Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Brennpunkte

Forscher He verteidigt Gen-Experimente an Babys

Der Forscher He Jiankui hat nach eigenen Angaben die Genome von Zwillingen manipuliert. Auf einem Kongress in Hongkong schlägt ihm Empörung entgegen. Doch von Reue zeigt der Chinese keine Spur. Er verkündet, dass eine zweite Frau ein genmanipuliertes Kind austrägt.



He Jiankui
Angesichts scharfer weltweiter Kritik hat der chinesische Forscher He Jiankui seine Arbeit verteidigt, die zur Geburt der weltweit ersten genetisch veränderten Babys geführt haben soll.   Foto: Kin Cheung/AP » zu den Bildern

Trotz scharfer weltweiter Empörung hat der chinesische Forscher He Jiankui seine Arbeit verteidigt, die zur Geburt der weltweit ersten genetisch veränderten Babys geführt haben soll.

Zudem teilte er am Mittwoch bei einem Genomforscher-Kongress in Hongkong mit, dass eine weitere Frau mit einem von ihm manipulierten Embryo im Frühstadium schwanger sei. Die Wissenschaft müsse mehr tun, um Menschen mit Krankheiten zu helfen, sagt He. Forscherkollegen kritisierten den Wissenschaftler heftig.

Es war der erste Auftritt des bislang weitgehend unbekannten Forschers, seit er am Montag mit einem auf Youtube veröffentlichten Video bei Wissenschaftlern und Ethikern für Entsetzen gesorgt hatte. Darin hatte er die Geburt der ersten genmanipulierten Babys Lulu und Nana verkündet.

Die an Embryonen vorgenommenen Eingriffe mit der noch jungen Genschere Crispr/Cas9 sollten die Babys, deren Identität der Wissenschaftler geheimhalten will, demnach resistent gegen HIV machen. Andere Experten bezweifeln den medizinischen Nutzen der Versuche und verweisen auf Risiken für die beiden Mädchen und ihre Nachkommen.

Eine unabhängige Bestätigung für Hes Behauptung gab es zunächst nicht. Der Wissenschaftler betonte aber, er habe Forschungsunterlagen bei einer Fachzeitschrift eingereicht. Gleichzeitig gab er an, seine Forschung sei unerwartet an die Öffentlichkeit gedrungen. Dies ist umso erstaunlicher, als He die Nachricht in einer Ansprache über Youtube selbst verbreitet hatte - kurz vor Beginn des Kongresses.

Dort waren die Versuche das dominierende Thema. «He hat in einer großen Halle der Universität gesprochen, und die war bis auf den letzten Platz voll», sagte der Biochemiker Ernst-Ludwig Winnacker, der an dem Kongress teilnahm, der Deutschen Presse-Agentur. «Er machte einen gut vorbereiteten Eindruck und trat sehr selbstbewusst auf.»

Bei dem Vortrag wiederholte He, er habe mehrere kinderlose Paare aus gesunder Mutter und HIV-infiziertem Vater dazu gebracht, bei den Versuchen mitzumachen. Am Ende habe eines der Paare Zwillinge bekommen. «Auf diesen speziellen Fall bin ich wirklich stolz», sagte er.

He betonte, er habe zuvor erfolgreich Versuche an Mäusen und Affen durchführt. Bei den menschlichen Embryonen hatte er nach eigenen Angaben den sogenannten CCR5-Rezeptor von Zellen deaktiviert - das Haupteinfallstor für das HI-Virus. «Millionen Menschen» könne geholfen werden, wenn die Technologie schneller verfügbar gemacht werde, argumentierte He. Ihm gehe es nicht um die Schaffung von Designer-Babys, sondern um Heilung von Krankheiten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verurteilte die Genmanipulation. «Der Mensch soll nicht Gott spielen. So etwas ist mit unseren Werten nicht vereinbar. Punkt», sagte Spahn der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Er forderte die Europäer dazu auf, massiv in ethisch verantwortungsvolle Forschung und Entwicklung zu investieren. Es gehe darum, «dem Tun der Chinesen eine ethische Forschung entgegen zu setzen, die auf Basis unserer Werte dieselben oder bessere Ergebnisse erzielt».

Auch Teilnehmer der Konferenz in Hongkong übten scharfe Kritik an He. «Die Stimmung war ausgesprochen negativ», berichtete Winnacker. «Ich habe niemanden getroffen, der die Versuche von He gut findet.» Der US-Virologe und Nobelpreisträger David Baltimore sagte, die Arbeit des Chinesen sei «unverantwortlich» und «medizinisch nicht notwendig». Der Fall zeige, dass «die Selbstregulierung der Wissenschaft» gescheitert sei.

