Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Kommt der Handschlag aus der Mode?

Donald Trump tut es, der Papst tut es, Sie tun es! Händeschütteln zur Begrüßung ist nach wie vor Standard. Doch einige in Deutschland finden den Handschlag zu distanziert, manche schlicht uncool und viele unhygienisch. Sagen wir uns bald auf andere Weise Hallo?



Handschlag
Händeschütteln zur Begrüßung ist nach wie vor der Standard in Deutschland. Doch einige finden den Handschlag zu distanziert, manche uncool, viele unhygienisch.   Foto: Uwe Anspach

Bussi links, Bussi rechts: Passend zum Schauplatz des G7-Gipfels im französischen Seebad Biarritz gingen kürzlich Fotos um die Welt, auf denen US-Präsident Donald Trump Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Wangenküsschen begrüßt.

Nicht im Fokus stand der Handschlag, der bei Trump ja bekanntlich schon mal unangenehm lange und kräftig ausfallen kann. War das schon wegweisend?

Mit dem Herbst kommt nun wieder die Erkältungssaison. Menschen scheuen sich, einander die Hand zu geben. In Krankenhäusern gilt seit langem ein Desinfektions- und Abstandsgebot. Die Aktion Saubere Hände wirbt für bessere Hände-Desinfektion in Gesundheitseinrichtungen. Und in manchen Kindergärten hängen Parolen wie «Wir begrüßen uns mit einem Lächeln» an der Wand. Kommt das Händeschütteln aus der Mode?

«Der Status quo ist: In Deutschland ist der Handschlag Standard», sagt Agnes Anna Jarosch, Vorsitzende des Deutschen Knigge-Rats der Deutschen Presse-Agentur. Aber: «Die Varianz wird größer, Regeln sind nicht mehr so starr wie früher.» Wangenküsse seien beispielsweise im Kommen. Jugendlichen sei der Handschlag eh zu uncool, sie begrüßten sich Faust gegen Faust. «Das ist ein genereller Trend», so Jarosch.

Auch Imme Gerke, die interkulturelle Schulungen anbietet, verweist auf die Vielzahl an Begrüßungsformen, die es weltweit gibt: «Umarmen, Nasenkuss, mit der Stirn berühren, Hand aufs Herz legen, verbeugen - das sind alles Spielarten.»

Der Handschlag werde oft als distanziert betrachtet. In China, Japan oder Kanada entfernten sich Menschen vom Händeschütteln. Amerikaner wiederum praktizierten immer häufiger eine Zwei-Schritt-Begrüßung: Auf den Handschlag folgt eine Umarmung. Allen Menschen angeboren sei der Augengruß: ein Hochziehen der Brauen. Je mehr Annäherung es gebe, desto besser, findet Gerke.

Wie lange es den Handschlag schon gibt, ist nicht nachzuvollziehen. Schon die alten Römer und Griechen sollen ihn praktiziert haben. Eine Theorie besagt: Menschen wollen zeigen, dass sie keine Waffe in der Hand halten. Herauslesen können Experten zum Beispiel Hierarchien, Stärke oder Schwäche, Distanz oder Nähe, Nervosität oder Ruhe, Narzissmus.

«Das Begrüßungsritual wird sich verschieben», glaubt Gerke. «Aber man sollte sich darauf einigen, dass man sich grüßt - auf welche Weise auch immer.» Das sei wichtig, um angeborene Aggressionen abzubauen. «Deswegen müssen wir unsere Kinder anhalten, dass sie sich grüßen», sagt Gerke. «Das ist auch eine soziale Kompetenz.»

Vom Hauptargument gegen den Handschlag - Hygiene - hält die Mikro- und Verhaltensbiologin nichts: «Die Angst vor Mikroben ist übertrieben. Das Immunsystem muss üben», sagt Gerke. «Ein Handschlag ist Mikrobenübertragung ohne den Vorteil der Berührung.»

Tatsächlich befinden sich unzählige Mikroorganismen auf der Hand. «Ob beim Naseputzen, beim Toilettengang, beim Streicheln eines Tieres oder bei der Zubereitung von rohem Fleisch: Die Hände kommen häufig mit Keimen in Kontakt und können diese auf alles übertragen, das anschließend angefasst wird», schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife senke die Häufigkeit von Infektionskrankheiten nachweislich - das Risiko von Durchfallerkrankungen etwa könne fast halbiert werden.

