Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Brennpunkte

Merkel dankt Bundeswehrsoldaten für schweren Einsatz in Mali

Erstmals besucht die Kanzlerin den derzeit gefährlichsten Bundeswehreinsatz im nordmalischen Gao. Erneut pocht sie auf eine politische Lösung in der Libyenkrise. Denn was dort geschieht, schlägt auf Mali und die anderen Sahelstaaten durch.



Merkel bei Bundeswehrsoldaten in Mali
Die Kanzlerin im Gespräch mit Bundeswehrsoldaten im im nordmalischen Gao. Foto. Michael Kappeler   Foto: Michael Kappeler » zu den Bildern

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den rund 850 Bundeswehrsoldaten im nordmalischen Gao für ihren schweren Einsatz für eine Stabilisierung des von islamistischem Terrorismus bedrohten Landes gedankt.

«Die Mission ist schwierig»; sie gehöre zu den gefährlichsten Einsätzen der Bundeswehr weltweit, sagte Merkel am Donnerstag bei Temperaturen um die 50 Grad während ihres ersten Besuches im Camp Castor. Dort ist der Großteil des rund 850 Soldaten starken deutschen Kontingents der UN-Stabilisierungsmission Minusma stationiert.

«Das ist schon speziell», sagte Merkel mit Blick auf das Arbeitsumfeld der deutschen Soldaten. «Das sind hier Bedingungen, die wir in Deutschland ja nicht so kennen.» Der Einsatz fordere von den Soldaten erhebliches Anpassungsvermögen und erheblichen Anpassungswillen, sagte die Kanzlerin anerkennend.

Es gebe «Licht und Schatten» bei der UN-Mission in einem Umfeld, in dem sich die Sicherheitslage wegen der Bedrohung durch islamistischen Terrorismus ständig weiter verschlechtere. Die deutschen Soldaten leisteten mit ihrerd Aufklärungstätigkeit einen erheblichen Beitrag zur Minusma, sagte Merkel. Sie werde sich dafür einsetzen, bei der anstehenden Verlängerung des Mandates herauszuholen, mit was die Arbeit am effizientesten möglich sei.

Merkel sagte, die Bundesregierung wünsche sich von der malischen Regierung, dass sie die Sicherheitslage im Land verbessern und die Waffenruhe umsetzen könne. Es sei allerdings schwierig, dies nur mit militärischen Mitteln zu erreichen, wenn es nicht ausreichend politische Unterstützung gebe. Das Land sei dringend weiterhin auf solche internationale Hilfe angewiesen.

Der Einsatz ist für die Bundeswehr knapp hinter Afghanistan der zweitgrößte und gilt als ihr gefährlichster. Die UN-Truppe ist etwa 15 000 Mann stark. Der Norden Malis war 2012 nach einem Militärputsch vorübergehend in die Hände islamistischer und anderer Rebellengruppen geraten.

Minusma soll Waffenruhevereinbarungen, vertrauensbildende Maßnahmen und einen politischen Dialog unterstützen. Für den Flug nach Gao hatte Merkel aus Sicherheitsgründen ihren Regierungs-Airbus gegen ein Transportflugzeug der Bundeswehr des Typs A400M getauscht.

Noch am Abend wollte die Kanzlerin nach Niamey weiterreisen, die Hauptstadt von Niger. Dort war unter anderem ein Treffen mit dem nigrischen Präsidenten Mahamadou Issoufou geplant.

In einer Diskussion mit Studenten der Universität in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, hatte Merkel zuvor erklärt, sie werde sich in der EU intensiv für eine einheitliche Haltung zur angestrebten politischen Lösung in der Libyenkrise einsetzen. Deutschland habe nach der damaligen Enthaltung als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat Mitverantwortung für die Lage in Libyen. Sie werde ihren Beitrag dazu leisten, dass etwa Frankreich und Italien zu einer einheitlichen Haltung fänden und Europa nicht mehr mit zwei verschiedenen Positionen bei der Lösung der Libyenkrise auftrete.

Die Hilfsorganisation Medico International kritisierte, dass die Sahel-Region mit der internationalen Militärpräsenz nicht sicherer geworden sei. «Die Zahl der Milizen hat sich vervielfacht und der Staat ist in vielen Gegenden weniger präsent als vorher», sagte die Medico-Migrationsreferentin Ramona Lenz.

Merkel betonte, für ein Ende der Krise werde auch ein Beitrag der Afrikanischen Union (AU) notwendig sein. In Libyen konkurrieren zwei Regierungen und Milizen um die Macht. Truppen des Generals Chalifa Haftar hatten kürzlich eine Offensive auf Tripolis begonnen, wo die international anerkannte Regierung von Fajis al-Sarradsch ihren Sitz hat. Haftar gibt den Angriff als Offensive gegen Terrororganisationen aus. Unterstützt wird er von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Saudi-Arabien, Russland und auch Frankreich.

