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Migration weckt Angst vor Entwertung der eigenen Lebensweise

Wer Wurstsalat mag und Gartenzwerge sammelt, mag sich zurückgesetzt fühlen, wenn Sushi und Dreadlocks plötzlich als cool gelten. Aber ist das Grund genug, um die AfD zu wählen? Eine Studie der TU Dresden geht dieser Frage auf den Grund.



Pegida in Dresden
Gekränkt, abgewertet, deklassiert - so sehen sich nach Ansicht von Forschern besonders oft Menschen in Sachsen.   Foto: Arno Burgi

Die Ankunft von mehr als einer Million Asylbewerbern hat in Deutschland alte Konfliktlinien in der Bevölkerung wieder aufbrechen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern der Technischen Universität Dresden, an der die Universität Duisburg-Essen mitgewirkt hat.

Dass rechtspopulistische Einstellungen gerade in Sachsen stark verbreitet sind, hat ihrer Ansicht nach auch damit zu tun, dass die Migrationsbewegungen der vergangenen Jahre dort oft «als Angriff auf die "heile Welt" ethnokultureller Beschaulichkeit interpretiert» wird. Die Populismusneigung in diesem Bundesland mit ökonomischen Abstiegsängsten oder Bildungsfragen zu erklären, greife zu kurz, erklären die Forscher.

Wichtiger seien kollektive «Kränkungs-, Abwertungs- und Deklassierungserfahrungen» als Folge der politischen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen nach der Wiedervereinigung. Bei der Bundestagswahl 2017 war die AfD in Sachsen mit 27 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft geworden, mit hauchdünnem Abstand vor der CDU.

Bei Anhängern der AfD seien «Ängste vor einer Entwertung der eigenen Lebensweise, der eigenen Kultur und der gemeinsamen Identität als Grundlage kollektiver Solidarität» festzustellen - allerdings nicht nur in Sachsen, stellten die Autoren fest. Und: «Die offensiv islamkritische Ausrichtung der AfD weiß diese Sorgen auch in Deutschland gezielt anzusprechen». In einer früheren Untersuchung hatten rund 39 Prozent der befragten Sachsen «voll» oder «eher» die Ansicht vertreten, «Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden».

In der Studie «Migration und Populismus» heißt es weiter: «Durch Migration werden regionale und landesspezifische Spaltungen sichtbar - etwa zwischen Ost und West in Deutschland, zwischen Norden und Süden in Italien und zwischen Zentrum und Peripherie in Großbritannien.» Diese latenten Konflikte seien teils kultureller, teils sozioökonomischer oder politischer Natur. Die «Flüchtlingskrise» sei somit nicht Ursache, sondern Katalysator für den um sich greifenden Populismus.

Die Autoren der von der Stiftung Mercator geförderten Studie hatten die Zusammenhänge zwischen Migration und Populismus in Deutschland, Italien, Österreich, Polen, Schweden, Tschechien, den Niederlanden und Großbritannien untersucht.

In Deutschland haben seit 2015 rund 1,46 Millionen Menschen einen Asylantrag gestellt. Nach einem Höchststand von 722.370 Erstanträgen im Jahr 2016 ist die Zahl der Menschen, die zum ersten Mal in Deutschland um Schutz ersuchen, seit 2017 deutlich gesunken.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
06. 11. 2018
16:45 Uhr

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06. 11. 2018
16:45 Uhr



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