Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Jüdischer Weltkongress fordert Verbot von Neo-Nazi-Parteien

Der Jüdische Weltkongress ehrt Angela Merkel als «Hüterin der Zivilisation». Die Bundeskanzlerin ruft die Deutschen auf, allen Antisemiten entgegenzutreten - und lässt eine Frage offen.



Verleihung des Theodor-Herzl-Preises an Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel (r, CDU) umarmt während der Verleihung des Theodor-Herzl-Preises, Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.   Foto: Peter Kneffel/dpa

Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat ein Verbot von Parteien gefordert, «die Neo-Nazi-Ideologie unterstützen».

Bei der Verleihung des Theodor-Herzl-Preises an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in München sagte WJC-Präsident Ronald Lauder, 75 Jahre nach Auschwitz erhebe der alte Judenhass wieder sein Haupt. Jetzt müsse gehandelt werden.

Die AfD, die bei der Landtagswahl am Sonntag zweitstärkste Partei geworden war, erwähnte er nicht namentlich. Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, sprach von einem «erschütternden Wahlergebnis» und einem «Abgrund von Hass und Intoleranz».

Merkel ging auf Lauders Forderung nicht ein. Sie rief die Gesellschaft zum Schulterschluss gegen jede Form des Antisemitismus auf: Er richte sich «gegen alles, was unser Land trägt und zusammenhält» und zeige sich «nicht erst in Gewalttaten, sondern schon viel früher und subtiler». Es gelte, den Anfängen zu wehren.

Das Attentat von Halle beschäme Deutschland zutiefst, sagte Merkel. Aber schon Pöbeleien gegen Juden auf der Straße seien nicht hinnehmbar. Rechtsextrem wie islamistisch motiviertem Antisemitismus und Angriffen auf das Existenzrecht Israels müsse entgegengetreten werden. Jüdisches Leben sei «Teil der Identität Deutschland», und Israels Sicherheit sei deutsche Staatsräson, sagte die Kanzlerin.

Lauder rief alle Parteien auf, Antisemiten in ihren Reihen auszuschließen. Antisemitische Straftaten müssten härter geahndet werden. Alle Synagogen und jüdischen Schulen müssten Polizeischutz erhalten. Dass die Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag vor drei Wochen ohne Polizeischutz gewesen sei und nur eine Tür ein größeres Massaker des rechtsextremen Attentäters verhindert habe, sei schockierend. Der rechtsextreme Täter hatte zwei Menschen erschossen.

«Wir müssen zusammenstehen gegen Antisemitismus, Rassismus, Islamophobie, Fremdenhass und Homophobie», forderte Lauder und lobte Merkel: Sie stehe wie ein Bollwerk dagegen und sei «die Hüterin der Zivilisation»: «Deutschland, Europa und dem Westen zuliebe wünsche ich Ihnen eine lange Amtszeit. Und wenn Sie manchmal ein wenig erschöpft sind, erinnern sie sich bitte daran, das wir sie brauchen!»

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte: «Wir sehen uns Bedrohungen und einem Gewaltpotenzial ausgesetzt, wie es vor Jahren niemand für möglich gehalten hätte». 2018 war die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit stark gestiegen. Die jüdische Gemeinschaft lasse sich aber nicht vertreiben, «wir bleiben da!» sagte Schuster und kehrte den Spieß um: «Und diejenigen, die das nicht wollen, dürfen gerne gehen, wenn ihnen das nicht passt.» Der Zentralratsvorsitzende kritisierte zugleich deutsche Politiker, die Israel diffamierten.

Lauder sagte, 27 Prozent der Deutschen zeigten antisemitische Einstellungen. Rechtsradikale Aufmärsche wie in Chemnitz und Dortmund seien inakzeptabel, ebenso wie die Freilassung eines Syrers, der mit einem Kampfmesser in eine Berliner Synagoge gestürmt sei.

Der Jüdische Weltkongress vertritt jüdische Gemeinden und Organisationen in 100 Ländern. Mit dem Preis ehrt er «herausragende Persönlichkeiten, die sich für Theodor Herzls Ideal einer sicheren und toleranten Welt für das jüdische Volk einsetzen». Die Bundeskanzlerin sagte, sie nehme den Preis an als Zeichen des Vertrauens der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.

Der Schriftsteller Theodor Herzl hatte vor dem Ersten Weltkrieg für die Gründung eines jüdischen Staates gekämpft. Frühere Preisträger waren die Familie Rothschild, der frühere US-Präsident Ronald Reagan, der frühere israelische Präsident Shimon Peres und der deutsche Verleger Axel Springer.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 10. 2019
21:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alternative für Deutschland Antisemitismus Attentate Attentäter Axel Caesar Springer Bundeskanzler der BRD Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU Charlotte Knobloch Gewaltdelikte und Gewalttaten Josef Schuster Juden Juden in Deutschland Judentum Jüdische Feiertage Jüdischer Weltkongress Ronald Reagan Schimon Peres Terrorismus Theodor Herzl Zentralrat der Juden in Deutschland
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Konzentrationslager Auschwitz

06.12.2019

Merkel warnt in Auschwitz vor Antisemitismus und Hassreden

Ihr erster Besuch im ehemaligen deutschen KZ Auschwitz-Birkenau fiel Kanzlerin Merkel ganz offensichtlich alles andere als leicht. Die Gedenkstätte sei Mahnung gegen Vergessen und Relativieren. Merkel wandte sich klar ge... » mehr

Gedenken

10.10.2019

Seehofer garantiert Juden nach Anschlag Sicherheit

Vier Schusswaffen, Sprengsätze, Bekennervideo und ein «Manifest». Für die Ermittler gibt es keinen Zweifel: Der rechtsextremistische Schütze von Halle plante ein Massaker in der Synagoge mit weltweiter Wirkung. Und die B... » mehr

Bodo Ramelow

16.10.2019

Attentäter von Halle wollte 2018 als Soldat zur Bundeswehr

Eine Woche nach dem Anschlag von Halle werden neue Details über den Attentäter bekannt. Sein perfides Internet-«Manifest» führt zudem zu Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen. » mehr

Solidarität

12.10.2019

Terroranschlag von Halle: Attentäter legt Geständnis ab

Die Bluttat von Halle sorgt für Bestürzung über Deutschland hinaus. In seinen Vernehmungen erweist sich Stephan B. als redselig - und bestätigt den Verdacht eines rechtsextremistischen Motivs. » mehr

Demonstration in Hamburg

12.10.2019

Bürger setzen Zeichen gegen Antisemitismus und rechte Gewalt

Die Botschaft ist eindeutig: «Wir stehen in dieser schweren Stunde zusammen.» Nach dem Anschlag von Halle gehen mehrere tausend Menschen auf die Straße, um gegen rechten Terror zu demonstrieren. » mehr

Josef Schuster

17.11.2019

Warnung vor Extremismus und Hass zum Volkstrauertag

Die Geschichte von zwei Weltkriegen mahnt: Zum Volkstrauertag ist die Warnung vor Hass und Populismus in aller Munde. Im Bundestag wird der Toten gedacht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Neues Löschfahrzeug in Crock Crock

Neues Löschfahrzeug Crock | 11.12.2019 Crock
» 5 Bilder ansehen

Unfall Schnee Laster Bedheim Bedheim

Laster-Unfall Bedheim | 11.12.2019 Bedheim
» 31 Bilder ansehen

Hubschrauber-Säge Baumbeschneidung Sonneberg Sonneberg

Baumfällarbeiten Sonneberg | 09.12.2019 Sonneberg
» 37 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 10. 2019
21:19 Uhr



^