Die Kanzlerin verteidigte den restriktiven Umgang der Bundesregierung mit Waffenlieferungen in Krisenregionen wie den Sahel. Man stehe vor der schwierigen Lage, dass Terroristen jene Waffen erbeuten könnten, die man an Länder wie Burkina Faso zur Bekämpfung des Terrorismus liefere, sagte Merkel in der Universität Ouaga I in Ouagadougou. Zugleich dürften die Armeen der demokratischen Staaten aber nicht schlechter ausgerüstet sein als die Terroristen und Milizen.

Man müsse «restriktiv sein mit Waffenlieferungen, aber zulassen, dass ihre Armeen gut ausgerüstet sind», sagte Merkel. Zuvor hatte ein Student gefragt, was Deutschland dagegen tun könne, dass die Menschen in seiner Region mit Waffen umgebracht würden, die von Ländern wie Frankreich, Deutschland, China oder Russland geliefert worden seien. Deutschland exportiere in viele Länder überhaupt keine Waffen, sagte Merkel. Größtes Problem in diesem Zusammenhang sei die Krise in Libyen, für die dringend eine politische Lösung notwendig sei.

Angesprochen auf ihren Einsatz für Frauenrechte betonte die Kanzlerin, man müsse Gleichberechtigung von Frauen und Männern erreichen. Es müssten Rollenmodelle geschaffen werden, bei denen Frauen sehen könnten, dass auch sie Physikerinnen oder Politikerinnen sein könnten, sagte Merkel vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografie. Auch die Männer müssten umdenken und etwa mehr Aufgaben in den Familien übernehmen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 05. 2019
20:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Afrikanische Union Armee Auswärtiges Amt Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundeswehr Bundeswehreinsätze Bundeswehrsoldaten CDU Deutsche Soldaten Europäische Union Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit Ibrahim Boubacar Keïta Islamischer Staat Mahamadou Issoufou Militärputsche Mohamed Ould Abdel Aziz Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Roch Marc Kaboré Soldaten Terrorismus Terroristen Theodor Heuss UN-Sicherheitsrat
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Afrika-Gipfel

14.01.2020

Macron und Sahel-Staatschefs verstärken Anti-Terror-Kampf

Fast 90 Soldaten sterben im Niger - im Sahelgebiet häufen sich die Angriffe von Terrorgruppen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und afrikanische Staatschefs handeln nun. » mehr

EU-Ausbildungsmission EUTM in Mali

06.05.2020

Bundesregierung will Mali-Einsatz ausweiten

Unter dem Druck extremistischer Anschläge und infolge der Corona-Pandemie könnte in der Sahelregion der Zusammenbruch drohen. Deutschland und die EU-Partner wollen das Engagement verstärken, auch militärisch. Deutsche So... » mehr

Militärhubschrauber

26.11.2019

Helikopter-Kollision in Mali: 13 französische Soldaten tot

Sie waren auf der Jagd nach Terroristen - dann erleuchten Explosionen den Himmel: Während eines Kampfeinsatzes kommt es zu einem tragischen Unfall in Mali. Für die Insassen von zwei Militär-Hubschraubern kommt jede Hilfe... » mehr

Mali

27.12.2019

Terrorgruppen können in Sahelzone «uneingeschränkt agieren»

Über die Weihnachtszeit gab es in Westafrika dutzende Tote bei neuen Anschlägen. Islamistische Terrorgruppen bestimmen die Lage in der Sahelregion immer mehr. Nimmt Europa die Lage ernsthaft auf die Tagesordnung? » mehr

UN warnen

19.11.2019

Islamismus, Dürre und Hunger: Der Sahelzone droht die Krise

Seit Jahren ist die Bundeswehr in der Sahelzone in Afrika im Einsatz. Doch islamistische Terrorgruppen weiten ihren Aktionsradius aus. Und auch Klimawandel und Hunger verschärfen die Lage in der Region. » mehr

Angela Merkel

19.11.2019

Afrika-Gipfel für mehr Investitionen

Wie kann Afrika vorangebracht werden, wie können Investitionen angekurbelt werden? Darum ging es bei einer Konferenz in Berlin. Viele Regionen sind aber instabil. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

city skyliner weimar Weimar

City Skyliner in Weimar | 12.07.2020 Weimar
» 12 Bilder ansehen

Motorradunfall Linden

Motorradunfall Linden | 10.07.2020 Linden
» 7 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Oberhof Oberhof

Unfall Oberhof | Oberhof
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 05. 2019
20:52 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.