Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Brennpunkte

Mehr als 200 Tote bei Anschlagsserie in Sri Lanka

Es trifft Gläubige während des Ostergottesdienstes und Gäste von Luxushotels: Eine verheerende Serie von Explosionen erschüttert das Urlaubsparadies Sri Lanka und sorgt international für Entsetzen und Bestürzung. Wer steckt hinter den Bluttaten?



Jesus-Figur
Eine mit Blutflecken beschmierte Jesus-Figur in der St.-Sebastians-Kirche.   Foto: AP » zu den Bildern

Bei einer verheerenden Anschlagsserie auf christliche Kirchen und Hotels sind am Ostersonntag in Sri Lanka nach Polizeiangaben mindestens 215 Menschen getötet worden.

Bei den koordinierten Explosionen wurden außerdem mehr als 500 Menschen verletzt, wie Sprecher von sieben örtlichen Krankenhäusern der Deutschen Presse-Agentur sagten. Nach Angaben der Tourismusbehörde sind unter den Toten 32 Ausländer aus acht Staaten. Dazu gehörten Bürger Indiens, der USA, Großbritanniens, Portugals, Chinas, der Niederlande, Belgiens und der Türkei.

Insgesamt gab es mindestens acht Detonationen, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Die Explosionen in den Kirchen und Luxushotels fanden fast zeitgleich statt. Die erste wurde aus einer Kirche in der Hauptstadt Colombo gemeldet, die übrigen fünf alle innerhalb von nur 30 Minuten. Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen, die weltweit auf Entsetzen stießen.

US-Außenminister Mike Pompeo sprach von mehreren US-Bürgern unter den Opfern. Das dänische Außenministerium teilte in Kopenhagen mit, dass auch drei Dänen unter den Toten seien. Sie waren in der Auflistung der Tourismusbehörde zuvor nicht genannt worden.

Nach Angaben der Polizei vom Abend gab es inzwischen 13 Festnahmen. Wie Premierminister Ranil Wickremesinghe in einer Fernsehansprache sagte, stammten offenbar alle bislang Festgenommenen aus Sri Lanka. Auch lagen Sri Lankas Geheimdienst Hinweise auf einen möglichen Anschlag vor. Es müsse untersucht werden, warum keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien, sagte Wickremesinghe.

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene machte Extremisten für die «terroristische Attacke» verantwortlich. Er verhängte eine landesweite Ausgangssperre, die bis zum frühen Montagmorgen gelten sollte. Zudem sperrte die Regierung nach seinen Angaben vorübergehend den Zugang zu sozialen Medien. Die Schulen sollten für zwei Tage geschlossen bleiben, die Universitäten zunächst unbefristet.

Der südasiatische Inselstaat mit seinen tropischen Stränden ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Deutsche und andere Europäer. Dort hat es seit Jahren keinen größeren Anschlag gegeben. 2009 war ein 26 Jahre dauernder Bürgerkrieg zu Ende gegangen. Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit sind Buddhisten.

Bei den Kirchen, die Ziel der Anschläge wurden, handelte es sich um die St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, die St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Negombo sowie die Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. In den Kirchen fanden gerade Ostergottesdienste statt. Dort gab es die meisten Opfer. Nach Polizeiangaben wurde die Attacke auf die Kirche in Negombo vermutlich von einem Selbstmordattentäter ausgeführt.

Außerdem gab es Explosionen in den Fünf-Sterne-Hotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombo. Dort sollen auch Ausländer verletzt worden sein. Später wurde eine siebte Explosion in einem kleinen Hotel in einem Vorort Colombos mit zwei Toten gemeldet. Eine achte Explosion ereignete sich am Nachmittag in einer Wohngegend in Dematagoda, einem anderen Vorort der Hauptstadt. Dort starben nach Angaben der Polizei auch zwei Kinder. Zudem wurden drei Polizisten von einer einstürzenden Wand erschlagen.

Staatspräsident Maithripala Sirisena, der auch Verteidigungsminister ist, sagte, die Streitkräfte und die Polizei gingen der «Verschwörung» auf den Grund. Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte trafen mehrere Minister zu einer Krisensitzung. Premierminister Wickremesinghe sagte, die Anschläge «zielten klar darauf ab, das Land zu destabilisieren». Minister Harsha de Silva schrieb auf Twitter, in einer Kirche in Colombo habe es «schreckliche Szenen» gegeben. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen.

Jedes Jahr reisen Zehntausende Deutsche in das frühere Ceylon. Der Inselstaat von der Größe Bayerns hat gut 20 Millionen Einwohner. Er bietet neben tropischen Stränden unter anderem mehrere UNESCO-Welterbestätten, sechs Kultur- und zwei Naturdenkmäler.

Papst Franziskus gedachte vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom der Opfer: «Ich möchte der christlichen Gemeinschaft, die getroffen wurde, als sie im Gebet versammelt war, und allen Opfern so grausamer Gewalt meine innige Nähe ausdrücken.» UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich «schockiert über die terroristischen Attacken auf Kirchen und Hotels an Ostersonntag, einem heiligen Tag für Christen überall auf der Welt».

