Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Brennpunkte

Mehrjährige Haftstrafen wegen tödlicher Stöße in S-Bahngleis

Die fatale Auseinandersetzung am Nürnberger S-Bahnhof Frankenstadion wertet das Gericht als Körperverletzung mit Todesfolge. Einen Tötungsvorsatz sehen die Richter nicht - anders als die Eltern der beiden getöteten Jugendlichen.



S-Bahnhof in Nürnberg
Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Angeklagten bei einem Streit auf dem S-Bahnsteig des Station «Frankenstadion» drei gleichaltrige Jugendliche ins Gleisbett stießen.   Foto: Daniel Karmann/dpa

Nach dem Tod von zwei Jugendlichen durch Stöße auf ein S-Bahn-Gleis in Nürnberg sind mehrjährige Jugendstrafen für die Täter verhängt worden. Die Jugendkammer am Landgericht Nürnberg-Fürth wertete die Taten der zwei 17-jährigen Angeklagten als Körperverletzung mit Todesfolge.

Einer der Jugendlichen muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis, der zweite drei Jahre und drei Monate. Nach Überzeugung des Gerichts haben die beiden Männer Ende Januar nach einem Discobesuch drei 16-jährige Jugendliche bei einer körperlichen Auseinandersetzung am Bahnsteig der Station Frankenstadion ins Gleisbett gestoßen. Während sich ein Jugendlicher durch einen Sprung im letzten Moment retten konnte, wurden die zwei anderen jungen Männer von einem einfahrenden Zug überrollt und getötet.

Einer Forderung der Nebenklage nach einer Verurteilung wegen Totschlags folgte die Jugendkammer des Gerichts nicht. Die Beweisaufnahme habe nicht ergeben, dass die Jugendlichen den herannahenden Zug auf dem mit Menschen gefüllten Bahnsteig zwingend wahrgenommen haben müssen. Deshalb liege kein Tötungsvorsatz vor. Den Angeklagten könne auch nicht vorgeworfen werden, den Tod ihrer beiden Kontrahenten billigend in Kauf genommen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und fünf Monate sowie drei Jahre und neun Monate Haft gefordert. Die Verteidiger der beiden jungen Männer hielten Strafen von höchstens zwei Jahren Haft zur Bewährung für ausreichend. Sie bestritten bis zuletzt eine Tötungsabsicht. In Briefen entschuldigten sich ihre Mandanten bei den Familien der beiden getöteten Jugendlichen und zahlten an die als Nebenkläger auftretenden Familien Beträge von 10.000 Euro beziehungsweise 10.250 Euro. Der Prozess fand wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Bundesweit sorgen Angriffe auf Bahnhöfen immer wieder für Entsetzen. Ende Oktober starb im Berliner U-Bahnhof Kottbusser Tor ein 30-Jähriger, der vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen wurde. Im Juli war ein achtjähriger Junge im Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann vor einen einfahrenden ICE in den Tod gestoßen worden. Als Konsequenz daraus kündigten Bundesregierung und Bahn an, die Videoüberwachung an Bahnhöfen auszuweiten.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 12. 2019
17:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Bahnhöfe ICE Kinder und Jugendliche Körperverletzung mit Todesfolge Körperverletzung und Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit Landgericht Nürnberg-Fürth U-Bahn Verbrecher und Kriminelle Öffentlichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
G20-Ausschreitungen

10.07.2020

Prozess um G20-Randale: Fünf junge Männer verurteilt

Rund 220 Vermummte zogen anlässlich des G20-Gipfels über die Hamburger Elbchaussee. Aus dem Aufzug heraus wurden Autos und Gebäude angezündet. Drei Jahre danach fällt nun das erste Urteil. » mehr

Missbrauchsfall Münster

17.06.2020

Mehr Tatverdächtige und Opfer in Missbrauchsfall Münster

Der Missbrauchsfall Münster gibt es immer mehr Opfer. Die Ermittler stehen vor einer unfassbaren Datenmenge. » mehr

Waldkraiburger Anschläge

20.05.2020

Waldkraiburger Täter plante Anschläge auf Moscheen

Eine Pistole, Munition, 23 Rohrbomben und 34 Kilogramm Sprengstoff: Wäre der mutmaßliche Attentäter von Waldkraiburg nicht gefasst worden, hätte es viele Tote geben können. Den Ermittlern hat der Islamist gestanden, was ... » mehr

Trauer am Königsplatz

29.05.2020

Anklage nach tödlichem Schlag auf Augsburger Königsplatz

Das Bild der im Kreis stehenden Feuerwehrleute, die Arm in Arm um ihren Kollegen trauern, ging vor einem halben Jahr durch die Medien. Der Augsburger war zum Gewaltopfer geworden, gestorben an einem einzigen Schlag. Nun ... » mehr

Schienenschrauben an ICE-Strecke entfernt

20.03.2020

Schienen an ICE-Schnellfahrstrecke gelöst

Zwischen Frankfurt und Köln fahren ICE-Züge mit Höchstgeschwindigkeit. Nun ist die Strecke gesperrt. Hat es Anschlagsversuch gegeben? » mehr

Prozess um Mordkomplott gegen Lehrer

06.07.2020

Hammer-Mord an Lehrer geplant - 17-Jähriger muss in Haft

Drei Jugendliche sollen im Mai 2019 geplant haben, in Dortmund einen Lehrer zu erschlagen. Weil dieser aber aufmerksam war, scheiterte der Angriff. Das Gericht wertete die Tat dennoch als Mordversuch. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

city skyliner weimar Weimar

City Skyliner in Weimar | 12.07.2020 Weimar
» 12 Bilder ansehen

Motorradunfall Linden

Motorradunfall Linden | 10.07.2020 Linden
» 7 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Oberhof Oberhof

Unfall Oberhof | Oberhof
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 12. 2019
17:17 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.