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Mehr als 100 Kleinkinder wurden 2018 getötet

Gewalt gegen Kinder ist selten ein einmaliges Ereignis. Meist werden nach und nach immer mehr Grenzen überschritten. Die Wachsamkeit von Lehrern, Erzieherinnen, Nachbarn und Mitarbeitern des Jugendamtes kann deshalb viel Leid verhindern. Doch zu oft wird weggeschaut.



Grabstein
In Berlin wurde eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2018 zu kindlichen Gewaltopfern vorgestellt.   Foto: Bernd Settnik

Die Zahlen sind erschreckend, und sie werfen viele Fragen auf: Deutschlandweit sind im vergangenen Jahr 136 Kinder gewaltsam zu Tode gekommen - fast 80 Prozent von ihnen waren jünger als sechs Jahre.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2018 zudem 98 versuchte Tötungsdelikte auf, bei denen die Opfer Kinder waren. Die Sicherheitsbehörden registrierten zudem 4129 Fälle, in denen wegen der Misshandlung von Kindern ermittelt wurde. Bei diesem Delikt dürfte die Zahl der nicht angezeigten Taten allerdings sehr hoch sein. Denn nach Erkenntnissen der Polizei stammen die Täter meist aus der eigenen Familie, der Nachbarschaft oder dem Bekanntenkreis der Eltern. Dementsprechend hoch ist die Hürde, eine Misshandlung anzuzeigen. Die Fälle von sexuellen Missbrauchs von Kindern seien um 6,43 Prozent gestiegen. Demnach waren rund 14.600 Kinder

von sexueller Gewalt betroffen - etwa 40 Fälle pro Tag.

Die Zahl der aufgedeckten Fälle zu Herstellung, Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie stieg im vergangenen Jahr um mehr als 14 Prozent auf 7449 Fälle. Das hat laut Bundeskriminalamtes (BKA) mit der höheren Zahl von Hinweisen - vor allem aus den USA - zu tun und mit neuen technischen Möglichkeiten.

Anfang Mai sei beispielsweise eine Bilderserie aus den USA an die deutschen Behörden geschickt worden. Dank «technischer Ermittlungen» habe dann der Ort, an dem das Material hergestellt wurde, schnell identifiziert werden können. Vier Tage später habe die Polizei den Täter geschnappt.

Doch der Fall war aus BKA-Sicht nur ein Teilerfolg. Die weiteren Ermittlungen zeigten laut Münch, dass die Körper der Opfer «vernarbte Spuren» sexueller Misshandlungen aufwiesen. Es habe sich herausgestellt, dass es schon ein Jahr zuvor einen Hinweis auf den im Internet unter Pseudonym agierenden Mann gegeben habe. Da seine konkrete Rechneradresse (IP-Adresse) aber nicht gespeichert worden sei, habe die Polizei ihn damals nicht ausfindig machen können.

In Deutschland ist die Vorratsdatenspeicherung - also die anlasslose Speicherungen von Daten, die bei der Nutzung von Kommunikationsnetzen erzeugt werden - aufgrund mehrerer Gerichtsentscheide in der Praxis ausgesetzt. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts wird in diesem Jahr erwartet. Münch sprach sich für eine zehnwöchige Speicherpflicht für IP-Adressen aus. Er sagte, im vergangenen Jahr sei in 4000 von

20.000 konkreten Verdachtsfällen sei die IP-Adresse der einzige Ermittlungsansatz gewesen.

Münch warb zudem für den Einsatz sogenannter Upload-Filter durch die Betreiber von Internet-Plattformen. Nur so könne die massenhafte Verbreitung von Kinderpornografie verhindert werden. Denn häufig würden Aufnahmen, die von einem Provider gelöscht und an die Behörden gemeldet wurden, von Nutzern, die sie zuvor heruntergeladen hätten, erneut geteilt. Für die Opfer sei es schlimm, wenn diese Bilder weiter im Netz auffindbar seien.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, sagte am Donnerstag in Berlin, es brauche mehr Sensibilität für potenzielle Gefährdungslagen - etwa bei psychischen Störungen oder Suchterkrankungen der Eltern.

Die Pädagogik-Professorin Kathinka Beckmann von der Hochschule Koblenz sprach von «erheblichen Schwächen» im Kinderschutz. Der größte Schwachpunkt seien Jugendämter, denen Fachkräfte fehlten und eine Instanz für Beschwerden. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte, «unverbindliches Mitgefühl» nutze den Kindern nicht. Er riet den Landesregierungen - auch mit Blick auf den jüngsten Missbrauchsfall in Lügde - zu eigenen Missbrauchsbeauftragten.

Auf einem Campingplatz in Lügde in Nordrhein-Westfalen soll ein 56 Jahre alter arbeitsloser Dauercamper mit einem 34-jährigen Komplizen über Jahre hinweg mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die Anklagen gegen den 56-Jährigen und einen dritten Beschuldigten (49) aus Stade in Niedersachsen liegen bereits vor.

Im Jahr 2017 waren bundesweit 143 Kinder getötet worden. Die Polizei zählte damals 77 Tötungsversuche.

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 06. 2019
17:43 Uhr

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06. 06. 2019
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