Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Fronten im Katalonien-Konflikt verhärten sich

Tagelange Proteste, schwere Krawalle: Im Katalonien-Konflikt stehen die Zeichen auf Sturm. Kann die spanische Regierung den Ruf nach Dialog weiter in den Wind schlagen?



Gegenüberstellung
In der Innenstadt von Barcelona stehen sich Demonstranten und Polizisten gegenüber.   Foto: Germán Lama/Europa Press/dpa » zu den Bildern

Nach sechs Protesttagen in Folge mit zum Teil schweren Ausschreitungen haben sich die Fronten im katalanischen Unabhängigkeitskonflikt weiter verhärtet.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez wies am Wochenende ein Gesprächsangebot des separatistischen Regionalpräsidenten Quim Torra zurück. Unabhängige Seiten riefen daraufhin zum Dialog auf.

Es müsse «einen wirklichen, ruhigen, diskreten und respektvollen Dialog» geben, forderte am Sonntag Ada Colau, die linksgerichtete Bürgermeisterin der von den Unruhen besonders erschütterten Regionalhauptstadt Barcelona. Medien berichteten, dass katalanische Gewerkschaften und Unternehmerverbände ein gemeinsames Kommuniqué vorbereiten, in dem zur «Besonnenheit» aufgerufen und ein «sozialer Pakt» angekündigt werde.

Die katalanischen Separatisten hatten am Samstagabend erneut gegen langjährige Haftstrafen für neun Führer der Unabhängigkeitsbewegung protestiert. Rund 6000 Menschen versammelten sich nach Medienschätzungen im Zentrum Barcelonas. Es war der sechste Protesttag in Folge in der abtrünnigen Region im Nordosten Spaniens, nachdem das Oberste Gericht am vorigen Montag die Haftstrafen von bis zu 13 Jahren bekanntgegeben hatte.

Mehrere Dutzend vermummte Demonstranten errichteten in der Nähe des Polizeipräsidiums in Barcelona wieder brennende Barrikaden. Sie setzten dafür unter anderem Müllcontainer in Brand. Sie bewarfen die zahlreichen Polizisten auch vereinzelt mit Gegenständen. Im Gegensatz zu den Abenden zuvor hielten sich die Unruhen am Samstag aber in Grenzen. Gemäßigtere Demonstranten hätten beschwichtigend eingegriffen, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE.

Auch im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid gingen am Samstag nach Medienschätzung rund 4000 Menschen aus Solidarität mit den katalanischen Separatisten auf die Straße. Es kam dabei zu Zusammenstößen mit der Polizei, bei der nach amtlichen Angaben 15 Demonstranten und elf Beamte verletzt wurden. Ein Mann sei zudem festgenommen worden, teilten die Behörden mit.

Erst in der Nacht von Freitag auf Samstag hatte Barcelona die gewalttätigste Nacht seit Beginn der Proteste erlebt. In ganz Katalonien gab es 83 Festnahmen. 182 Menschen, darunter 22 Polizisten und zwei Journalisten, wurden verletzt.

Regionalpräsident Quim Torra habe Ministerpräsident Pedro Sánchez daraufhin am Samstag angerufen, um ein Treffen vorzuschlagen. Der Sozialist sei aber nicht ans Telefon gegangen, berichteten die Zeitung «El País» und andere Medien unter Berufung auf beide Seiten. Madrid ließ wissen: Erst müsse das Gesetz respektiert werden, dann könne es auch einen Dialog geben. Torra hatte zwar ein Ende der Gewalt gefordert, diese aber nach Ansicht der Zentralregierung nicht ausdrücklich verurteilt. «Die Gewalttätigen werden den Staat nicht bezwingen», schrieb Sánchez auf Twitter.

Das Oberste Gericht in Madrid hatte sieben ehemalige Politiker der Konfliktregion und zwei Anführer ziviler Organisationen des Aufruhrs für schuldig befunden. Wegen ihrer Rolle bei dem illegalen Abspaltungsreferendum vom Oktober 2017 wurden sie zu Gefängnisstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Seither gibt es in Katalonien massive Proteste von Separatisten. Am Freitag gingen nach Angaben der Polizei rund 525 000 auf die Straße. Ein Ende der Proteste und der Unruhen ist nicht in Sicht.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
14:43 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aufruhr Demonstranten Gewerkschaften Krawalle Polizei Polizistinnen und Polizisten Regierungen und Regierungseinrichtungen Separatisten und Unabhängigkeitskämpfer Sozialer oder politischer Protest Spanische Premierminister Spanische Regierungen Twitter Unternehmerverbände
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ausschreitungen in Barcelona

17.10.2019

Kataloniens Regionalchef droht mit neuer Volksabstimmung

Katalonien kommt nicht zur Ruhe. Zwar verurteilt Regionalpräsident Quim Torra die Gewaltausbrüche der Separatisten erstmals öffentlich, droht aber auch erneut mit einer Abspaltung von Spanien. » mehr

Massen-Demonstration

19.10.2019

Nach neuer Krawallnacht in Katalonien: Madrid erhöht Druck

Im katalanischen Unabhängigkeitskonflikt verhärten sich die Fronten. Nach fünf Krawall-Nächten in Serie will Spaniens Zentralregierung nicht mit dem separatistischen Regionalpräsidenten Torra sprechen. Ein Ende der Demon... » mehr

Proteste in Ecuador

10.10.2019

Indigenen-Protest wird zur Kraftprobe für Ecuadors Regierung

Die Regierung flieht aus der Hauptstadt und sucht die Schuldigen im Ausland. Ein tiefer Bruch geht durch das Land. Und alles wegen höherer Spritpreise? Ecuador ist im Ausnahmezustand. » mehr

Proteste in Hongkong

15.11.2019

Weiteres Todesopfer nach Zusammenstößen in Hongkong

Innerhalb eine Woche sterben bei den sich zuspitzenden Protesten in Hongkong zwei Menschen. Zunächst stürzte ein Demonstrant von einem Parkhaus, nun wurde ein alter Mann von einem Pflasterstein getroffen. Die Regierung m... » mehr

Feuer

12.11.2019

USA sehen Lage in Hongkong mit «großer Besorgnis»

Hongkong kommt nicht zur Ruhe: Nach schweren Ausschreitungen am Vortag kehren Demonstranten zurück auf die Straße. Die USA beobachten die Situation mit Sorge. » mehr

Polizisten greifen durch

11.11.2019

Demonstrant angeschossen: Neue Gewaltwelle in Hongkong

Nach dem Tod eines Studenten eskalieren die Proteste in Hongkong. Wütende Demonstranten blockieren Straßen und setzen einen Mann in Brand. Mehrere Polizisten ziehen ihre Dienstwaffen - ein 21-Jähriger wird von einer Kuge... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Ilmenauer IKK-Klimawandel Ilmenau

Ilmenauer IKK-Klimawandel | 16.11.2019 Ilmenau
» 12 Bilder ansehen

Goldene Ziege Kids 2019 Suhl

Goldene Ziege für Kinder | 16.11.2019 Suhl
» 100 Bilder ansehen

weihnama1.jpg Himmelpfort

Weihnachtsbüro Himmelpforten | 15.11.2019 Himmelpfort
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
14:43 Uhr



^