Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Jemen-Gespräche starten mit Hoffnung und Bangen

Gefangene sollen ausgetauscht, die Kämpfe eingedämmt und die humanitäre Hilfe verbessert werden: Die Jemen-Gespräche beschäftigen sich zunächst damit, Vertrauen im verheerenden Konflikt mit Millionen Notleidenden aufzubauen. Doch der Weg zu einem Durchbruch ist weit.



Jemen-Gespräche beginnen
Vier Jahre schon dauert der Bürgerkrieg im Jemen. Jetzt beginnen Friedensgespräche in Stockholm.   Foto: Hani Mohammed/AP/Archiv » zu den Bildern

Nach mehr als vier Jahren Bürgerkrieg im Jemen haben Friedensgespräche für das kriegszerrüttete Land begonnen. Millionen Notleidende hoffen dort auf ein Ende ihres Martyriums.

Das Zusammentreffen der Konfliktparteien sei «ein Meilenstein», sagte UN-Vermittler Martin Griffiths zum Auftakt des Treffens zwischen Regierung und Rebellen am Donnerstag in Schweden. «Ich bin sicher, wir werden eine Botschaft des Friedens senden.»

Zunächst wurde der Austausch von tausenden Gefangenen zwischen den Rivalen verkündet. Dann begannen die Gespräche - allerdings nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern indirekt in getrennten Räumen.

Im Jemen kämpft die international anerkannte Regierung gegen die Huthi-Rebellen, die weite Teile im Norden des Landes sowie die Hauptstadt Sanaa kontrollieren. Die Regierung wird seit 2015 von einer saudisch geführten Koalition unterstützt, die mit ihren Luftangriffen maßgeblich zur Eskalation des Konflikts beigetragen hat.

Die Infrastruktur des Jemens ist infolge von Bombenangriffen und Gefechten teilweise zerstört. In einigen Regionen gibt es keine medizinische Versorgung - die Vereinten Nationen sprechen von der schwersten humanitären Krise der Welt. Dem UN-Nothilfebüro (Ocha) zufolge starben durch die Kämpfe allein etwa 10 000 Zivilisten.

Zum Beginn des Treffens im Ort Rimbo nördlich von Stockholm lobte Griffiths die Zeichen der Deeskalation beider Seiten in den vergangenen Wochen. Er verkündete zudem eine Einigung über einen Gefangenenaustausch: «Dies wird dazu führen, dass Tausende Familien wieder vereint sind.» Wann genau der Austausch stattfinden wird, blieb zunächst unklar.

Nach UN-Angaben handelt es sich um die erste formelle Einigung beider Parteien seit Beginn des Konflikts. Dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zufolge sind etwa 5000 bis 8000 Gefangene betroffen.

Die Gespräche sollen zunächst dem Aufbau von Vertrauen dienen. Dabei geht es Griffiths zufolge um die Beruhigung der Kämpfe unter anderem in der strategisch wichtigen Hafenstadt Hudaida, die Wiedereröffnung des von der saudischen Koalition blockierten Flughafens in Sanaa, wirtschaftliche Unterstützung sowie den besseren Zugang für humanitäre Hilfe.

Konkrete Verhandlungen über ein politisches Regelwerk zur Beendigung des Krieges werde es noch nicht geben. Man wolle aber über die groben Umrisse einer solchen Regelung reden.

Die Gespräche dürften in den kommenden Tagen trotz der Entspannungssignale und des internationalen Drucks kompliziert werden. Das Außenministerium der jemenitischen Regierung hatte direkt vor den Gesprächen noch einmal darauf gedrungen, dass Hudaida laut einer UN-Resolution von den Rebellen übergeben werden müsse. Die Aufständischen weigern sich allerdings, die Kontrolle über die Stadt aufzugeben, die ihnen Versorgung aus dem Ausland garantiert.

