Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Israelische Forscher drucken Herz aus menschlichem Gewebe

Herzkrankheiten gehören weltweit zu den führenden Todesursachen. Spenderherzen sind knapp. Israelische Forscher haben jetzt den Prototyp eines Herzes aus menschlichem Gewebe gedruckt. Bis zum klinischen Einsatz ist der Weg jedoch noch sehr weit.



Prototyp
Der Prototyp, dessen Zellen sich noch nicht synchron zusammenziehen können, hat in etwa die Größe eines Hasenherzens.   Foto: Ilia Yefimovich » zu den Bildern

Israelische Forscher haben mit einem 3D-Drucker ein Mini-Herz aus menschlichem Gewebe erzeugt. Der Prototyp, dessen Zellen sich allerdings noch nicht synchron zusammenziehen können, habe die Größe eines Hasenherzens, sagte Studienleiter Tal Dvir von der Universität Tel Aviv.

Das Herz bestehe aus Gewebe und Blutgefäßen und verfüge über Kammern. Es sei vergleichbar mit dem Herz eines menschlichen Fötus. Die Forscher stellen ihre Entwicklung auch im Fachblatt «Advanced Science» vor. Ein deutscher Experte spricht angesichts des Mangels an Spenderorganen von «wichtiger Forschung».

«Wir entnehmen per Biopsie Fettgewebe eines Patienten», erläuterte der Biotechnologe Dvir den Prozess. Dann würden zelluläre und nicht-zelluläre Bestandteile getrennt. «Die Fettzellen werden zu Stammzellen umprogrammiert, diese differenzieren sich wiederum in Herzzellen, Endothelzellen und andere.» Das extrazelluläre Material wie etwa Strukturproteine wurde demnach zu Hydrogelen verarbeitet, die dann mit den verschiedenen Zelltypen vermischt wurden. Aus diesen «Bio-Tinten» erzeugte der 3D-Drucker dann das Mini-Herz.

«Das Herz ist komplett kompatibel mit dem Patienten, weil es aus seinem eigenen Gewebe geschaffen ist, und wird deshalb keine Immun-Gegenreaktion auslösen», sagte Dvir. «Es ist das erste Mal, dass ein ganzes Herz mit Zellgewebe und Blutgefäßen gedruckt wurde.» In ähnlichen Versuchen seien bisher nur synthetische Stoffe oder anderes natürliches Gewebe verwendet worden.

Nun wollen die Forscher den Prototypen in einem speziellen Bioreaktor reifen zu lassen. «Die Zellen sollen lernen, besser miteinander zu interagieren, bessere elektrische Signale zu geben, so dass das Herz pumpen kann.» Binnen eines Jahres sollen solche Herzen in Tierversuchen an Hasen oder Ratten getestet werden.

Bis zu einem möglichen klinischen Einsatz beim Menschen dauere es aber noch viele Jahre, sagte Dvir. «Wir hoffen, das wir innerhalb von zehn Jahren 3D-Drucker in Krankenhäusern haben, die verschiedene Arten von Gewebe drucken können.» Auf dem Weg dorthin gebe es noch viele Herausforderungen. Deshalb könne er nicht voraussagen, wann das erste gedruckte Herz bei einem Menschen implantiert werde. «Wir können nur hoffen, dass es in etwa zehn Jahren soweit sein wird.»

Herzkrankheiten seien die führende Todesursache in Industrieländern, schreiben die Forscher in «Advanced Science». Derzeit sei eine Herztransplantation die einzige Therapie für Patienten mit Herzinsuffizienz im Endstadium. Angesichts des Mangels an Spenderherzen bestehe die dringende Notwendigkeit, neue Behandlungsansätze für solche Patienten zu entwickeln, betonen die Forscher.

«Es ist eine wichtige Forschung, weil wir in Deutschland zu wenige Organspender haben und deshalb Alternativen dringend gesucht werden», sagt Hermann Reichenspurner, Leiter der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), der nicht an der Studie beteiligt war. «Es gibt zwar Kunstherzen, aber die sind vor allem im Langzeitverlauf mit menschlichen Spenderherzen nicht vergleichbar.» Bei dem israelischen Projekt sei «der Vorteil, dass es körpereigene Zellen wären» und es damit zu keiner Abstoßungsreaktion gegen das Organ käme.

In Deutschland befasse man sich seit Jahren mit der Züchtung von «Flecken» aus Herzgewebe, erklärt der Herzchirurg. Diese könnten in Zukunft Teile eines kranken Herzen ersetzen. Insgesamt sei die Forschung in dem Bereich aber sehr aufwendig und bisher nur im Kleintiermodell etabliert. Bis zum Einpflanzen eines gezüchteten Herzen beim Menschen «muss man damit rechnen, dass noch deutlich mehr als zehn Jahre vergehen werden», betont Reichenspurner.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 04. 2019
15:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
3D-Druck Blutgefäße Forschung Herzchirurginnen und Herzchirurgen Herzkrankheiten Herztransplantationen Klinische Medizin Patienten Universitätskliniken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Leichenwagen

Aktualisiert am 26.03.2020

Elsass: Patienten über 80 werden nicht mehr beatmet

Das Elsass gilt als Corona-Zentrum in Frankreich. Die Lage dort ist schlimm. Unweit von Deutschland werden alte Corona-Kranke nun nicht länger beatmet. Wird das auch in Baden-Württemberg bald so sein? » mehr

Quarantäne in Hongkong

13.02.2020

Sars-CoV-2: Erster Patient in Bayern entlassen

Plötzlich werden deutlich mehr Fälle erfasst: In China sorgt die Statistik zu Coronavirus-Infizierten für eine Überraschung. Aus Deutschland gibt es eine gute Nachricht. » mehr

Dexamethason

17.06.2020

Entzündungshemmer gegen Covid-19 - noch viele Fragen offen

«Großartige Neuigkeiten» werden bei der Weltgesundheitsorganisation bejubelt. Erstmals scheint ein Medikament die Sterblichkeit bei Covid-19 merklich mindern zu können. Deutsche Experten sehen aber noch eine Reihe offene... » mehr

Schlachtbetrieb von Tönnies

23.07.2020

Forscher finden möglichen Corona-Superspreader bei Tönnies

Was hat den massenhaften Fund von Corona-Infizierten bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ausgelöst? Forscher sind der Antwort auf diese Frage jetzt auf die Spur gekommen. » mehr

Deutschlands schwerster Steinmeteorit

17.07.2020

Meteoritenfund - Sensation schlummerte Jahrzehnte im Garten

Jahrzehnte liegt ein Brocken im Garten von Hansjörg Bayer. Er hält ihn für einen Stein, wenn auch ein ungewöhnlicher. Irgendwann lässt er einen Fachmann einen Blick darauf werfen und erfährt: Der vermeintliche Stein ist ... » mehr

Klaus Reinhardt

22.06.2020

Ärzte für Krisen-Puffer bei Kliniken-Kapazitäten

Die Krankenhäuser haben die Corona-Krise bisher bewältigen können - auch dank frei gehaltener Betten. Das hat sich in den Augen der Ärzte bewährt. Handlungsbedarf sehen sie bei anderen wichtigen Fragen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand in Meiningen Meiningen

Brand Spartenheim Meiningen | 04.08.2020 Meiningen
» 17 Bilder ansehen

Brand Muellverbrennung

Brand Müllverbrennung Zella-Mehlis | 02.08.2020 Zella-Mehlis
» 25 Bilder ansehen

Waldbrand Lauscha

Waldbrand Lauscha | 02.08.2020 Lauscha
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 04. 2019
15:32 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.