Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Hongkonger wollen Arbeit niederlegen

Trotz deutlicher Warnungen Pekings verliert die Protestbewegung in Hongkong nicht an Schwung. Nach zahlreichen Massenprotesten ist nun erstmals auch ein großer Streik geplant.



Straßensperre
Demonstranten behindern mit Barrikaden den Straßenverkehr mehrerer Straßen.   Foto: Vincent Thian/AP » zu den Bildern

Zwei Monate nach Ausbruch der Proteste gegen die Regierung wegen eines geplanten Auslieferungsgesetzes wollen Tausende Hongkonger am Montag ihre Arbeit niederlegen.

Der Streik soll die «starke Unzufriedenheit der Hongkonger Bürger mit der politischen Ungerechtigkeit auszudrücken», hieß es am Sonntag in einer Mitteilung eines Bündnisses, das zu der Aktion aufgerufen hatte.

Mindestens 14.000 Menschen aus 20 Sektoren wollen sich an dem Streik beteiligen, wie die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» berichtete. Ausgangspunkt der Proteste war ein Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China; inzwischen richtet sich der Unmut der Menschen gegen die Polizeigewalt bei Protesten.

Unter anderem Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe, Sozialarbeiter, Erzieher, Angestellte in der Finanzbranche und von Fluggesellschaften wollen demnach die Arbeit niederlegen und sich in acht Bezirken der Stadt an Protestaktionen beteiligen. Auch zahlreiche Cafés und Geschäfte sollen am Montag geschlossen bleiben.

Derweil kam es am Wochenende erneut zu Protesten. Am Sonntag zogen Tausende Demonstranten bei friedlichen Protestmärschen durch die Stadt. Später am Abend errichteten Protestler Barrikaden und blockierten Straßen. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Bei ähnlichen Ausschreitungen am Samstagabend wurde eine Polizeiwache nach einem Marsch von Protestierenden umstellt und mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. An mehreren Stellen wurde auf Straßen Feuer gelegt. Am Hafen entfernten Protestler eine chinesische Flagge von einem Fahnenmast und warfen sie ins Wasser. Die Zentralregierung in Peking und das Verbindungsbüro der chinesischen Regierung in Hongkong verurteilten die Aktion scharf.

Zuletzt hatten sich auch Tausende Beamte und Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes mit einer Kundgebung den Protesten angeschlossen. Weitere Aktionen sind geplant.

Bei Ausschreitungen in den vergangenen Wochen gab es Dutzende Verletzte. Bisher wurden 44 Demonstranten wegen Randale angeklagt. Auch am Samstag kam es zu 20 neuen Festnahmen.

Beobachter sehen in den Protesten die schwerste politische Krise Hongkongs seit der Rückgabe an China vor 22 Jahren. Auch in der neunten Woche der Proteste gibt es keine Anzeichen, dass sich die Bewegung abschwächt. Die Zentralregierung in Peking hat die Ausschreitungen mehrfach scharf verurteilt und die Regierung und die Polizei vor Ort aufgefordert, wieder Ordnung herzustellen.

Auch der Chef der chinesischen Streitkräfte in Hongkong verurteilte in dieser Woche erstmals die andauernden Ausschreitungen. Die Unruhen hätten das Leben und die Sicherheit der Menschen ernsthaft bedroht und sollten nicht toleriert werden, sagte Chen Daoxiang.

Zeitgleich zu den Protesten der Regierungsgegner versammelten sich am Samstag in einem anderen Teil der Stadt Tausende Gegendemonstranten, die sich hinter die Arbeit der Hongkonger Polizei stellten.

In der Finanzmetropole gibt es seit fast zwei Monaten zu Kundgebungen mit Hunderttausenden Teilnehmern. Wiederholt kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hat das Gesetz zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China, das den Anlass für die Proteste gegeben hatte, mittlerweile zwar für «tot» erklärt. Die Proteste haben sich aber zu einer breiteren Bewegung gegen die Regierung und das harte Vorgehen der Polizei entwickelt.

Viele Menschen befürchten einen zunehmenden Einfluss Pekings und fordern demokratische Reformen. Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert. Anders als die Menschen in der Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 08. 2019
16:44 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chinesische Regierungen Demonstranten Demonstrationen Gegendemonstranten Krawalle Polizei Polizeigewalt Protestbewegungen Protestierer Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungsgegner Tränengas
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Proteste in Hongkong

13.08.2019

Hongkongs Regierungschefin verteidigt Vorgehen der Polizei

Am Tag nach dem Stillstand läuft der Betrieb am Hongkonger Flughafen langsam wieder an. Doch weitere Proteste sind angekündigt. Regierungschefin Lam stärkt der in die Kritik geratenen Polizei den Rücken. » mehr

Festnahme

13.10.2019

Erneut Demonstrationen und Krawalle in Hongkong

Seit mehr als vier Monaten kommt die chinesische Sonderverwaltungszone nicht zur Ruhe. Auch von dem verhängten Vermummungsverbot lassen sich die Demonstranten nicht stoppen. » mehr

Proteste in Hongkong

02.09.2019

China verurteilt Gewalt in Hongkong - 159 Festnahmen

Bei den Ausschreitungen am Wochenende in Hongkong wurden 159 Personen festgenommen. Chinas Führung ist empört über die Eskalation der Gewalt. Die Proteste gehen mit einem Unterrichtsstreik weiter. » mehr

Demo

31.08.2019

Schwere Zusammenstöße bei Protesten in Hongkong

Die Festnahme führender Köpfe der Demokratiebewegung in Hongkong hat die Atmosphäre aufgeheizt. Trotz des Verbots einer Großdemonstration protestieren wieder Tausende. China rasselt mit dem Säbel. » mehr

Proteste in Hongkong

01.09.2019

Proteste in Hongkong - Ist China «bereit für den Kampf»?

Seit drei Monaten wird in Hongkong demonstriert. Auf friedliche Märsche folgen oft Ausschreitungen. Die Gewalt eskaliert. Peking rasselt mit dem Säbel. In dem Klima reist die Kanzlerin nach Peking. » mehr

Joshua Wong und Agnes Chow

09.09.2019

Hongkonger Aktivist Joshua Wong auf dem Weg nach Deutschland

Der 22 Jahre alte Demokratie-Kämpfer war auf dem Weg nach Berlin, als ihn Polizisten am Hongkonger Flughafen festnahmen. In der Finanzmetropole kam es am Samstag und Sonntag zu neuen Protesten und Ausschreitungen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall B 281 Sachsenbrunn Sachsenbrunn

Unfall B281 Sachsenbrunn | 16.10.2019 Sachsenbrunn
» 14 Bilder ansehen

Gebäudebrand Merbelsrod Merbelsrod

Gebäudebrand Merbelsrod | 15.10.2019 Merbelsrod
» 14 Bilder ansehen

Ausschreitung Asylheim Suhl Suhl

Ausschreitung Asylheim Suhl | 15.10.2019 Suhl
» 11 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 08. 2019
16:44 Uhr



^