Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Geständnis im Fall Peggy bringt Ermittler voran

Vor 17 Jahren verschwand die Schülerin Peggy auf dem Heimweg. Jahrelang war ihr Schicksal ein Rätsel - bis ein Pilzsammler Knochen des Kindes entdeckte. Vergangene Woche vernahmen die Ermittler einen schon früher Verdächtigen. Und haben nun ein Geständnis.



Mordfall Peggy
Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof.   Foto: David-Wolfgang Ebener

Ein Geständnis im rätselhaften Mordfall der neunjährigen Peggy hat die Ermittler rund 17 Jahre nach dem Verschwinden des Kindes einen wesentlichen Schritt weitergebracht.

Ein 41-Jähriger hat ausgesagt, den leblosen Körper des Mädchens im Mai 2001 in einen Wald gebracht zu haben, wo Jahre später Knochen gefunden wurden.

«Wir sind überzeugt davon, den Mann gefasst zu haben, der den Körper von Peggy in das Waldstück bei Thüringen gebracht hat», sagte Daniel Götz, Gruppenleiter der Staatsanwaltschaft Bayreuth. Der 41-Jährige ist für die Beamten kein Unbekannter: Sie hatten ihn schon früher im Zusammenhang mit der Suche nach dem Kind im Visier.

Der nun Beschuldigte habe vor einigen Tagen bei einer Vernehmung angegeben, dass er das leblose Kind von einem anderen Mann an einer Bushaltestelle übernommen habe. Er habe noch versucht, das Mädchen zu beatmen - es dann jedoch in eine rote Decke gepackt, in den Kofferraum seines goldfarbenen Autos gelegt und in den Wald gebracht.

Er habe den Ermittlern auch gesagt, wer der Mann war, der ihn an der Bushaltestelle zum Anhalten aufforderte. Zu dieser Person wollten Staatsanwaltschaft und Polizei im Hinblick auf die Ermittlungen im Moment keine näheren Angaben machen.

Die Beamten gehen von einem Mordfall aus. Der 41-Jährige sei vernommen und danach entlassen worden. Er bleibe bis auf weiteres auf freiem Fuß. Die Polizei sehe keinen dringenden Tatverdacht, hieß es am Freitag. Die Ermittler suchen nach Zeugen, etwa ob jemand das goldfarbene Auto gesehen hat. Fotos von dem Wagen und weiterer Spuren haben die Behörden im Internet veröffentlicht, so dass sich jeder einen Eindruck machen kann. Nach wie vor ist eine Belohnung in Höhe von 30.000 Euro für hilfreiche Hinweise ausgesetzt.

Das Schicksal von Peggy gilt als einer der rätselhaftesten Fälle in Deutschland. Am 7. Mai 2001 war sie auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Gut 15 Jahre später - Anfang Juli 2016 - fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg in Oberfranken (Bayern) entfernt. Vergangene Woche hatte die Polizei mehrere Anwesen des 41 Jahre alten Beschuldigten durchsucht und dabei unter anderem Beweismaterial sichergestellt.

Nun teilten die Ermittler mit, dass im Zuge einer forensischen Pollenanalyse von Fundstücken an den sterblichen Überresten des Mädchens Torfspuren entdeckt wurden. Sie stehen in Bezug zu Pflanzarbeiten des Mannes am Tattag, die den Ermittlern bekannt waren. Außerdem fanden sie Farbreste, wie sie in Renovierungsmüll vorkommen. «Den Ermittlern war bekannt, dass der jetzt Beschuldigte damals umfangreiche Renovierungsarbeiten ausgeführt hatte», hieß es.

Darüber hinaus platzte ein angebliches Alibi des Mannes: Entgegen seiner bisherigen Angaben war er am Tattag in Lichtenberg unterwegs. Den Schulranzen und die Jacke von Peggy will der 41-Jährige Tage später bei sich zu Hause verbrannt haben, wie die Ermittler sagten. Das goldfarbene Auto haben Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen gefunden. Es werde ebenfalls nach Spuren untersucht. Die Anwältin von Peggys Mutter wollte sich auf Nachfrage zunächst nicht dazu äußern.

Das traurige Geschehen hätte genug Stoff für einen filmreifen Krimi: Im Laufe der Jahre hatte eine Sonderkommission mehrere Verdächtige, doch viele Spuren liefen ins Leere. Deutschlandweites Aufsehen erregte der Fall eines geistig behinderten Mannes, den ein Gericht 2004 als Mörder von Peggy verurteilte - der aber zehn Jahre später in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde.

