Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Brennpunkte

«Koalition der Willigen» für Flüchtlingskinder wächst

Berlin hatte sich kürzlich dazu durchgerungen, Minderjährige aus den griechischen Flüchtlingscamps aufzunehmen. Auch andere EU-Länder wollen helfen. Doch die Staatengemeinschaft bleibt gespalten.



Flüchtlingskind
Ein Junge sitzt in Decken eingewickelt in der Nähe eines Dorfes auf Lesbos. Mehrere EU-Staaten, unter ihnen Deutschland, wollen Griechenland mindestens 1600 unbegleitete minderjährige Migranten und andere Flüchtlinge abnehmen.   Foto: Angelos Tzortzinis/dpa

Die «Koalition der Willigen» zur Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge aus Griechenland wächst. Beim Treffen der EU-Innenminister hätten weitere Länder Bereitschaft signalisiert oder dies in Erwägung gezogen, sagte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson in Brüssel.

Auf ein gemeinsames Vorgehen können sich die 27 Staaten allerdings weiterhin nicht einigen. Einige Staaten lehnten den Vorstoß, Kinder und Jugendliche aus den völlig überfüllten Lagern auf den griechischen Ägäis-Inseln zu holen, vehement ab. Auch die Ausbreitung des Coronavirus könnte das Vorhaben noch erschweren.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hatte am Vortag angekündigt, dass es eine «Koalition der Willigen» aus sieben Staaten gebe. Diese wollten Griechenland insgesamt mindestens 1600 unbegleitete minderjährige Migranten und andere Flüchtlinge abnehmen. Neben Deutschland gehören Frankreich, Irland, Finnland, Portugal, Luxemburg und Kroatien dazu. Am Freitag hieß es in Brüssel, auch Bulgarien habe Bereitschaft gezeigt. Dies gelte auch für Italien - sobald sich die Krise um das Coronavirus entspannt habe.

Aktuell leben nach Angaben des griechischen Bürgerschutzministeriums mehr als 42.500 Migranten auf Lesbos, Samos, Kos, Leros und Chios - dabei liegt die Kapazität eigentlich bei rund 6000 Plätzen. Nach Angaben der EU-Kommission sind rund 5500 von ihnen unbegleitete Minderjährige. Neun von zehn seien 14 Jahre alt oder älter, hieß es unter Berufung auf griechische Behörden. Griechenland hatte die anderen EU-Staaten schon im Herbst um Hilfe gebeten.

Johansson sagte, nun gebe es ein gewisses Momentum. Luxemburg, das die Aufnahme von zehn unbegleiteten Minderjährigen angekündigt hatte, wolle die ersten Personen schon kommende Woche umsiedeln. Aber für jedes Land brauche es einen maßgeschneiderten Ansatz, der auch die Auswahlkriterien der jeweiligen Staaten berücksichtige - etwa das Alter oder die Sprache.

Mindestens 1600 Kinder und Jugendliche sollten umgesiedelt werden, sagte Johansson. Mit einigen Staaten sei man noch im Gespräch. Zuvor müsse sichergestellt werden, ob es bestimmte Maßnahmen braucht, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Deutschland und Frankreich dürften die meisten Kinder und Jugendlichen aus den Camps aufnehmen - wohl jeweils mehrere Hundert. Für die Bundesregierung hat die Aufnahme von kranken Kindern mit ihren Familien Priorität. Anschließend sollen unbegleitete Minderjährige - bestenfalls Mädchen unter 14 Jahren - berücksichtigt werden. Einige EU-Staaten, die keine Menschen aufnehmen wollten, wollten andere Formen der Unterstützung zeigen, sagte Johansson. Bei einer EU-Konferenz im Mai soll weitere Hilfe für jene Jugendliche zusammengetragen werden, die in Griechenland bleiben.

«Die Niederlande sind bereit, Griechenland jede Unterstützung zu geben, die es braucht», sagte am Freitag etwa die niederländische Migrationsministerin Ankie Broekers-Knol. «Aber wir sind nicht bereit, Kinder zu übernehmen.» Luxemburgs Minister Jean Asselborn warb hingegen erneut für die Übernahme der Minderjährigen: «Ich glaube, dass wir Griechenland damit auch helfen können.» Er hoffe, dass die Bemühungen nicht durch das Coronavirus gestoppt würden. Kroatiens Innenminister Davor Bozinovic betonte, man müsse die Ausbreitung des Coronavirus beim weiteren Vorgehen berücksichtigen.