Unterdessen erklärte auch Emmanuelle Charpentier, die die Genschere Crispr/Cas9 maßgeblich mitentwickelt hatte, sie sei «sehr besorgt». «He Jiankui hat eindeutig eine rote Linie überschritten, vor allem weil er bei seiner Forschung die Sorgen der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft in Bezug auf die Editierung menschlicher Keimbahnen ignoriert hat», teilte die Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie mit. Schon am Montag hatten sich die beiden anderen maßgeblichen Entwickler der Genschere, die US-Forscher Jennifer Doudna und Feng Zhang, distanziert.

Andere Forscher warfen He in Hongkong vor, mit seinen «intransparenten» Versuchen den Ruf der gesamten Genom-Forschung gefährdet zu haben. Der Forscher hatte offenbar weder die chinesischen Behörden noch seine Universität in der Stadt Shenzhen über seine Experimente informiert. Die chinesische Regierung hat nach eigenen Angaben eine Prüfung der Versuche angeordnet.

He sagte in Hongkong, außerhalb seines Teams habe er sich nur mit vier Personen abgesprochen, darunter ein US-Forscher und ein Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Auf dem dreitägigen Kongress, der bis Donnerstag dauern sollte, wurde nach Angaben von Winnacker eine gemeinsame Erklärung zu Hes Versuchen erwogen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 11. 2018
16:28 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
CDU Chinesische Behörden Chinesische Regierungen Deutsche Presseagentur Embryonen Emmanuelle Charpentier Erbinformationen Ernst Ludwig Forschung Infektionsbiologie Jennifer Doudna Jens Spahn Konferenz Manipulation Max-Planck-Gesellschaft Säuglinge und Kleinkinder US-Forscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler YouTube
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Xi Jinping

03.05.2020

Schwere Vorwürfe gegen China wegen Corona-Krise

«Anschlag auf die internationale Transparenz»: Hat die chinesische Regierung den Corona-Ausbruch vertuscht? Ein 15-seitiges westliches Geheimdienstpapier geht mit Peking hart ins Gericht. » mehr

He Jiankui

27.11.2018

Genmanipulierte Babys: Peking ordnet Untersuchung an

Der Forscher He Jiankui hat nach eigenen Angaben das Genom zweier Kinder manipuliert. Nach einem internationalen Aufschrei der Empörung schaltet sich die chinesische Regierung ein und ordnet eine Untersuchung an. » mehr

Genetisch veränderte Babys in China

30.12.2019

«Gen-Babys»: Chinesischer Forscher verurteilt

Vor gut einem Jahr hatte der chinesische Forscher He Jiankui die Geburt der ersten angeblich gentechnisch veränderten Babys verkündet. Nun stand er deshalb vor Gericht. » mehr

Trump

15.04.2020

Trump dreht WHO mitten in Corona-Pandemie Geldhahn zu

In der Corona-Krise steht US-Präsident Trump mächtig unter Druck. Mit der WHO hat er nun einen Schuldigen gefunden, den er für die Tragweite der Pandemie verantwortlich machen kann. Ein Manöver, um von eigenen Versäumnis... » mehr

Infizierter Passagier

05.02.2020

Coronavirus: Entwarnung für Deutsche auf Schiff

Wieder meldet China einen Rekordanstieg der Virusfälle und Toten. Mit der Epidemie nehmen Anfeindungen gegen Chinesen in Deutschland zu. Auf einem Kreuzfahrtschiff in Japan gibt es zehn Infektionen. » mehr

Geburtenziffer

03.09.2019

Immer mehr Frauen werden erstmals mit über 40 Mutter

Immer mehr Frauen lassen sich Zeit mit dem Nachwuchs. Auch wenn die Generation «Ü-40» insgesamt nur für einen kleinen Teil der 787.500 Geburten in Deutschland steht, hat sich die Zahl dieser Mütter in knapp 30 Jahren fas... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Motorradunfall Streufdorf Streufdorf

Motorradunfall Streufdorf | 04.07.2020 Streufdorf
» 8 Bilder ansehen

Kellerbrand Benshausen Benshausen

Kellerbrand Benshausen | 03.07.2020 Benshausen
» 10 Bilder ansehen

Autokino Konzert mit der Band Die Letze Rettung Meiningen

Autokino Konzert | 27.06.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 11. 2018
16:28 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.