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Brennpunkte

Jemen: Konfliktparteien setzen auf Entspannung

Tausende Menschen starben in Jemens Bürgerkrieg, Millionen Hungern infolge der größten humanitären Krise der Gegenwart. Nun deutet sich ein möglicher Wendepunkt an. Doch die Menschen im bitterarmen Land bleiben skeptisch.



Waffenruhe möglich
Ein Mann steht vor den Trümmern eines Gebäudes, das bei einem Luftangriff der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition getroffen wurde. Ihre Gegner, die Huthi-Rebellen, haben sich jetzt zu einer Waffenruhe bereit erklärt.   Foto: Hani Al-Ansi » zu den Bildern

Nach dreieinhalb Jahren verheerendem Bürgerkrieg mit Tausenden Toten steigt die Hoffnung auf einen Friedensprozess im Jemen.

Die Huthi-Rebellen verkündeten in der Nacht zum Montag in einem «Akt des guten Willens» ihren Verzicht auf Raketen- und Drohnenangriffe auf ihre Feinde. Sollte die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition zum Frieden bereit sein, so seien es auch die Aufständischen, teilte Mohammed al-Huthi, Anführer des Revolutionskomitees der Rebellen, auf Twitter mit.

Am Montag bestätigte die von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Regierung dann, dass sie bei anstehenden Friedensgesprächen mit den Huthis in Schweden teilnehmen würden. In einem Brief an den UN-Vermittler Martin Griffiths betonte die Regierung eigenen Angaben zufolge die Wichtigkeit, dass die Aufständischen an den Konsultationen «ohne Bedingungen» teilnähmen. Saudi-Arabiens König Salman sagte bei einer Rede in Riad, man unterstützte weiterhin eine politische Lösung in dem Konflikt.

Vermittler Griffiths hatte vor wenigen Tagen vor dem UN-Sicherheitsrat in New York neue Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien angekündigt. Das Treffen, bei dem ein Fahrplan zu einer Übergangsregierung diskutiert werden soll, werde «in Kürze» stattfinden, sagte Griffiths, ohne ein Datum zu nennen. Außerdem hätten sich Regierung und Rebellen auf den Austausch von Gefangenen geeinigt. Erst im September waren politische Gespräche zwischen den Kontrahenten mangels Teilnahme der Rebellen gescheitert.

Die Vereinten Nationen bezeichnen den Krieg im Jemen als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Dort kämpfen Truppen aufseiten des ins Exil geflohenen, aber international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die weite Teile des Nordens inklusive der Hauptstadt Sanaa kontrollieren. Seit 2015 bombardiert ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis Stellungen der Huthis aus der Luft, wobei bereits Tausende Zivilisten getötet wurden. Die Aufständischen hatten vor allem das benachbarte Saudi-Arabien immer wieder mit Raketen angegriffen.

Die Voraussetzungen für Friedensgespräche scheinen nun deutlich besser als noch im September. So hatten die regierungstreuen Truppen zuletzt ihre Angriffe auf die strategisch zentrale Hafenstadt Hudaida weitgehend eingestellt. Dort hatten zuvor schwere Kämpfe gewütet. Über den Küstenort am Roten Meer läuft ein Großteil des Nachschubs für die Gebiete unter Huthi-Kontrolle im Norden des bitterarmen Landes. Eine Eroberung durch die arabische Koalition würde für die Huthis eine möglicherweise entscheidende Niederlage bedeuten.

Zuletzt bröckelte zudem der Rückhalt der Rebellen unter ihren Anhängern. Vor gut einer Woche lief ihr ehemaliger Informationsminister Abdel-Salam Dschabir zum Feind über und gab eine Pressekonferenz in Riad. Dort ließ er kein gutes Haar an den Aufständischen: «Die Milizen schicken im Namen der Religion Kinder in den Krieg», sagte Dschabir. «Ihre letzten Tage» seien angebrochen.

Doch auch die saudisch geführte Militärkoalition geriet zuletzt stärker in Bedrängnis. Unter dem Eindruck der Affäre um den in Istanbul getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verlangten die USA als wichtiger Verbündeter Riads neue Friedensgespräche in dem festgefahrenen Konflikt. «Es ist Zeit für ein Ende der Kampfhandlungen», forderte US-Außenminister Mike Pompeo in einer Stellungnahme Anfang des Monats. Als Voraussetzung für neue Gespräche nannte er ein Ende der nun von den Huthis eingestellten Raketen- und Drohnenangriffe.

Der Jemen ist nach Jahren des Krieges ausgezehrt: Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen sind vielerorts zerstört. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO hat mehr als die Hälfte der 28 Millionen Jemeniten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Mehr als 22 Millionen Menschen sind nach UN-Angaben auf humanitäre Hilfe angewiesen. Über 28 000 Menschen sind seit Beginn des Bürgerkriegs nach UN-Schätzungen umgekommen, davon rund 10.000 Zivilisten.

Die Menschen in dem bitterarmen Land auf der arabischen Halbinsel sind angesichts der Entwicklungen vorsichtig hoffnungsvoll. «Es ist genug mit Töten, Zerstörung und Vertreibung», sagt Imad Hassan, der selbst vor der Gewalt aus Hudaida nach Sanaa fliehen musste. Seine Familie lebt von Hilfsgütern, eines seiner Kinder ist unterernährt. Unter diesen Umständen könne niemand überleben, meint er.

Auch Haditha Kaid sehnt sich nach einem normalen Leben ohne astronomische Kosten für Lebensmittel und Treibstoff. «Wir träumen vom Frieden, dass die Preise wieder sinken und die nationale Währung an Wert gewinnt». Der Jemen könne sich nicht noch mehr Angst und Trauer leisten. Doch trotz der Entspannungssignale der Konfliktparteien bleiben viele Jemeniten skeptisch - dafür sind schon zu viele Anläufe für einen Frieden gescheitert.

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dpa

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19. 11. 2018
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