend hohen Zahlen. «Es ist skandalös, dass trotz des Wirtschaftsbooms in Deutschland 15,5 Millionen Menschen von Armut oder Ausgrenzung bedroht sind.» Sie forderte ein Gesamtkonzept bei der Armutsbekämpfung. «Dazu gehören faire Bildungschancen genauso wie eine neu ausgerichtete Arbeitsmarktpolitik.»

Für die Erhebung «Leben in Europa» werden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes alleine in Deutschland jedes Jahr rund

14 000 Haushalte schriftlich befragt. Damit sei die Untersuchung per Fragebogen repräsentativ.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 10. 2018
12:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Armut Armutsgrenze Drohung und Bedrohung Soziale Ausgrenzung Sozialverband VdK Sozialverbände Statistisches Bundesamt Verena Bentele
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Armutsrisiko

13.08.2020

Armutsrisiko gestiegen: Corona-Auswirkungen noch ungewiss

In vielen Haushalten reicht das Geld längst nicht bis zum Monatsende. Bedürftige müssen sich Essen bei den Tafeln holen. Rentner müssen teils dazu verdienen, damit es zum Leben reicht. Die Armutsgefahr in Deutschland ist... » mehr

Kabinett

19.08.2020

Sieben Euro mehr für Hartz-IV-Empfänger und Asylbewerber

Sozialleistungen werden in Deutschland regelmäßig auf Basis von Statistiken angepasst: Steigen Preise und Gehälter, steigen auch die staatlichen Zahlungen. Die nächste Hartz-IV-Erhöhung, die nun ansteht, wird von Sozialv... » mehr

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

12.05.2020

Tag der Pflege: «Klatschen alleine reicht nicht»

Sie werden in der Corona-Krise als «Helden des Alltags» gefeiert. Doch von Dankesbekundungen und Applaus können sich Pflegekräfte nichts kaufen. Zum Tag der Pflege wird auch mehr finanzielle Anerkennung gefordert. Sogar ... » mehr

Frau im Pflegeheim

31.07.2020

Eigenanteile für Pflegebedürftige im Heim steigen weiter

Die Kosten für Pflegeheimbewohner und ihre Angehörigen kennen schon seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Der Trend setzt sich nun ungebremst fort - das erhöht den Druck zum politischen Gegensteuern. » mehr

Schulessen

08.10.2019

Verband: Nur wenige Kinder profitieren von Teilhabepaket

Ein Musikinstrument spielen lernen oder Mitglied im Fußballclub sein - das soll auch für Kinder aus ärmeren Familien möglich sein. Der Staat zahlt Zuschüsse über das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket. Aber nur bei w... » mehr

Demonstranten

17.03.2020

Sozialverbände fordern Verstaatlichung von Wohnungen

In vielen Städten sind Wohnungen längst zur Mangelware geworden. Nun schlagen Sozialverbände Alarm - und präsentieren teils drastische Forderungen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hildburghausen leuchtet Hildburghausen

Hildburghausen leuchtet | 25.09.2020 Hildburghausen
» 26 Bilder ansehen

Unfall ICE Schafe Schalkau Tunnel Müß

ICE rammt Schafherde | 23.09.2020 Schalkau Tunnel Müß
» 14 Bilder ansehen

2020-09-22

Feuerwehr-Übung Ilmenau | 22.09.2020
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 10. 2018
12:09 Uhr



^