Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Fall Peggy: Durchsuchungen bei 41 Jahre altem Beschuldigten

Das Schicksal von Peggy zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Jahrelang galt sie als verschollen, dann entdeckte ein Pilzsammler Knochen des Kindes. Nun gab es Durchsuchungen bei einem Mann, dessen Name bei den Ermittlungen schon häufiger fiel.



Fundstelle
Ein blauer Kunststoff-Sack liegt in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis bei Rodacherbrunn. Skelettteile von Peggy wurden hier gefunden.   Foto: Daniel Karmann

Im Fall des toten Mädchens Peggy aus Oberfranken hat die Polizei mehrere Anwesen eines 41 Jahre alten Beschuldigten durchsucht.

Der Mann sei bereits früher zum «relevanten Personenkreis» im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy gezählt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Nun sei er wieder in den Fokus der Ermittler gerückt, weil inzwischen Untersuchungsergebnisse zu Spuren vom Fundort von Peggys Knochen vorliegen und frühere Erkenntnisse neu bewertet wurden. Der 41-Jährige sei vernommen und danach wieder entlassen worden. «Zum Inhalt der Aussage können wegen der andauernden Ermittlungen keine Angaben gemacht werden», hieß es. Die Durchsuchungen im oberfränkischen Lichtenberg (Landkreis Hof) und im rund 50 Kilometer entfernten Marktleuthen (Landkreis Wunsiedel) fanden bereits am Mittwoch statt.

Peggys Schicksal zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Am 7. Mai 2001 war die damals Neunjährige auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Gut 15 Jahre später - Anfang Juli 2016 - fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg entfernt.

Gegen den beschuldigten 41-Jährigen hätten sich Verdachtsmomente ergeben, nachdem die Polizei die wissenschaftlichen Untersuchungen zu den am Knochen-Fundort gefundenen Spuren bewertet und mit Erkenntnissen aus den Ermittlungsakten abgeglichen habe. Weitere Ermittlungsschritte hätten diese Verdachtsmomente untermauert.

Nach Informationen der «Neuen Presse Coburg» war der 41-Jährige im Laufe der Ermittlungen bereits mehrmals vernommen worden. Auch sein Haus soll bereits früher von der Polizei untersucht worden sein. Ein Sprecher der Ermittler wollte sich dazu nicht äußern und berief sich auf den Persönlichkeitsschutz des Mannes.

Die Ermittler haben den Fall bis heute nicht gelöst. Sie hatten im Laufe der Jahre aber schon mehrere Verdächtige im Visier. Der deutschlandweit bekannteste Fall ist der eines geistig Behinderten, den ein Gericht 2004 als Mörder von Peggy verurteilte. Zehn Jahre später wurde er aber in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Am Fundort von Peggys Skelett hatten die Ermittler auch DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt. Später stellte sich jedoch heraus, dass eine Verunreinigung eines Geräts der Spurensicherung der Grund dafür war. Eine Täterschaft des NSU-Mitglieds ist nach Angaben der Ermittler auszuschließen. Allerdings war Peggys Tod deshalb auch Thema im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe bestritt dort, etwas über die getötete Peggy gewusst zu haben.

Im vergangenen Jahr hatte sich eine Gruppe von Bürgern aus Lichtenberg mit einem «Hilferuf» an die Öffentlichkeit gewandt. Darin warfen die elf Unterzeichner den Ermittlungsbehörden gravierende Fehler und Schlamperei vor. Sie sprachen von einem «Polizei- und Justizskandal» und einseitigen Ermittlungen. Viele Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden und Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Unter den Unterzeichnern sind Lichtenbergs Bürgermeister Holger Knüppel und mehrere Stadträte. Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel wies die Vorwürfe zurück.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 09. 2018
13:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beate Zschäpe Ermittler Herbert Potzel Holger Knüppel Justiz-Skandale Mordfälle Polizei Schicksal Uwe Böhnhardt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mordfall Peggy

21.09.2018

Geständnis im Fall Peggy bringt Ermittler voran

Vor 17 Jahren verschwand die Schülerin Peggy auf dem Heimweg. Jahrelang war ihr Schicksal ein Rätsel - bis ein Pilzsammler Knochen des Kindes entdeckte. Vergangene Woche vernahmen die Ermittler einen schon früher Verdäch... » mehr

Wald bei Rodacherbrunn

24.12.2018

Fall Peggy: Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß

In den schier unendlichen Ermittlungen im Mordfall Peggy gibt es wiederum eine Wende. Jetzt ist der 41 Jahre alte Tatverdächtige aus der U-Haft entlassen worden. Einem Gericht reichten die Ermittlungsergebnisse nicht, um... » mehr

Mordfall Peggy

11.12.2018

Haftbefehl gegen Tatverdächtigen im Mordfall Peggy erlassen

Überraschende Wende in einem der mysteriösesten Mordfälle Deutschlands: Weil er 2001 das neunjährige Mädchen Peggy umgebracht haben soll, sitzt ein Mann jetzt in U-Haft. Winzige Spuren und ein falsches Alibi wurden ihm z... » mehr

NSU

15.08.2019

NSU-Mordserie ist bis heute Bezugspunkt für Extremisten

Der Terror des NSU hat Deutschland erschüttert. Auch weil die Sicherheitsbehörden über Jahre in die falsche Richtung ermittelt hatten. «NSU» ist bis heute ein Synonym für rechten Terror. » mehr

Missbrauchsfall Lügde

14.05.2019

Kindesmissbrauch in Lügde: Erste Anklagen vorgelegt

Die Ermittlungen zum Kindesmissbrauch in Lügde waren begleitet von zahlreichen Pannen. Nun hat die Staatsanwaltschaft die ersten Anklagen vorgelegt. Doch am Ende sind die Ermittler noch lange nicht. » mehr

Stephan E.

26.07.2019

Fall Lübcke: Stephan E. soll Asylbewerber attackiert haben

Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke wird von den Behörden auch verdächtigt, im Jahr 2016 einen Asylbewerber verletzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem ungelösten Fall. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

reisdorf_1.jpg Reisdorf

Zwei Tote bei Unfall in Reisdorf | 22.09.2019 Reisdorf
» 9 Bilder ansehen

Unfall Pkw gegen Mauer in Zella-Mehlis Zella-Mehlis

Autos an Betonwand Zella-Mehlis | 22.09.2019 Zella-Mehlis
» 10 Bilder ansehen

Hulapalu Herbstgeflüster 2019 Obermaßfeld

Oktoberfest Obermaßfeld | 22.09.2019 Obermaßfeld
» 89 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 09. 2018
13:33 Uhr



^