Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

«Lifeline»-Kapitän in Malta freigesprochen

Claus-Peter Reisch hatte das Schiff «Lifeline» mit Migranten an Bord in maltesische Gewässer gesteuert und war zunächst zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Jetzt fällt ein Berufungsgericht ein Urteil, das alle überrascht.



Claus-Peter Reisch
Kapitän Claus-Peter Reisch auf dem Deck des Rettungsschiffes «Eleonore».   Foto: Johannes Filous/dpa

Der deutsche Kapitän des Migranten-Rettungsschiffs «Lifeline» ist in Malta in einem Berufungsverfahren freigesprochen worden. «Das ist unglaublich überraschend», sagte der Sprecher der Dresdner Organisation Mission Lifeline, Axel Steier, der Deutschen Presse-Agentur.

Der gebürtige Bayer Claus-Peter Reisch hatte das Schiff mit mehr als 230 Migranten im Juni 2018 in maltesische Gewässer gesteuert. Ihm war vorgeworfen worden, das Boot sei nicht richtig registriert gewesen. Er wurde in erster Instanz letztes Jahr zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt.

Das Berufungsgericht in Valletta urteilte nun, die Staatsanwaltschaft habe nicht beweisen können, dass Reisch kriminelle Absichten gehabt habe, als er 2018 in maltesische Gewässer gefahren war. «Wow, unglaublich», twitterte Reisch. «Ich habe gewonnen.»

Steier sagte, es handle sich um einen «einwandfreien Freispruch». Nun würde auch das Schiff «Lifeline» freigegeben, das bisher in Malta an der Kette lag. Allerdings könne es nicht mehr eingesetzt werden, weil es die Anforderungen für eine Flagge nicht mehr erfülle. Die NGO habe aber ein neues Schiff. Die «Rise Above» - ein ehemaliges Torpedofangboot - werde gerade in Norddeutschland hergerichtet. Der erste Einsatz soll im Frühjahr sein.

Malta hatte die letzten Jahre genauso wie Italien viele Rettungsschiffe erst nach tage- oder wochenlanger Blockade auf dem Meer in ihre Häfen einfahren lassen. Das kleinste EU-Land sieht sich in der Migrationsfrage von der EU alleine gelassen und fordert, dass auch andere Staaten Migranten übernehmen.

Mission Lifeline und Reisch selbst hatten nicht mit einem Urteil in ihrem Sinne gerechnet. Steier erklärte sich den überraschenden Freispruch auch mit dem Fall der ermordeten regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta. Das Land stehe wegen einer Justiz, die nicht unabhängig sei, in der Kritik und auch unter Beobachtung in der EU, so Steier. Das habe nun vermutlich zu dem Urteil beigetragen. Mission Lifeline und Reisch waren stets der Meinung, dass die Verurteilung in erster Instanz politisch motiviert war - um Hilfsorganisationen von der Rettung von Migranten abzuhalten.

«Der Freispruch (...) ist ein Sieg der Menschenrechte. Erneut sind EU-Mitgliedstaaten damit gescheitert, die humanitären Einsätze der Seenotretter auf dem Mittelmeer zu kriminalisieren», erklärte der Linke-Abgeordnete Michel Brandt, Obmann im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe.

Reisch stammt aus Landsberg am Lech. Er hat noch ein eigenes Rettungsschiff, die «Eleonore». Mit der war er letztes Jahr unerlaubt mit Migranten an Bord in italienische Gewässer gefahren. Das Schiff wurde beschlagnahmt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 01. 2020
12:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Boote Deutsche Presseagentur Europäische Union Gewässer Kapitäne Meere Migranten Regierungskritik Schiffe Staaten Twitter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
«Oruc Reis»

11.08.2020

Spannungen im Streit um Erdgas dauern an

Der Streit um Erdgas im östlichen Mittelmeer spitzt sich zu. Athen und Ankara haben erneut ihre Flotten mobilisiert. Wie kann der Konflikt im östlichen Mittelmeer gestoppt werden? » mehr

Rettungsschiff

30.08.2020

«Sea-Watch 4» übernimmt Migranten von «Louise Michel»

Lange reagierten die Behörden nicht auf die Hilferufe der «Louise Michel» im Mittelmeer. Dann übernehmen die italienische Küstenwache und die «Sea-Watch 4» zahlreiche Migranten. Der Künstler Banksy kritisiert die EU scha... » mehr

Khashoggi

03.07.2020

Türkische Justiz rollt brutalen Mord an Khashoggi auf

Auch nach anderthalb Jahren und mehreren Urteilen wirft der Mord an Jamal Khashoggi viele Fragen auf. Ein Istanbuler Gericht nimmt den Fall wieder auf - die Erwartungen an den Prozess gehen auseinander. » mehr

UNHCR

19.08.2020

45 Tote bei Schiffsunglück vor Libyen

Bei einem Schiffsunglück vor der Küste Libyens sind 45 Menschen gestorben. Das Unglück sei damit «der größte registrierte Schiffbruch vor der Küste Libyens in diesem Jahr», teilten das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten ... » mehr

Mittelmeer-Fluchtroute

14.04.2020

Fast 200 Migranten warten auf Rettungsschiffen

Vor Sizilien und Malta warten Rettungsschiffe auf Hilfe für fast 200 Migranten an Bord. Weitere Menschen sind vermutlich noch auf See unterwegs. Malta fordert ein humanitäres Hilfspaket für Libyen. » mehr

Auf dem Ärmelkanal

28.08.2020

Tausende Migranten überqueren den Ärmelkanal

Immer mehr Migranten wagen die heimliche Reise über den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien. Der Strom der Menschen könnte zur Belastungsprobe für das Verhältnis beider Länder werden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall ICE Schafe Schalkau Tunnel Müß

ICE rammt Schafherde | 23.09.2020 Schalkau Tunnel Müß
» 14 Bilder ansehen

2020-09-22

Feuerwehr-Übung Ilmenau | 22.09.2020
» 17 Bilder ansehen

Großbrand Themar Themar

Großbrand Themar | 22.09.2020 Themar
» 57 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 01. 2020
12:05 Uhr



^