Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Mehrere Staaten setzen auf Corona-Massentests

Südtirol startet einen dreitägigen Massentest, um die Corona-Welle schneller zu brechen. Österreich fängt bei geplanten Reihen-Checks im Dezember mit Lehrern und Polizisten an. Die Slowakei sieht sich als Vorreiter - allerdings nicht beim Druck auf die Bürger zur Teilnahme.



Schlange stehen in Bozen
Menschen stehen vor einer Corona-Schnelltest-Einrichtung in Bozen (Südtirol) Schlange.   Foto: Antonio Calanni/AP/dpa » zu den Bildern

Immer mehr Staaten in Europa setzen im Kampf gegen die Pandemie auch auf Massentests: Im italienischen Südtirol lief heute eine dreitägige, kostenlose Reihenuntersuchung an.

Zum Auftakt bildeten sich dort lange Schlangen vor vielen Teststationen, wie Medien berichteten. Die Slowakei bereitet für 2. Dezember zum wiederholten Mal eine landesweite Corona-Massenuntersuchung vor. Österreich kündigte am Freitag für Anfang Dezember erste Massentests unter Lehrern und Polizisten an.

Die kleine Alpen-Provinz Südtirol mit gut einer halben Million Menschen möchte bis zum Sonntag bei rund 350.000 Menschen einen Abstrich machen. Das wären zwei Drittel der Bürger. Der Antigen-Schnelltest dort ist freiwillig. Die Landesregierung in Bozen will mit der Aktion Virusträger aufspüren, die nichts von ihrer Infektion ahnen. Sie gelten als gefährliche Ansteckungsquelle. So soll die zweite Corona-Welle schneller gebrochen werden. Italien war in der ersten Welle im Frühjahr heftig getroffen worden. Nach einer Erholung im Sommer sind die Ansteckungszahlen jetzt - auch im Vergleich zu Deutschland - wieder hoch.

Wer ein positives Ergebnis bekommt, aber beschwerdefrei ist, soll sich zehn Tage zu Hause isolieren. Mitmachen können Männer, Frauen sowie Kinder ab fünf Jahren. Das Testresultat soll nach spätestens einer halben Stunde vorliegen. Im Internet veröffentlichten die Behörden Ergebnisse: Danach gab es bis Freitag 16 Uhr fast 83.000 Teilnehmer. Mehr als 1250 Menschen wurden positiv getestet.

Der Erfolg eines solchen Massentests hängt nach Einschätzung des Experten Stephan Ortner stark von der Teilnahmequote ab. Wie der Direktor des Eurac Research Zentrums in Bozen erläuterte, kann ein gut organisierter Test mit hoher Beteiligung so gut wirken «wie ein totaler Lockdown von vielen Wochen». Ein starker Erfolg sei möglich bei einer Quote ab 70 Prozent, wie Studien seines Instituts zeigten. In einem großen Staat, etwa in ganz Italien oder Deutschland, lasse sich so ein freiwilliger Test aber wohl nicht in ähnlicher Weise durchführen, meinte er. In einzelnen Bundesländern jedoch schon.

Die Autonome Provinz gehört in Italien wegen der hohen Corona-Zahlen zu den Roten Zonen mit besonders strengen Ausgangsbeschränkungen. Am Freitag hatten die Behörden dort mehr als 700 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden registriert. Im Rest Italiens wurde die Untersuchung mit viel Interesse verfolgt.

In der Region Venetien startete Anfang der Woche ein Probelauf mit Do-It-Yourself-Tests für zu Hause. Die Test-Tüten enthalten ein Stäbchen, das in die Nase gesteckt wird, und ein Kontroll-Röhrchen für die Probe. Regionalpräsident Luca Zaia hatte die Funktionsweise in einem Video vorgeführt. Die Region will zunächst rund 5000 der Antigen-Test-Kits ausgeben. Die Studie soll einen Monat laufen.

Die Slowakei sieht sich als Vorreiter für Massentests in Europa. Ende Oktober und Anfang November hatte das Land größere Reihenuntersuchungen gemacht. Daran beteiligten sich mehrere Millionen Menschen. Donnerstagabend kündigte Ministerpräsident Igor Matovic für den 2. Dezember die nächste Testung fast der gesamten Bevölkerung an. Am Freitag liefen letzte Vorbereitungen für lokal begrenzte Tests an diesem Wochenende. In knapp 500 kleinen Gemeinden mit vorher besonders hohen Infektionsraten soll bis Sonntag ein drittes Mal durchgetestet werden.