Die gute Nachricht aus Knigge-Sicht: «Wenn man weiß, dass man gerade eine Virenschleuder ist, dann sollte man sagen: Ich gebe euch heute nicht die Hand», sagt Umgangsformen-Fachfrau Jarosch. Und ganz allgemein gelte eine goldene Regel: «Bis fünf Personen reicht man die Hand. Ist die Gruppe größer, reicht ein «Grüß Gott» in die Runde.»

An kontaminierten Händen dürfte es eigentlich nicht liegen, sollte der Handschlag bald passé sein. Die Drogeriemarktkette dm etwa verzeichnet laut Sebastian Bayer, dem Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung, ein stabiles Wachstum bei Hand-Desinfektionsmitteln.

Die Firma B. Braun Melsungen, die unter anderem Kliniken beliefert, berichtet von einer Entwicklung von plus 5 bis 7,5 Prozent beim Verbrauch von Händedesinfektionsmittel. Dazu heißt es: «Da die korrekte Ausführung der Händehygiene Patient, Angehörige und das medizinische Personal schützt, ist dies eine erfreuliche Entwicklung, die es weiter zu unterstützen gilt.»

Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
09:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
B. Braun Melsungen Bundeskanzler der BRD Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Deutsche Presseagentur Diarrhö Donald Trump Immunsystem Infektionskrankheiten Krankenhäuser und Kliniken Mikroorganismen Nachrichten Nervosität Patienten Präsidenten der USA
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Rauchwolke

05.08.2020

Beirut unter Schock - Zahl der Toten steigt auf mindestens 100

Der Libanon steckt derzeit in einer seiner schwersten Krisen. Mitten in diesen politischen Turbulenzen kommt es am Hafen von Beirut zu einer gewaltigen Explosion. Retter zählen am Abend Dutzende Todesopfer und enorm viel... » mehr

Coronavirus - Israel

01.06.2020

Trotz Sorgen vor zweiter Corona-Welle: Lockerungen weltweit

Corona-bedingte Ausgangsbeschränkungen und Betriebsschließungen werden weltweit langsam zurückgenommen. In Israel wächst die Sorge vor einer 2. Welle. Präsident Trump macht inmitten innenpolitischer Spannungen mit neuem ... » mehr

Anhaltende Corona-Krise

21.05.2020

Ende von US-Einreisestopp aus Europa nicht absehbar

Donald Trump erwägt, die Staats- und Regierungschefs trotz der anhaltenden Corona-Krise zum G7-Gipfel in die USA einzuladen. Für den US-Präsidenten wäre es ein Signal der Normalisierung, für den Normalbürger möglicherwei... » mehr

Tripolis

08.06.2020

Libyen: Keine Anzeichen für rasches Ende der Gefechte

Die Kräfteverhältnisse in Libyen verschieben sich. Seit die Türkei in dem ölreichen Land mitmischt, sind General Haftars Truppen teils auf dem Rückzug. Seinem Vorschlag einer Waffenruhe erteilt die Regierung eine Absage.... » mehr

Heiko Maas

07.06.2020

Maas: Zusammenarbeit mit US-Truppen in gemeinsamem Interesse

Unter Präsident Trump nahmen die deutsch-amerikanischen Spannungen stetig zu. Mit einem Truppenabzug aus Deutschland würden sie sicher nicht geringer - zumal er Trumps Wahlkampf geschuldet sein könnte. » mehr

Putin und Trump 2017

01.06.2020

G7-Gipfel in der Schwebe: Trump will Putin dabeihaben

Wird es in diesem Jahr überhaupt noch einen G7-Gipfel geben? US-Präsident Trump hat vor den Wahlen im November daran einiges Interesse. Jetzt schlägt er vor, auch Kremlchef Putin einzuladen. Die Reaktion der anderen: ver... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unwetter Meiningen 11.08.20 Meiningen

Starkregen in Meiningen | 11.08.2020 Meiningen
» 4 Bilder ansehen

Lkw mit Gülle an Bord kippt um Meiningen

Mit Gülle beladener Lkw kippt um | 11.08.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

Montgolfiade Heldburg

Montgolfiade | Heldburg
» 24 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
09:39 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.