Zudem entdeckten Ermittler am Fundort von Peggys Skelett DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Das stellte sich zwar später als Verunreinigung eines Geräts der Spurensicherung heraus - doch äußerte sich im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht sogar die Hauptangeklagte Beate Zschäpe zu dem Fall. Sie bestritt dort, etwas über Peggy gewusst zu haben.

In Peggys Heimatort ist ihr Schicksal seit 17 Jahren immer wieder allgegenwärtig. Im vergangenen Jahr hatten sich Bürger aus Lichtenberg, Bürgermeister Holger Knüppel und mehrere Stadträte mit einem «Hilferuf» an die Öffentlichkeit gewandt. Sie warfen den Behörden gravierende Fehler und Schlamperei bei den Ermittlungen vor und sprachen von einem «Polizei- und Justizskandal». Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden, Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Die Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe zurück.

Bürgermeister Knüppel zeigte sich nach den neuesten Nachrichten erleichtert: «Ich bin froh, dass die Ermittlungen nun zu einem weiteren konkreten Ergebnis geführt haben», teilte er der Deutschen Presse-Agentur mit. «Nun sieht es tatsächlich so aus, als ob der Fall endgültig gelöst werden kann. Das hoffe ich zumindest sehr!»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 09. 2018
16:21 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beate Zschäpe Deutsche Presseagentur Ermittler Holger Knüppel Justiz-Skandale Mordfälle Mädchen Männer Polizei Rätsel Schicksal Schüler Staatsanwaltschaft Bayreuth Uwe Böhnhardt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Fundstelle

13.09.2018

Fall Peggy: Durchsuchungen bei 41 Jahre altem Beschuldigten

Das Schicksal von Peggy zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Jahrelang galt sie als verschollen, dann entdeckte ein Pilzsammler Knochen des Kindes. Nun gab es Durchsuchungen bei einem Mann, desse... » mehr

Mordfall Peggy

11.12.2018

Haftbefehl gegen Tatverdächtigen im Mordfall Peggy erlassen

Überraschende Wende in einem der mysteriösesten Mordfälle Deutschlands: Weil er 2001 das neunjährige Mädchen Peggy umgebracht haben soll, sitzt ein Mann jetzt in U-Haft. Winzige Spuren und ein falsches Alibi wurden ihm z... » mehr

Wald bei Rodacherbrunn

24.12.2018

Fall Peggy: Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß

In den schier unendlichen Ermittlungen im Mordfall Peggy gibt es wiederum eine Wende. Jetzt ist der 41 Jahre alte Tatverdächtige aus der U-Haft entlassen worden. Einem Gericht reichten die Ermittlungsergebnisse nicht, um... » mehr

NSU

15.08.2019

NSU-Mordserie ist bis heute Bezugspunkt für Extremisten

Der Terror des NSU hat Deutschland erschüttert. Auch weil die Sicherheitsbehörden über Jahre in die falsche Richtung ermittelt hatten. «NSU» ist bis heute ein Synonym für rechten Terror. » mehr

Missbrauchsfall Lügde

14.05.2019

Kindesmissbrauch in Lügde: Erste Anklagen vorgelegt

Die Ermittlungen zum Kindesmissbrauch in Lügde waren begleitet von zahlreichen Pannen. Nun hat die Staatsanwaltschaft die ersten Anklagen vorgelegt. Doch am Ende sind die Ermittler noch lange nicht. » mehr

Stephan E.

26.07.2019

Fall Lübcke: Stephan E. soll Asylbewerber attackiert haben

Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke wird von den Behörden auch verdächtigt, im Jahr 2016 einen Asylbewerber verletzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem ungelösten Fall. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand Hütte Suhl Suhl-Heinrichs

Brand Suhl-Heinrichs | 17.09.2019 Suhl-Heinrichs
» 16 Bilder ansehen

Unfall A71 bei Meiningen A 71

Unfall A71 bei Meiningen | 16.09.2019 A 71
» 5 Bilder ansehen

Erntedankfest Bücheloh Bücheloh

Erntedankfest Bücheloh | 16.09.2019 Bücheloh
» 41 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 09. 2018
16:21 Uhr



^