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Integrationskurse: Fast die Hälfte scheitert beim Sprachtest

Die deutsche Sprache gilt als zentrale Voraussetzung dafür, sich in Deutschland zurechtzufinden. Viele Geflüchtete tun sich trotz Integrationskurs schwer mit der Sprache - aber längst nicht alle.



Integrationskurs
Die im Jahr 2005 eingeführten Integrationskurse bestehen aus einem Deutschkurs und einem «Orientierungskurs» zur Rechts- und Gesellschaftsordnung.   Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv

Viele Zuwanderer scheitern beim Deutschtest am Ende der Integrationskurse oder erreichen nur ein geringes Sprachniveau. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD-Fraktion sowie aus Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hervor.

Allerdings erreichten in den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 laut Bamf 52,3 Prozent der Testteilnehmer das Sprachniveau B1. Weitere 33,5 Prozent kamen auf das niedrigere Sprachniveau A2. Über die vom Bundestag veröffentlichte Regierungsantwort berichtete die «Neue Osnabrücker Zeitung» (Freitag) zuerst.

Demnach gab es nach anderen, vorläufigen Zahlen 2018 insgesamt 202 000 Kursteilnehmer. Rund 109.000 absolvierten einen vorgesehenen Deutsch-Kurs sowie einen Test «Leben in Deutschland» erfolgreich.

Der Integrationsforscher Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit, mahnte allerdings zur Vorsicht bei der Interpretation der Angaben. In der Gesamtzahl der Teilnehmer seien unterschiedliche Gruppen zusammengefasst, sagte Brücker der Deutschen Presse-Agentur.

Von den Teilnehmern der Integrationskurse erreichten 61 Prozent das erwünschte Sprachniveau B1, weitere 31 Prozent kamen auf das Niveau A2. Beim Niveau B1 kann man laut Gemeinsamem Europäischen Referenzrahmen die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Sprache verwendet wird und es um vertraute Dinge geht. Bei A1 können die Personen Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen und sich in einfachen Situationen verständigen.

Im Alphabetisierungskurs erreichten laut Brückner 17 Prozent das B1-Niveau, 43 Prozent das niedrigere Level A2.

Dass die Durchfaller-Quote von 40 auf 45 Prozent gestiegen sei, wie es die AfD aus den Regierungsangaben geschlussfolgert hatte, wies Brückner zurück. Das Bamf hatte nach Kritik an mangelhaften Kursen die Qualitätskontrolle im vergangenen Jahr nach Angaben des Innenministeriums «erheblich» verstärkt.

Ein Sprecher des Ministeriums betonte, die Bilanz sei nicht durchweg negativ. Die Zahl der Absolventen, die im Deutschkurs das Sprachniveau B1 oder A2 erreichten, sei nahezu unverändert. Dies seien «kleine Erfolge». Brücker sagte, unter den Gesichtspunkten der Integration auf dem Arbeitsmarkt sei ein höheres Niveau wünschenswert als vielfach erreicht.

Die im Jahr 2005 eingeführten Integrationskurse bestehen aus einem Deutschkurs und einem «Orientierungskurs» zur Rechts- und Gesellschaftsordnung. Der Sprachkurs umfasst 600 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten.

In drei Fällen stellte das Bamf im vergangenen Jahr Strafanzeigen gegen Anbieter von Integrationskursen, wie aus der Regierungsantwort weiter hervorgeht. Bei sechs Kursträgern wurde die Zulassungen widerrufen und bei zehn Trägern eine Folgezulassung nicht erteilt. Ein Bamf-Sprecher sagte, strafrechtlich relevantes Verhalten sei selten. Bundesweit arbeitet das Bamf seinen Worten zufolge mit etwa 1700 Trägern von Sprachkursen zusammen.

Immer wieder war zuletzt gefordert worden, die Integrationskurse weiter zu verbessern. So hatte die schwarz-gelbe Regierungskoalition in Nordrhein-Westfalen im Januar verlangt, die Zahl der Deutschstunden für Menschen ohne Schulabschluss zu erhöhen und die Teilnehmerzahl der Kurse zu verkleinern. Erwartet wird, dass das Thema auch eine Rolle bei der Integrationsministerkonferenz am 11. und 12. April in Berlin spielt.

Die im Haushalt veranschlagten Mittel für Integrationskurse stiegen dem Zeitungsbericht zufolge von 610 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 765 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Die Teilnehmerzahl sank im gleichen Zeitraum um 90.000. Einem Bericht der «Welt» zufolge waren unter den Erstteilnehmern vor allem Syrer (39.000), Afghanen (15.000) Iraker (13.000), Rumänen (12.000), Türken (9000) und Bulgaren (8000). Fast 45 000 konnten zuerst nicht Lesen und Schreiben.

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 03. 2019
17:39 Uhr

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22. 03. 2019
17:39 Uhr



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