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Grüne-Fraktion: Herausforderin Kappert-Gonther selbstsicher

Die Frau, die mit Cem Özdemir an die Spitze der Grünen im Bundestag will, hatte kaum jemand auf dem Zettel. Kirsten Kappert-Gonther erklärt, warum sie kandidiert - und warum das die grüne Geschlossenheit sogar fördern könnte.



Kirsten Kappert-Gonther
Kirsten Kappert-Gonther kandidiert zusammen mit Cem Özdemir für die Spitze der Grünen-Fraktion.   Foto: Britta Pedersen

Deutschlandweit kaum bekannt, im Bundestag erst seit zwei Jahren - dennoch hält Grünen-Politikerin Kirsten Kappert-Gonther sich für geeignet, mit Cem Özdemir ihre Fraktion anzuführen.

«Frauen werden häufig unterschätzt», sagte die 52-Jährige, die mit ihrer Kandidatur gegen die Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter viele überrascht hat, der Deutschen Presse-Agentur. «Ich habe eine sehr lange Geschichte in dieser Partei, war stellvertretende Fraktionsvorsitzende in Bremen, habe Erfahrung in ärztlichen Leitungspositionen.» Sie glaube, bei einem Mann mit dieser Biografie «wäre man nicht so verwundert gewesen».

Die 67-köpfige Bundestagsfraktion der Grünen wählt am 24. September ihren Vorstand neu. Hofreiter und Göring-Eckardt, die seit Herbst 2013 die Doppelspitze bilden, wollen am Ruder bleiben. Ex-Parteichef Cem Özdemir und Kappert-Gonther treten gegen die beiden an. Ihre Chancen werden unter den Abgeordneten unterschiedlich eingeschätzt.

Um die Erwartungen an die Grünen zu erfüllen, brauche es «die Stärke der gesamten Fraktion», sagte Gesundheitsexpertin Kappert-Gonther, die bisher drogenpolitische Sprecherin der Bundestags-Grünen ist. «Ich glaube, dass diese Stärke sich noch mehr entfalten kann als bisher.» Auch im «Tagesspiegel» erklärte sie, was sie besser machen wolle: «Es ist notwendig, die große Koalition mit mehr Schwung zu konfrontieren», sagte sie der Zeitung. Die Grünen müssten zudem eine «andere Ansprache» finden, eine Sprache, «die den Menschen vermittelt, dass es direkt um sie geht.»

Schon bei der Vorstandswahl vor zwei Jahren hatten Hofreiter und Göring-Eckardt nicht sehr gut abgeschnitten, ohne Gegenkandidaten bekamen sie beide nur rund zwei Drittel der Stimmen. Sie wollen aber ausdrücklich gemeinsam weitermachen, Özdemir und Kappert-Gonther haben sich sogar mit einem gemeinsamen Schreiben beworben. Gewählt wird laut Geschäftsordnung einzeln, ein Platz im Spitzenduo ist für eine Frau reserviert.

Der Baden-Württemberger Özdemir hat vor allem im linken Flügel der Grünen nicht so viel Rückhalt - er gehört zu den «Realos». Einige halten ihn für zu wirtschaftsfreundlich und dominant, während seiner Zeit als Parteichef gab es viel Streit mit der Co-Vorsitzenden Simone Peter. Kappert-Gonther traut sich zu, auf Augenhöhe mit dem prominenten Schwaben zu arbeiten: «Wenn ich mir nicht zutrauen würde, sehr klar neben ihm und gemeinsam mit ihm diese Aufgaben zu übernehmen, dann hätte ich mich nicht beworben», sagte sie der dpa. Er habe einen ganz anderen beruflichen und persönlichen Hintergrund als sie, so könne «eine ausgezeichnete Zusammenarbeit entstehen».

Nach sechs Jahren als Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft war Kappert-Gonther 2017 in den Bundestag eingezogen. Die gebürtige Marburgerin ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Ihre Leidenschaft für die Politik entdeckte sie in den 80er Jahren, als sie sich gegen Atomkraft und Rüstung engagierte. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Dass es in der Fraktion nun einen Wahlkampf gibt, macht Unruhe auch nach außen hin sichtbar in einer Zeit, in der die Grünen sich sehr um ein geschlossenes Auftreten bemühen. «Wer immer den Fraktionsvorsitz gewinnt, muss im Team spielen», sagte Parteichefin Annalena Baerbock der Funke Mediengruppe. «Uns hat erfolgreich gemacht, dass wir geschlossen im Team handeln und für unseren Inhalt streiten, bis es schmerzt. Das ist auch für unsere Zukunft entscheidend.»

Auch Kappert-Gonther betonte, Geschlossenheit sei «elementar» - sieht diese aber durch die Kandidatur nicht gefährdet. Verschiedene Positionen anzuerkennen und damit umzugehen, fördere sogar die Geschlossenheit. «Sich Konflikten zu stellen, zeigt Stärke.»

Amtsinhaberin Göring-Eckardt bekräftigte in der «Welt», dass sie die Konkurrenz zwar überrascht habe, aber nicht störe: «Wettbewerb belebt immer», sagte sie. «Darum ist seine (Özdemirs) Bewerbung völlig in Ordnung.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
15. 09. 2019
08:40 Uhr

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15. 09. 2019
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