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Frau wirft Biden sexuellen Übergriff vor

Bereits vor einem Jahr war Joe Biden Vorwürfen mehrerer Frauen ausgesetzt, er sei ihnen zu nah gekommen. Nun hat er es - inzwischen als designierter Präsidentschaftskandidat - mit einer noch schwerwiegenderen Anschuldigung zu tun. Was steckt dahinter?



Joe Biden
Bereits im vergangenen Frühling war Biden mit Vorwürfen mehrerer Frauen konfrontiert gewesen, wonach er diesen gegen ihren Willen zu nah gekommen sei.   Foto: Paul Sancya/AP/dpa

Vorwürfe zu einem angeblichen sexuellen Übergriff in den 90er Jahren werfen einen Schatten auf die Präsidentschaftsbewerbung des Ex-US-Vizepräsidenten Joe Biden.

Eine frühere Mitarbeiterin aus Bidens Zeiten als US-Senator, Tara Reade, beschuldigt den heute 77-Jährigen, er habe sie 1993 in einem Senatsgebäude gegen eine Wand gedrückt, unter ihren Rock gegriffen und sei mit seinen Fingern in sie eingedrungen. Bidens Kampagne hat die Anschuldigungen deutlich zurückgewiesen, der Demokrat selbst äußerte sich noch nicht dazu und sparte das Thema auch am Dienstag (Ortszeit) bei einem Online-Auftritt aus.

Es kommen jedoch schrittweise neue Informationsschnipsel an die Öffentlichkeit. Die Schilderungen der Frau werfen allerdings einige Fragen auf.

Reade schrieb auf Twitter, Biden habe sie vergewaltigt. «Es gibt keine Rechtfertigung für eine institutionalisierte Vergewaltigungskultur.» Die 56-Jährige hatte ihre Vorwürfe vor mehreren Wochen in einem Podcast publik gemacht. Große US-Medien, darunter die «Washington Post» und die «New York Times», starteten daraufhin Recherchen, sprachen mit Reade, Weggefährten der Frau und damaligen Mitarbeitern von Biden. Eindeutige Belege für ihre Darstellung fanden sie nicht.

Reade hatte sich demnach mehreren Personen anvertraut - unter anderem ihrer Mutter, die inzwischen gestorben ist. Ihr Bruder, dem sie nach eigenen Angaben damals von dem Vorfall erzählt hatte, bestätigte die Schilderung laut dem Bericht der «Washington Post» nicht auf Anhieb. Eine andere Person aus ihrem Umfeld habe erklärt, Reade habe damals von dem Zwischenfall berichtet - diese Person wollte jedoch anonym bleiben. Angestellte aus Bidens Senatsbüro, denen sich die Frau ebenfalls anvertraut haben will, hätten ihre Schilderung dagegen ausdrücklich zurückgewiesen.

Am Montag äußerten sich in einem Bericht des Portals «Business Insider» dann eine damalige Nachbarin Reades und eine frühere Kollegin aus einem anderen Senatsbüro, denen Reade in den 90er Jahren ebenfalls von dem Vorfall erzählt haben will. In früheren Interviews hatte Reade diese beiden Frauen als mögliche Stützen für ihre Darstellung nicht erwähnt.

Sie hatte außerdem zwar schon vor einem Jahr - wie auch eine Reihe von anderen Frauen - öffentlich beklagt, Biden habe sich ihr in der Vergangenheit auf unangemessene Weise genähert. Zu dem nun vorgebrachten sexuellen Übergriff äußerte sich zu der Zeit jedoch nicht. In Interviews sagte Reade zuletzt zur Begründung, sie habe vor einem Jahr noch nicht den Mut gehabt, öffentlich über den Übergriff zu sprechen.

Bidens Kampagne hat Reades Darstellung zu jenem Tag im Jahr 1993 vehement zurückgewiesen und erklärt, dies sei nicht wahr. Anschuldigungen dieser Art sollten zwar gehört und überprüft werden. Für Reades Behauptung gelte aber: «Dies ist absolut nicht passiert.»

Biden selbst schwieg bislang zu den Anschuldigungen. Am Dienstag (Ortszeit) bei einer gemeinsamen Online-Schalte mit der früheren US-Außenministerin Hillary Clinton zum Thema Frauen in der Corona-Krise kam die Frage nicht auf.

Bereits im vergangenen Frühling, kurz vor der Verkündung seiner Präsidentschaftskandidatur, war Biden mit Vorwürfen mehrerer Frauen konfrontiert gewesen, wonach er diesen gegen ihren Willen zu nah gekommen sei - etwa durch ungebetene Liebkosungen wie ein Tätscheln des Oberschenkels oder einen Kuss auf den Hinterkopf. Zu den Frauen, die sich damals zu Wort meldeten, gehörte auch Reade.

Der Demokrat hatte damals mit Blick auf die Äußerungen der Frauen zunächst erklärt, er glaube nicht, dass er sich unangemessen verhalten habe. Später gelobte er angesichts wachsenden öffentlichen Drucks dann aber Besserung und versprach: «Ich werde künftig aufmerksamer und respektvoller sein mit dem persönlichen Raum von Menschen.»

Biden hatte jahrzehntelang im US-Senat gesessen. Von 2009 bis 2017 war er Stellvertreter des damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Ende April 2019 war er als Präsidentschaftsbewerber der Demokraten ins Rennen seiner Partei eingestiegen. Nach dem Rückzug des linken Senators Bernie Sanders steht Biden inzwischen bereits als designierter Herausforderer für den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl Anfang November fest - weit vor dem Ende der Vorwahlen. Die offizielle Kür des Kandidaten soll bei einem Nominierungsparteitag der Demokraten im Sommer folgen.

Auch Trump war in der Vergangenheit mehrfach Anschuldigungen sexueller Übergriffigkeit ausgesetzt. Diverse Frauen warfen ihm sexuelle Belästigung vor, was er zurückwies. Während des Wahlkampfes 2016 war außerdem eine alte Tonaufnahme publik geworden, in der sich Trump anzüglich und herabwürdigend über Frauen äußerte - und darüber, dass er sie überall anfassen könne.

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dpa

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29. 04. 2020
04:12 Uhr

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