Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Genua erinnert an «Apokalypse»

Die Bilder raubten nicht nur Genua, sondern Menschen auf der ganzen Welt den Atem. Vor einem Jahr krachte die Morandi-Brücke zusammen. Die Stadt versucht nun, langsam von der Katastrophe loszukommen.



Ein Jahr nach dem Brückeneinsturz
Mitte August 2018: Blick auf die am Vortag eingestürzte Autobahnbrücke Morandi.   Foto: Antonio Calanni/AP

Der Schmerz war mit dabei: Ein Jahr nach dem verheerenden Brückeneinsturz ist am Mittwoch in Genua der Opfer gedacht worden.

Während einer emotionalen Gedenkfeier mit einem Gottesdienst erinnerte der Kardinal und Erzbischof von Genua, Angelo Bagnasco, an die «Apokalypse, die uns den Atem verschlagen hat». Die Zeremonie fand am Ort der Tragödie und des Wiederaufbaus statt: mit Blick auf den ersten Stützpfeiler der neuen Brücke.

Am 14. August 2018 war ein etwa 180 Meter langes Stück der Fahrbahn der Morandi-Brücke mehr als 40 Meter in die Tiefe gestürzt. Mit ihr zahlreiche Autos, Lastwagen und deren Insassen. 43 Menschen kamen ums Leben. Die Bilder des Einsturzes während eines starken Unwetters gingen um die Welt. Unnachgiebig suchten Rettungskräfte mit schwerem Gerät nach Verschütteten und bargen Opfer und Überlebende.

Die Tragödie sei etwas gewesen, das «größer war als wir», sagte der Polizist Francesco Germano dem Rundfunksender Rai. Er entdeckte Überlebende in den Trümmern, «das hat uns die Kraft gegeben, weiterzusuchen». Noch immer werde in Genua jeden Tag über die Brücke gesprochen. «Die alte Brücke ist nicht mehr da», sagte Germano. Jetzt gebe es die Wiedergeburt.

Die Abrissarbeiten der gewaltigen Überreste des Polcevera-Viadukts wurden kurz vor dem Jahrestag abgeschlossen. Das komme einer «definitiven Loslösung eines Teils der Geschichte» gleich, sagte der Erzbischof. Ende Juni gingen bei einer spektakulären Sprengung die Überreste auf der Ost-Seite des Polcevera-Tals zu Boden. Vor wenigen Tagen wurden auch die Reste auf der Westseite abgetragen. Der Aufbau der neuen Brücke ist in vollem Gange. Den Bau leitet Stararchitekt Renzo Piano, der selbst aus Genua stammt. Die neue Brücke soll im April 2020 fertig sein.

In die Schweigeminute um 11.36 Uhr, dem Zeitpunkt des Unglücks, mischten sich am Mittwoch das Glockengeläut aller Kirchen, das Dröhnen der Schiffshörner im Hafen und die Tränen der Angehörigen der Opfer. Viele Gefühle waren im Spiel - auch die Wut: Nach einem Protest der Angehörigen verließ die Delegation des Konzerns Atlantia von der Familie Benetton die Gedenkfeier.

Atlantia kontrolliert den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia. Gegen ihn und mehr als 70 Personen wird wegen des Brückeneinsturzes ermittelt. Noch immer ist unklar, wie es zu der Tragödie kommen konnte.

Der Autobahnbetreiber schaltete am Mittwoch um 11.36 Uhr auf den elektronischen Anzeigetafeln der Autobahnen eine Botschaft der Erinnerung an die Opfer. Ihr Schicksal verglich die Präsidentin des Komitees der Angehörigen, Egle Possetti, mit einer «Todesstrafe ohne Möglichkeit auf Berufung». Man sehne sich danach, wieder in die Normalität zurückzukehren.

Neben den Toten und ihren Angehörigen müsse man sich auch an diejenigen erinnern, die wegen der Katastrophe ihr Zuhause oder ihren Job verloren hätten, sagte Genuas Bürgermeister Marco Bucci, der auch der Sonderverwalter des Wiederaufbaus ist. Die neue Brücke werde in der Lage sein, die Wunde zu vernähen, «indem sie eine entzwei gebrochene Stadt (...) wieder verbindet», schrieb Staatspräsident Sergio Mattarella in der Lokalzeitung «Il Secolo XIX».

Neben Mattarella waren auch Regierungsvertreter wie Ministerpräsident Giuseppe Conte und die beiden Vizepremierminister Matteo Salvini und Luigi Di Maio nach Genua gekommen. Es war ein ungewöhnliches Bild, die Minister der rechten Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung in diesen Tagen zusammen zu sehen. Die Regierung steckt in einer tiefen Krise.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
15:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autobahnen Brücken Erzbischöfe Kardinäle Lastkraftwagen Matteo Salvini Minister Papst Franziskus I. Polizistinnen und Polizisten Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungsmitglieder Renzo Piano Sergio Mattarella Tote
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
CureVac

16.03.2020

Streit um Impfstoff-Firma - Berlin empört Trump

Versucht US-Präsident Trump, Deutschland einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus wegzuschnappen oder sich die Entwicklung für die USA zu sichern? Die Reaktion: Empörung in Berlin. Die Firma versichert: kein Milli... » mehr

Papst Franziskus

17.12.2019

Papst schafft «päpstliches Geheimnis» bei Missbrauch ab

Unzählige Akten über Missbrauchsfälle schlummern in den Archiven der Kirche. Weil sie einem Schweigecode unterlagen, hatte kaum einer Einblick. Nun schafft der Papst diese umstrittene Regelung ab. Und die Bischöfe vor Or... » mehr

Proteste

20.08.2019

Populisten-Allianz am Ende: Italiens Premier Conte tritt ab

Nach mehr als einem Jahr Dauerstress ist Italiens populistische Regierung gescheitert. Ministerpräsident Conte tritt ab und knöpft sich Hardliner Salvini vor. Der eröffnet den Gegenangriff. Doch den Weg an die Macht könn... » mehr

Einkäufe in Mailand

08.03.2020

Spahn: Wegen Coronavirus Großveranstaltungen absagen

Die Covid-19-Epidemie stellt Italien vor eine nationale Notlage, wie die dortige Regierung warnt. Sie gibt neue drastische Anweisungen. In Deutschland ermuntert der Gesundheitsminister, beherzter vorzugehen. Erstmals sti... » mehr

George Pell

13.11.2019

Nach Missbrauchsurteil: Kardinal kann auf Freispruch hoffen

Kardinal George Pell ist der ranghöchste katholische Würdenträger, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Nun wird sein Fall erneut vor Gericht gehört. Termine stehen noch nicht fest. » mehr

Matteo Salvini

12.02.2020

Senat in Rom macht Weg frei für Prozess gegen Salvini

Als Matteo Salvini noch Innenminister war, versuchte er Italien gegen Migranten abzuschotten. Jetzt gibt der Senat das Okay für einen möglichen Prozess wegen dieser Politik. Der rechte Lega-Chef nutzt die Bühne für eine ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
15:32 Uhr



^