Am griechisch-türkischen Grenzübergang bei Kastanies/Pazarkule herrschte am Freitagmorgen Ruhe. Am Vorabend hatten abermals zahlreiche Menschen von der türkischen Seite aus versucht, einen Grenzzaun auf der griechischen Seite zu durchbrechen, um illegal nach Griechenland und damit in die EU einzudringen. Hunderte Frontex-Einsatzkräfte nahmen derweil ihre Arbeit entlang der Landgrenze auf, wie die EU-Grenzschutzagentur mitteilte.

Auf der griechischen Insel Lesbos kamen derweil wieder deutlich mehr Menschen an als zuletzt. An Bord von zwei Booten kamen nach Berichten des staatlichen Fernsehens Griechenlands (ERT) 75 Menschen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am 7. März angeordnet, dass die türkische Küstenwache die Überfahrten stoppt. Seitdem hatten bis Freitagmorgen kaum Migranten die Meerengen zwischen der türkischen Küste und den griechischen Inseln überquert.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 03. 2020
18:56 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Europäische Kommission Europäische Union Flüchtlingskinder Innenminister Jean Asselborn Kinder und Jugendliche Migranten Minister Recep Tayyip Erdogan Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Staaten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ausharren

04.03.2020

Spannung an griechisch-türkischer Grenze wächst

Es soll Verletzte gegeben haben an der Grenze, sogar einen Toten. Griechenland und die Türkei überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen. Die EU-Innenminister verkünden eine harte Linie. » mehr

Todesopfer

08.10.2019

Seehofers Übergangslösung für Seenotrettung kommt kaum voran

Noch vor zwei Wochen war Innenminister Seehofer optimistisch, dass es bei der EU-Seenotrettung endlich Fortschritt gibt. Beim Treffen mit seinen EU-Kollegen zeigt sich jedoch: Ganz so schnell geht es nicht. » mehr

An der Grenze

09.03.2020

Erdogan in Brüssel: EU hält am Flüchtlingsabkommen fest

Gerettet ist das EU-Türkei-Abkommen nach dem Treffen zwischen Erdogan und den EU-Spitzen nicht. Kommissionschefin von der Leyen sprach dennoch von konstruktiven Gesprächen. Nach knapp zwei Stunden waren sie schon vorbei. » mehr

Beratungen in Ankara

04.10.2019

Seehofer: Flüchtlingspakt mit Athen und Ankara hilft uns

Das EU-Türkei-Abkommen soll auf stabilere Beine gestellt und die Lasten der EU-Grenzländer gerechter verteilt werden, fordert Seehofer während seiner Tour zum Thema Flüchtlinge von Ankara nach Athen. Sonst drohten Europa... » mehr

Kind

26.12.2019

Frontex-Direktor: Deutlich weniger unerlaubte EU-Einreisen

Für Schutz vor Verfolgung oder ein neues Leben, machen sich weniger Menschen auf den Weg nach Europa. In Italien ist die Zahl der Ankünfte von Migranten gesunken. In die Diskussion um Minderjährige in Griechenland schalt... » mehr

Horst Seehofer

03.03.2020

Seehofer offen für Aufnahme von Flüchtlingskindern

Die aufgeheizte Stimmung an der griechisch-türkischen Grenze treibt die deutsche Politik um. Unionsvertreter fordern klare Kante und zur Not auch eine Schließung der deutschen Grenze. Grüne, Linke und SPD sehen das ander... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Motorrad Waffenrod Waffenrod

Motorradunfall Waffenrod | 13.07.2020 Waffenrod
» 6 Bilder ansehen

Bad Salzungen

Gesuchte Männer | 13.07.2020 Bad Salzungen
» 5 Bilder ansehen

city skyliner weimar Weimar

City Skyliner in Weimar | 12.07.2020 Weimar
» 12 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 03. 2020
18:56 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.