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Heftige Kritik an Trump wegen Drucks bei Corona-Impfung

Donald Trump wünscht sich rechtzeitig vor der Präsidentenwahl einen Corona-Impfstoff. Jetzt setzt er die für die Zulassung zuständige Behörde unter Druck - und erntet heftige Kritik.



Kritik an Trump
Trump hatte auf Twitter behauptet, bei der FDA erschwerten ihm feindlich gesinnte Beamte die Entwicklung von Corona-Medikamenten und Impfstoffen, damit es vor der Wahl am 3. November keine Erfolgsmeldung geben könne.   Foto: Andrew Harnik/AP/dpa

Gesundheitsexperten und führende Demokraten haben US-Präsident Donald Trump dafür kritisiert, die für die Zulassung eines Corona-Impfstoffs zuständige Behörde unter Druck zu setzen.

Trumps Einmischung in die wissenschaftliche Arbeit der Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) gefährde die Gesundheit aller Amerikaner, erklärte die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Die FDA müsse aufgrund der Verträglichkeit und Wirksamkeit eines Impfstoffs entscheiden, «nicht wegen politischen Drucks aus dem Weißen Haus», schrieb die Demokratin auf Twitter.

Die Epidemiologin Caitlin Rivers von der Universität Johns Hopkins in Baltimore erklärte: «Eine Impfung muss sicher, wirksam und vertrauenswürdig sein.» Alle drei Kriterien müssten erfüllt werden. «Es wäre eine Tragödie, wenn Politiker aus politischen Gründen die eine Sache in Gefahr bringen würden, die uns erlauben könnte, zu unserem normalen Leben zurückzukehren», schrieb Rivers auf Twitter. Der frühere Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC, Tom Frieden, mahnte, bei der Entwicklung von Impfstoffen dürften keine Abkürzungen genommen werden. Der Prozess müsse transparent und rigoros sein.

Trump hatte zuvor auf Twitter behauptet, bei der FDA erschwerten ihm feindlich gesinnte Beamte die Entwicklung von Corona-Medikamenten und Impfstoffen, damit es vor der Wahl am 3. November keine Erfolgsmeldung geben könne. Vertreter eines «tiefen Staates, oder wer auch immer», machten es den Pharmaunternehmen schwer, Probanden für Medikamente und Impfstoffe zu finden, schrieb er weiter. An Behördenchef Stephen Hahn gerichtet schrieb er: «Wir müssen uns auf Geschwindigkeit und das Retten von Leben konzentrieren.»

Trumps Stabschef Mark Meadows verteidigte die Aussagen des Präsidenten am Sonntag. Manche Beamte und Wissenschaftler wollten trotz der hohen Dringlichkeit Dienst nach Vorschrift machen, sagte er dem Fernsehsender ABC. Der Präsident mache Druck, um die Bürokratie zu reduzieren. «Er musste sicherstellen, dass sie die Hitze spüren. Wenn sie das Licht nicht selbst sehen, dann müssen sie die Hitze fühlen», sagte Meadows. «Die Menschen in Amerika leiden», sagte er.

Das Weiße Haus kündigte indes für Sonntagabend (Ortszeit; ab Mitternacht MESZ) eine Pressekonferenz Trumps mit FDA-Chef Hahn an. Dabei werde es um einen «bedeutenden therapeutischen Durchbruch» gehen, erklärte Trumps Sprecherin. Worum es genau gehen sollte, blieb zunächst unklar. Zuletzt hatten US-Medien berichtet, dass Trump eine Zulassung der Covid-Behandlung mit aus Blutplasma gewonnenen Antikörpern forcieren wollte. Die Antikörper stammen dabei aus dem Plasma von Menschen, die diese nach einer natürlichen Infektion gebildet haben. Die sogenannte Immunplasma-Therapie wird in den USA noch erprobt. Deren Wirksamkeit ist bislang nicht abschließend geklärt.

Trump bewirbt sich im November um eine zweite Amtszeit. Die Corona-Pandemie und die von ihr ausgelöste Wirtschaftskrise könnte ihn Umfragen zufolge aber einen Wahlsieg kosten. Trump hatte bereits zuvor gesagt, er hoffe, dass es etwa zur Zeit der Wahl einen Impfstoff geben werde. Experten haben allerdings gewarnt, dass jegliche politische Einmischung in die Zulassung dessen Legitimität und Sicherheit in Frage stellen könnte. Sollte es bezüglich des Impfstoffs Zweifel geben, könnten viele Menschen auf eine Impfung verzichten, womit die Pandemie letztlich schwerer einzudämmen wäre.

FDA-Chef Hahn hat wiederholt erklärt, dass sich die Behörde bei der Zulassung eines Corona-Impfstoffs an ihre bekannten und streng wissenschaftlichen Abläufe halten werde.

Derzeit befinden sich mehrere Impfstoffkandidaten in großen klinischen Studien mit bis zu 30.000 Probanden. Sollten diese im Herbst erfolgreich abgeschlossen sein, könnten die Aufsichtsbehörden mit dem - normalerweise aufwendigen und langwierigen - Prozess der Zulassung beginnen. Experten der US-Regierung, darunter der Immunologe Anthony Fauci, haben sich zuversichtlich gezeigt, dass es Anfang oder Mitte 2021 einen wirksamen Impfstoff geben könnte.

In den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, gibt es bislang rund 5,7 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 und 176.000 damit in Verbindung stehende Todesfälle. Täglich werden im Schnitt rund 45.000 Neuinfektionen gemeldet.

© dpa-infocom, dpa:200823-99-271870/4

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23. 08. 2020
23:27 Uhr

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