Wegen heftiger Kritik am bisherigen Vorgehen versprach Matovic, bei diesen lokalen Tests für rund 400.000 Menschen werde es keine Sanktionen für die Nicht-Teilnahme geben. Nach den ersten beiden Testrunden wurden Nicht-Getestete fast wie Personen mit positivem Ergebnis behandelt. Ohne negativen Test durfte man nicht einmal zur Arbeit gehen.

In Österreich sollen alle 200.000 Lehrerinnen und Lehrer sowie Betreuungskräfte in Kindergärten auf das Virus getestet werden. Vorgesehen ist dafür das Wochenende vom 5. und 6. Dezember, wie die Regierung bekanntgab. Am 7. und 8. Dezember sollen dann die 40.000 Polizisten folgen.

Kurz vor Weihnachten könnte sich dann die gesamte Bevölkerung von neun Millionen Menschen checken lassen. Die Teilnahme sei freiwillig, betonte Bundeskanzler Sebastian Kurz. «Diese Massentests sind bis zur Impfung eine große Chance für Österreich, den Weg zur Normalität zurückzufinden», teilte er mit. Eine weitere Testreihe ist in Österreich Anfang 2021 geplant.

© dpa-infocom, dpa:201120-99-405128/8

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 11. 2020
20:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausgangssperren und Ausgangsbeschränkungen Bevölkerung Bürger Infektionskrankheiten Infektionsrate Luca Zaia Polizistinnen und Polizisten Sebastian Kurz Südtirol YouTube Öffentliche Behörden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Gastronomie

14.11.2020

Österreich macht dicht - voller Lockdown ab Dienstag

Unvorstellbar sei ein zweiter Lockdown wie im März, sagte Österreichs Gesundheitsminister noch vor einem Monat. Doch nun gibt es wieder drastische Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Schulen. Die Opposition kritisier... » mehr

Passau

vor 11 Stunden

Infektions-Hotspots fahren öffentliches Leben zurück

In der Corona-Übersicht des Robert Koch-Instituts gibt es seit kurzem eine neue Farbe: Der Landkreis Hildburghausen und die Stadt Passau leuchten wegen hoher Infektionszahlen pink. Auflagen werden verschärft. Doch es gib... » mehr

TV-Ansprache

28.10.2020

Macron führt Ausgangsbeschränkungen wieder ein

Frankreichs Staatschef Macron zieht wegen der zweiten Corona-Welle die Notbremse. Die Franzosen müssen wieder neue Einschränkungen hinnehmen - und können sich nicht mehr frei bewegen. Gelingt im November eine Trendumkehr... » mehr

Coronavirus - Österreich

17.11.2020

Österreich geht wieder in den Corona-Lockdown

Das öffentliche Leben läuft in Österreich auf Sparflamme: seit Dienstag gilt ein Lockdown, Häuser und Wohnungen dürfen nur aus gutem Grund verlassen werden. Trotz noch höherer Infektionszahlen als in Österreich sieht es ... » mehr

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz

15.11.2020

Österreich sperrt wieder zu - und hofft wohl auf Massentests

Drei Wochen Lockdown, dann Massentests: Damit will Österreichs Regierung vor Weihnachten die zweite Corona-Welle in den Griff bekommen. Frust und Vorwürfe begleiten die Debatte darüber, ob die Maßnahmen richtig sind - un... » mehr

Markus Söder

22.10.2020

Söder fordert harten Anti-Corona-Kampf

Die Corona-Zahlen steigen teils in ungeahnte Höhen. In Bayern wird eine «dunkelrote» Warnstufe eingezogen. Markus Söder richtet einen eindringlichen Appell an die Menschen - und warnt vor neuen Lockdowns. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall A73 Suhl Suhl A73

Unfall A73 Suhl | 27.11.2020 Suhl A73
» 7 Bilder ansehen

Holz Lkw Schleusingen Schleusingen

Holzlaster Unfall | 27.11.2020 Schleusingen
» 8 Bilder ansehen

Verkehrsbehinderungen A73 Suhl A 73/Suhl

Verunreinigung A73 | 26.11.2020 A 73/Suhl
» 3 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 11. 2020
20:02 Uhr



^