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Brennpunkte

Festnahmen nach Demonstrationen in Hongkong

Vor einem Jahr flammten die Proteste der prodemokratischen Kräfte in Hongkong neu auf. Die Demonstrationen dauern seither an. Chinas Pläne für ein umstrittenes Sicherheitsgesetz heizen die Atmosphäre auf.



Protestkundgebung in Hongkong im August 2019
Protestkundgebung in Hongkong im August 2019.   Foto: Gregor Fischer/dpa

Ein Jahr nach Beginn der Demonstrationen in Hongkong hat ein Großaufgebot von Polizei neue Proteste unterbunden. Tausende Hongkonger waren am wieder auf die Straßen gegangen.

Doch sofort marschierten massive Sicherheitskräfte auf, die auch mit Pfefferspray vorgingen und eine unbekannte Zahl von Menschen festnahmen. Zum Jahrestag der ersten Massendemonstration am 9. Juni 2019 rief die Protestbewegung zum entschiedenen Widerstand gegen die Regierung und den Einfluss der kommunistischen Pekinger Führung auf.

Die Organisatoren der großen Proteste der vergangenen zwölf Monate appellierten an die sieben Millionen Hongkonger, insbesondere gegen das Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit anzugehen, das die Zentralregierung für die chinesische Sonderverwaltungsregion erlassen will. «Widersetzt Euch dem bösartigen Gesetz, kämpft bis zum Ende», hieß es in einer Erklärung der Civil Human Rights Front.

Das Gesetz wäre der bisher weitgehendste Eingriff in die Autonomie Hongkongs. Es umgeht das Parlament der Metropole und richtet sich gegen Aktivitäten, die aus Pekinger Sicht subversiv sind oder auf eine Unabhängigkeit abzielen. Auch international stößt das Gesetz, das der Ständige Ausschuss des Volkskongresses noch diesen Monat erlassen könnte, auf heftige Kritik.

Die USA planen Sanktionen, in dem Hongkong bislang gewährte Vorteile entzogen werden sollen.

Einige Demonstranten hatten kurzzeitig Straßen blockiert. Die Polizei forderte die Menschen auf, das Gebiet zu verlassen, weil es sich um eine nicht genehmigte Versammlung handele. Wegen der Gefahr durch das Coronavirus sind in Hongkong keine Versammlungen von mehr als acht Personen erlaubt. «Wir sind heute hergekommen, um der Welt zu sagen, dass wir keine Angst haben. Die Kommunistische Partei will, dass wir Angst haben, aber wir fürchten uns nicht», sagte eine Demonstrantin.

Vor der Presse wandte sich Regierungschefin Carrie Lam gegen Pläne von Gewerkschaften und Studentengruppen für einen möglichen Aufruf zum Generalstreik. Das widerspreche den Interessen der Hongkonger in der durch das Coronavirus ausgelösten Wirtschaftskrise. Sie verteidigte ihre Politik und meinte, alle Seiten, einschließlich ihrer Regierung, hätten von den Ereignissen des Jahres eine Lektion zu lernen. «Hongkong kann es sich nicht leisten, weiter chaotisch zu sein.»

Das Sicherheitsgesetz ist Pekings Reaktion auf die prodemokratische Bewegung in Hongkong, die sich vor einem Jahr mit einem Massenprotest von Hunderttausenden gegen ein damals geplantes Auslieferungsgesetz neu formiert hatte. Es hätte die Auslieferung von Personen nach China ermöglicht, die von der - politisch nicht unabhängigen - chinesischen Justiz verdächtigt werden. Nach wochenlangen Protesten zog Hongkongs Regierung das Gesetzesvorhaben zurück. Doch dauerten die Demonstrationen Woche für Woche an. Erst der Ausbruch des Coronavirus dämmte die Aktionen ein.

«Die Menschen, die seit einem Jahr in Hongkong für ihre Freiheit auf die Straße gehen, sind keine Separatisten, keine Aufwiegler, keine Unruhestifter», sagte Gyde Jensen (FDP), Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Bundestages, in Berlin. Die Hongkonger wollten nur ihre verbrieften Grund- und Freiheitsrechte behalten, träfen dabei aber auf die «autoritäre und brutale Übermacht», die Chinas Präsident Xi Jinping auf die Sonderverwaltungszone ausgeweitet habe. Mit ihrer neutralen Haltung mache sich die Bundesregierung «zu einem willfährigen Komparsen des chinesischen Regimes».

Die Demonstranten setzen sich für mehr Demokratie ein und protestieren gegen Polizeibrutalität und den langen Arm Pekings. Die ehemalige britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» als eigenes Territorium autonom regiert. Die Hongkonger genießen - anders als die Menschen in der Volksrepublik - viele Freiheiten und Rechte, um die sie jetzt aber zunehmend fürchten.

«Über das vergangene Jahr haben die Hongkonger ihre friedlichen Forderungen nach Freiheit und Autonomie deutlich gemacht», sagte Sophie Richardson von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. «Aber die Behörden in Peking und Hongkong zogen es vor, mit noch größerer Repression und Gewalt zu reagieren.»

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dpa

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09. 06. 2020
16:44 Uhr

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