Bundesaußenminister Heiko Maas warnte vor einer humanitären Katastrophe im Jemen, falls die Gespräche scheitern sollten. Es sei Druck auf beide Seiten notwendig, sagte Maas am Donnerstag. Es müsse einen Waffenstillstand und ungehinderte humanitäre Hilfe geben. «Sonst werden dort viele, viele Menschen sterben und das müssen wir unter allen Umständen verhindern.»

Das Welternährungsprogramms (WFP) kündigte indessen an, seine Nahrungsmittellieferungen aufzustocken. Bis Ende Januar sollen bis zu 12 der etwa 28 Millionen Jemeniten vom WFP mit Nahrung versorgt werden. Bislang hatte das Programm eigenen Angaben zufolge etwa sieben bis acht Millionen vom Hunger bedrohte Menschen in dem bitterarmen Land auf der arabischen Halbinsel unterstützt. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen forderte für seine Mitarbeiter Zugang zu Bedürftigen sowie den Schutz von Krankenhäusern und Gesundheitspersonal.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 12. 2018
15:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aufständische und Rebellen Deutsche Presseagentur Gespräche Heiko Maas Humanitäre Desaster Humanität Kämpfe Medizinisches Personal Notleidende Rotes Kreuz Tawakkul Karman Twitter UNO Ärzte ohne Grenzen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
UN-Sicherheitsrat

12.07.2020

UN-Sicherheitsrat verlängert Syrienhilfe eingeschränkt

2,8 Millionen Menschen sind im Nordwesten Syriens auf Hilfsgüter angewiesen. Mit einem Beschluss des UN-Sicherheitsrats kommen diese jetzt nur noch über einen Grenzübergang ins Land. Weil sie zu wenig zu Essen haben, sol... » mehr

Zerbombte Stadt

09.07.2020

Sicherheitsrat bei Syrien-Hilfe blockiert

Seit 2014 bekommen Notleidende in Syrien humanitäre Hilfe von den UN - nun steht die Unterstützung mitten in der Corona-Pandemie auf der Kippe. Bis Freitag muss der UN-Sicherheitsrat eine Lösung finden. » mehr

Im Flüchtlingslager

11.07.2020

Neue Abstimmung im Sicherheitsrat zu Syrienhilfe

Die humanitäre Hilfe der UN war sechs Jahre lang eine Lebensader für Millionen notleidende Syrer. Zuletzt konnte sie wegen des Widerstands von Russland und China nicht fortgesetzt werden. Der UN-Sicherheitsrat will nun e... » mehr

Donald Trump

19.05.2020

Trump attackiert WHO - Länder für fairen Zugang zu Impfstoff

Seine Vorwürfe gegen die WHO sind nicht neu, seine Drohungen dafür umso heftiger. US-Präsident Donald Trump will eine andere WHO - und zwar schnell. Die Botschaft aus Washington überschattet die Jahrestagung der Organisa... » mehr

UN-Sicherheitsrat

10.07.2020

Kompromiss für Syrienhilfe scheitert im UN-Sicherheitsrat

Die humanitäre Hilfe der UN ist seit sechs Jahren eine Lebensader für Millionen notleidende Syrer. Nun könnte sie vor allem wegen des Widerstands Russlands vor dem Aus stehen. Unklar ist, ob ein Gegenvorschlag noch zu ei... » mehr

Geberkonferenz

09.08.2020

Libanon-Geberkonferenz sammelt über 250 Millionen Euro ein

Mit der Katastrophe von Beirut droht der Libanon in seine nächste politische Krise abzurutschen. Bevor die Diskussion über eine Neuwahl ins Rollen kommt, räumen zwei Minister schon ihren Posten. Zugleich sagen internatio... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Picknickkonzert in Kloster Veßra Kloster Veßra

Picknick-Konzert Kloster Veßra | 14.08.2020 Kloster Veßra
» 12 Bilder ansehen

Dachstuhl geht in Flammen auf

Dachstuhlbrand in Sonneberg |
» 29 Bilder ansehen

Unwetter Meiningen 11.08.20 Meiningen

Starkregen in Meiningen | 11.08.2020 Meiningen
» 4 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 12. 2018
15:26 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.