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte dem Präsidenten Sri Lankas und schrieb: «Fassungslos und voller Entsetzen verfolge ich die schrecklichen Nachrichten über die feigen Terroranschläge in Sri Lanka, bei denen so viele unschuldige Menschen den Tod fanden und viele mehr verletzt wurden.» Kanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm: «Es ist schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren.» Sie fügte hinzu: «Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen.»

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini betonte: «Solche Gewaltakte an diesem heiligen Tag sind Gewaltakte gegen jeden Glauben und jede Konfession.» US-Präsident Donald Trump schrieb: «Wir stehen bereit, um zu helfen.» Russlands Wladimir Putin nannte die Bluttaten «grausam und zynisch». Indiens Premier Narendra Modi schrieb: «In unserer Region gibt es keinen Platz für solche Barbarei.» Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte: «Das ist ein Angriff auf die gesamte Menschheit.»

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise. «Reisende werden gebeten, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten», schrieb das Ministerium.

Die deutsche Botschaft in Sri Lanka steht nach Angaben von Außenminister Heiko Maas mit den lokalen Behörden in Kontakt und bemüht sich um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter 030-50000 melden. «Sollten Sie auf der Insel im Osterurlaub sein, melden Sie sich bitte bei Ihren Verwandten und Freunden», twitterte das Krisenreaktionszentrum. Die Telefon- und Internetverbindungen im Land seien überlastet. «Wenn Sie Ihre Angehörigen vor Ort erreichen wollen, versuchen Sie es mit einer SMS.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 04. 2019
21:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
António Guterres Aschraf Ghani Auswärtiges Amt Außenminister Außenministerien Bereich Hotels Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU Deutsche Presseagentur Donald Trump Dänisches Außenministerium Evangelische Kirche Evangelische Kirche in Deutschland Federica Mogherini Frank-Walter Steinmeier Gewaltdelikte und Gewalttaten Heiko Maas Heinrich Liberation Tigers of Tamil Eelam Maithripala Sirisena Mike Pompeo Minister Narendra Modi Papst Franziskus I. Polizei Polizistinnen und Polizisten Ranil Wickremesinghe Recep Tayyip Erdogan Reuven Rivlin Selbstmordattentäter Steffen Seibert Terrorismus Theresa May Twitter Türkische Staatspräsidenten US-Außenminister Wladimir Wladimirowitsch Putin
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Zerstört

22.04.2019

Nach Anschlägen: Islamisten aus Sri Lanka unter Verdacht

Es war die tödlichste Attacke in Sri Lanka seit dem Ende des Bürgerkrieges vor zehn Jahren. War eine islamistische Gruppe für die Anschlagsserie verantwortlich? Und wurden Hinweise auf die Taten ignoriert? Die Angriffe m... » mehr

Katholischer Priester

26.04.2019

Explosionen bei Razzia in Sri Lanka - Tui holt Urlauber heim

Bald sind die Terrorangriffe in Sri Lanka schon eine Woche her - die Gefahr weiterer Anschläge bleibt aber. Deutsche Reiseveranstalter reagieren. » mehr

Hassan Ruhani

12.05.2019

Irans Präsident lehnt Trumps Gesprächsangebot ab

Die Iraner sollten ihn anrufen, man könne einen «Deal» machen, sagte US-Präsident Trump zuletzt. Lässt sich der gefährliche Konflikt zwischen Washington und Teheran so simpel lösen? Nein, sagt Irans Präsident - nicht ohn... » mehr

Mike Pompeo

07.05.2019

Rätselraten um Pompeos Absage des Deutschland-Besuchs

Die Absage erfolgte sehr kurzfristig: Keine vier Stunden vor der geplanten Ankunft von US-Außenminister Pompeo in Berlin wurde bekannt, dass er es sich anders überlegt hat. Mit den angeschlagenen deutsch-amerikanischen B... » mehr

Hassan Ruhani

08.05.2019

Iran setzt Atomdeal teilweise aus und setzt Partnern Frist

Ein Jahr hat der Iran nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen gewartet. Nun geht auch die Geduld von Präsident Ruhani zu Ende. Vom Westen kommen dringende Appelle. Die USA hoffen, dass es keinen Krieg gibt. » mehr

Nach den Anschlägen

27.04.2019

Nach neuen Explosionen: Von Sri-Lanka-Reisen wird abgeraten

Die verheerenden Osteranschläge auf Kirchen und Luxushotels sind noch keine Woche her, da erschüttern mehrere Explosionen einen Küstenort in Sri Lanka. Kurz darauf machen Anti-Terror-Einheiten eine grausige Entdeckung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Suhler Ballnacht mit Joachim Llambi Suhl

Suhler Ballnacht mit Joachim Llambi | 18.05.2019 Suhl
» 19 Bilder ansehen

Thüringer Wandertag

Thüringer Wandertag | 19.05.2019 Breitungen
» 11 Bilder ansehen

Rennsteiglauf Schmiedefeld Schmiedefeld

Rennsteiglauf 2019 Zielort Schmiedefeld | 18.05.2019 Schmiedefeld
» 88 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 04. 2019
21:41 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".